Nein sagen. Zeit, Grenzen zu setzen!

Nein sagen, wenn man es so meint. Sich nicht mehr ärgern, weil man es wieder nicht geschafft hat, dem Vorgesetzten eine Bitte abzuschlagen. Keine Angst haben vor Verlust der Beziehung, des Jobs oder der Freundschaft. Keine Ausreden und fadenscheinigen Begründungen nutzen. Neinsagen ist gar nicht nicht immer leicht. Mit diesen Tipps schaffen Sie es immer besser.

Nein sagen. Angst und Schuldgefühle überwinden und das Nein endlich lernen
Selbstbewusst NEIN sagen, ohne Schuldgefühle, ohne Angst. Tipps, Übungen und Beispiele der Autorin von Ja zum Nein, Selbstachtung statt Harmoniesucht.

Tipps, um endlich selbstbewusst nein zu sagen

Nein sagen und Grenzen setzen, unendliche Tipps in den Weiten des Netzes. Sehen Sie die folgenden Zeilen als Anregungen und Inspiration - und vergessen Sie nicht: Es gibt nicht "den ultimativen Tipp", um nein zu sagen. Es ist Ihr Leben, es sind Ihre Erfahrungen, es sind Ihre persönlichen Gedanken und Gefühle. Schritt für Schritt hin zu einem klaren Nein und mit der Zeit wird es immer besser klappen. Geben Sie sich Zeit und bleiben Sie geduldig mit sich. Ein Tipp ist und bleibt Theorie - bis Sie ihm mit Ihrer individuellen Art Leben einhauchen.

Fokus auf Ja. Der Rest folgt.

Das Neinsagen lernen ist keine Technik. Das Nein - oder eben auch das nicht so gemeinte Ja- ist das Resultat Ihrer Erfahrung, Ihres Wissens und Ihrer Bereitschaft, für sich selbst einzustehen. Das Neinsagen steht am Ende der Lernkette, nicht am Anfang. Die beste Technik also, um wirklich nein sagen zu lernen, wenn Sie es so meinen, ist: keine Technik anzuwenden. Gleichzeitig heißt dies auch, dass man einige Hürden nehmen muss - sofern man dies wirklich will. Fokus auf das Ja - das Nein folgt.

Ja sagen, obwohl man Nein meint. Wütend in das Wochenende gehen, weil man natürlich die Aufgaben des Kollegen mitgenommen hat. „Immer ich, mit mir kann es ja machen!“, ein Gedanke, den viele Menschen kennen, denen ein Nein schwer über die Lippen kommt. Grenzen setzen, wissen und wissen wofür man einstehen will, ist eine große Herausforderung. „Was denken die Kollegen dann über mich?“ oder „Wenn ich es wage, nein zu sagen, kann ich mir vermutlich bald einen neuen Job suchen!“
Und dann kommen die eigenen Vorwürfe - und die innere Stimme fährt in den vorwurfsvollen Modus:

  • "Wieso hast du nicht nein gesagt?"
  • "Wieso ist dir dein Job wichtiger als dein Privatleben?"
  • "Wieso sagst du nicht, was du wirklich willst?"
  • "Jetzt hast du eben die Tipps gelesen und das Nein fällt dir dennoch schwer?"
  • "Warum hast du geschwiegen?"
  • "Wieso sagst du nicht, was du wirklich denkst?"
  • "Wieso hast du nicht gehandelt?"

Das beste Mittel gegen ein halbherziges Ja, ist ein Nein aus ganzer Überzeugung.

Nicht nein sagen zu können, wenn man es so meint, liegt oft an einem geringen Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein. Es reicht einfach nicht, sich ständig einzureden, dass man toll ist, wenn man nicht daran glaubt. Die Wurzel liegt oft viel tiefer. Das Selbstwertgefühl zu stärken kann ein guter Anfang sein.

Nein-sagen liest sich sehr leicht und wie so oft ist man selbst meistens die allergrößte Hürde:

  • Hinderliche Glaubenssätze,
  • viel zu hohe Erwartungen an sich selbst,
  • schlechtes Gewissen gegenüber anderen Menschen
  • nicht klar formulierte Aussagen und/oder
  • ein geringes Selbstbewusstsein
  • Schuldgefühle

blockieren das Leben und erschweren nicht nur den Job oder den Arbeitsalltag. Kaum beschäftigt man sich mit dem einen Thema, fällt einem auf, welche Steine außerdem im Weg liegen. Irgendwann wird es zu viel und man entschließt sich wieder, falsche Jas zu geben, sich über Kollegen und Freunde zu ärgern: und nichts zu verändern.

Wir Menschen sind manchmal komische Wesen: So viel Potenzial schlummert in jedem von uns, doch statt es einfach zu leben, sich zu vertrauen und selbstbewusst seinen Weg zu gehen, machen wir es uns unnötig schwer. Doch ebenso wie man sich im Weg stehen kann, ist es auch möglich, Hindernisse zu umgehen, sie zur Seite zu schieben und zukünftig nicht mehr aufzustellen. Manchmal reichen schon wenige Schritte, um einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen und zu erkennen, dass die Gedanken im Vorfeld oft viel furchterregender waren als die Situation selbst. Also, immer wieder: Fokus auf das Ja!

Nein sagen und Grenzen setzen
Nein sagen. Ja zum Nein


Ohne Ausreden: Nein!

„Ich traue mich nicht, nein zu sagen“, „Es wird nur Ärger geben, wenn ich nein sage“ oder „Wenn ich das sage, dann gibt es noch mehr Probleme“, gerne auch „Dafür bin ich zu alt, das lerne ich nicht mehr“.
Das sind keine Argumente, das sind Ausreden. Sätze, die man sagt, um es gar nicht erst zu probieren und der Gefahr der Veränderung zu entgehen. Denn so merkwürdig es klingt: Zunächst verbinden die meisten Menschen nichts Positives mit Veränderung.

Theoretisch möchte man Veränderungen und es wäre toll, wenn man sich wieder auf die eigene Arbeit konzentrieren kann oder dem Kollegen endlich sagt, dass die Zusammenarbeit so nicht mehr funktioniert. Praktisch scheuen viele Menschen diesen Weg. Insgeheim wissen wir, dass es dazu einer neuen Verhaltensweise bedarf. Nicht bei unseren Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden, sondern bei uns selbst.

Wollen Sie? Wirklich? Sind Sie bereit, sich anzusehen, wo Sie stehen, wohin Sie wollen, welche Hürden es zu bewältigen gilt, um am Ende ein nein ohne schlechtes Gewissen zu sagen, ein ja, weil Sie es so meinen? Wenn ja, dann erkennen Sie Ihre eigenen Ausreden, werden sich ihrer bewusst und haben den Mut, sie nicht mehr zu auszusprechen. Wenn Sie sich wichtig sind, wenn Sie klar ein Nein äußern wollen, dann ist dies für einige Zeit eine der obersten Prioritäten. Und genau dorthin geht dann auch Ihre Aufmerksamkeit, Zeit und Energie.

Nein sagen. Ohne Angst und Schuldgefühle.
Nein sagen. Lernen Sie, Nein zu sagen mit Tipps von Coach und Autorin des Buches Ja zum Nein - so lernen Sie das NEIN sagen.



„Naja, wenn das alles so einfach wäre“ ...

Ist das eine Ausrede? Vielleicht weil Sie sich noch nicht vorstellen können, dass Sie wirklich nein sagen, vielleicht aber auch, weil Sie nicht anfangen möchten, an sich zu arbeiten. Vielleicht warten Sie jedoch auch auf den ultimativen Tipp, den es leider gar nicht gibt. Es gibt Anregungen, Optionen, Vorschläge, doch Sie haben auch hier die Wahl zu sagen: „Ich muss jetzt alles lesen, weil ich nein sagen möchte“ oder aber „Ich will mich mit diesem Thema beschäftigen, ich habe Lust, nein zu sagen, ich fange jetzt mit den Übungen an und sehe, was sich bewegt.“

„Aber manchmal ist es leichter, eine Ausrede zu benutzen, als dem anderen die Wahrheit zu sagen.“ Stimmt. Und dann ist man wieder ein Schritt weiter, weil man sich genau darüber bewusst ist, es als Ausrede erkennt und sich für diesen Weg entscheidet. 

Der innere Dialog

Sogenannte „Ausreden“ sind oft aber auch die innere Stimme, die, so schätzen Psychologen, wir ca. 40.000 - mal am Tag in Aktion treten lassen, oft unbewusst, was nicht sehr hilfreich auf dem Weg des Nein-Sagens ist. Unsere innere Stimme kann ein guter Gradmesser in Hinblick auf das Selbstwertgefühl sein. Dieser innere Dialog zeigt sehr klar, was man über sich denkt.

Wer Beweise für das innere Stimmenkonzert sucht, der stelle sich folgende Situationen vor:

  • Nachdem Sie eben stehend in der Teambesprechung fünf Minuten über die aktuelle Situation in der Abteilung sprachen, kommt in der Pause ein Kollege auf Sie zu und macht Sie auf den geöffneten Reißverschluss Ihrer Hose aufmerksam.
  • Sie kommen zu einem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzen 15 Minuten zu spät.
  • Sie stolpern in der überfüllten Fußgängerzone.
  • Ihr Vermieter bittet Sie per Brief dringend um einen Anruf.
  • Eine Kollegin hat Sie heute in der Kantine gesehen, aber nicht gegrüßt.
  • Als Sie heute in die Kaffeeküche betraten, beendeten Ihre Kollegen das Gespräch.

Gedankenkarussell

In all den o.g. Situationen passiert etwas, das peinlich sein könnte oder unangenehm oder ein Ereignis, von dem man nicht weiß, wie man damit umgehen soll: Der innere Dialog nimmt Fahrt auf, doch leider nicht immer zu unseren Gunsten. „Himmel, das ist peinlich, wie stehe ich denn nun vor meinen Kollegen da? Ich bin ein echter Idiot, das mir das nur passieren konnte!“ oder „Keine Ahnung, was ich ihr jetzt schon wieder getan habe. Ständig mache ich alles, damit sie freundlich zu mir ist, aber ich scheine es wohl nicht wert zu sein, dass sie mich grüßt.“

Wie sage ich nein ohne Schuldgefühle?

Nein sagen ohne Schuldgefühle - wäre das nicht großartig? Kann doch nicht so schwierig sein, das mit dem schlechten Gewissen. Aber manchmal überrumpelt es einen eben doch.

Nein sagen können klingt zunächst nahezu banal, denn es ist theoretisch nur ein kleines Wort- mit sehr großer Wirkung. Und gerade deshalb lohnt sich der Weg, denn wenn der erste Knoten geplatzt ist, folgen meist auch viele weitere. Und geplatzte Knoten kann es meiner Meinung nach gar nicht genug geben!

Nein sagen hat nichts mit egoistischem Verhalten zu tun. Mit den eigenen Schuldgefühlen lernen anders umzugehen, ist eine der wichtigsten und größten Hürden, die genommen werden sollte. Das schlechte Gewissen, weil man mutig zu sich selbst steht, anzunehmen und anders damit umzugehen, ist für viele eine große Herausforderung.

Unsere Schuldgefühle sind meistens schon länger in unserem Leben verankert und verwurzelt - und sie fühlen sich ganz wohl bei uns, halten wir sie doch selbst ständig mit Gedanken in Bewegung. Treffen sie auf mangelndes Selbstbewusstsein, fühlen sie sich besonders wohl. Dabei ist es nebensächlich, ob es um den Job oder das Privatleben geht. Angst, den Job oder Lieblingsmenschen zu verlieren, Angst, nicht gut genug zu sein, lernen, das alles auzuhalten.

Machmal dreht man sich im Kreis und eckt dennoch nur an.

Bewertungen sind normal

Zunächst gilt es, die Schuldgefühle anzuerkennen, sie wahrzunehmen, zu beobachten. Nicht mehr, nicht weniger. Die Herausfoderung liegt wie so oft in der "Nicht-Bewertung".
Schuldgefühle einfach nur betrachten, nicht verurteilen. Das ist der erste Schritt. Wer mag, der schreibt sie auf. Eine theoretisch simple Methode, die praktisch leider viel zu selten umgesetzt wird. Für einige Tage notieren, welche Schuldgefühle sich wann bemerkbar machen, kann sehr aufschlussreich sein.
Oft heißt es, dass man nicht bewerten soll, aber die Erfahrung zeigt, dass das oft nicht möglich ist. Muss es auch nicht. Bewerten Sie, was das Zeug hält, legen Sie los. Und seien Sie sich einfach nur Ihrer Bewertungen bewusst. Und der Tatsache, dass das alles nicht richtig sein muss - und es vermutlich auch noch eine andere Seite gibt.

In meinem Buch "Ja zum Nein" gibt es viele Übungen und Impulse, die Ihnen helfen, nein ohne schlechtes Gewissen zu sagen.

Mit oder ohne Bedenkzeit?

Wer nein sagen will, hat sicher schon einige Tipps gelesen, zum Beispiel den, dass Sie sich Bedenkzeit nehmen sollen.
Klappt das bei Ihnen? Wenn ja, lesen Sie den restlichen Text einfach nicht. :)

Sollte noch Luft nach oben sein, dann ist vielleicht dies eine Alternative für Sie. Folgende Situation könnte sich so oder ähnlich abspielen:

Sie stehen am Schreibtisch der Kollegin, die Sie mal wieder um Mitarbeit bittet, aber Sie wissen, Sie wollen nein sagen. Angenommen, Sie erbitten sich nun Bedenkzeit, gehen an Ihren Schreibtisch zurück, setzen sich auf den Stuhl. Was fängt spätestens dann an? Bei ganz vielen Menschen: das Gedankenkino.

Film ab, ihre Gedanken könnten sich ungefähr so im Kreis drehen:

"Eigentlich will ich nein sagen, aber ich weiß, sie hat richtig viel zu tun, ich könnte ihr einfach helfen, sie hat mir vergangenen Monat schließlich auch unter die Arme gegriffen, ich will ja nett sein, aber eigentlich ist es mir gerade zu viel, was soll ich machen, ach, ist doch egal, ich sag einfach ja, dann passt das schon, beim nächsten Mal kann ich immer noch nein sagen. Nein, ich will ja jetzt nein sagen lernen, also, was ist mir wirklich wichtig? Ach, ist doch wirklich egal ... "

Was hier passiert ist der Klassiker und genau die Situation, in der man sich ganz oft selbst um Kopf und Kragen denkt. Und am Ende dann doch das Gegenteil der Antwort gibt, die man eigentlich geben möchte.

Nun gibt es diese Wege:

  1. Sie nehmen sich keine Bedenkzeit, folgen Ihrer Intuition und sagen nein.

  2. Sie nehmen sich Bedenkzeit, lassen den Film laufen und sagen am Ende das Gegenteil dessen, was Sie wirklich wollen. Oder:

  3. Sie nehen sich Bedenkzeit und nutzen sie für sich, in dem Sie sich zum Beispiel schnell ein Blatt Papier nehmen, funktioniert natürlich auch am Rechner oder Smartphone, und sich eine Liste mit Ja/Nein erstellen. Schreiben Sie auf, was für ein Nein spricht, in die andere Spalte tragen Sie alles ein, wozu Sie ja sagen. Das kann in unserem Fall der freie Abend, Sport, Familie, keine Lust, keine Zeit, was auch immer sein. Wichtig: Jedes Argument zählt. Glauben Sie nicht, dass die Argumente inhaltlich wertvoll sein müssen, sie sollten einfach nur etwas in Ihnen auslösen: Lust, Spaß, ein Lächeln, Zufriedenheit. Alles was Ihnen guttut.

Wer sich seiner nicht bewusst ist, wird sich selbst immer im Weg stehen.

Überall wird man herausgefordert: Kollegen, die machen, was sie wollen. Menschen, die Energie und Zeit abziehen, Momente, in denen man ja sagt, aber NEIN meint. Das Selbstbewusstsein wird täglich auf die Probe gestellt.

Warum ist Selbstbewusstsein so wichtig?

  1. Wer nicht weiß, was er will, kann nicht für sich einstehen.
  2. Wer seine Stärken nicht kennt und einsetzt, wird sich nicht wohlfühlen.
  3. Zufriedenheit, Motivation und Glücksgefühle bleiben aus.

All dies sind Punkte, die ein Selbstbewusstsein so wichtig machen. Dabei geht es nicht um "höher, schneller und weiter", sondern einzig um "sich seiner selbst bewusst" zu sein. Wissen, was man will. Eigene Stärken und Schwächen kennen. Werte, Bedüfnisse und Gefühle kommunizieren und darum wissen.

Nein sagen mit oder ohne Begründung?

Nein-sagen mit Begründung ist für unser Gegenüber oft die Einladung, erneut nachzuhaken und anzusetzen und unsere Schwachstelle zu suchen und zu finden. Das Ziel ist, das erhoffte "Ja" doch noch zu bekommen.
Möglichkeiten, gelassen und ohne große Diskussion, ein Nein zu formulieren, könnten so aussehen:

  • „Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben.“ Oder:
  • „Danke, dass Sie an mich denken.“

Formulierungen mit einem kleinen Dankeschön, klappen oft sehr gut, das Nein wird also etwas nett verpackt, ohne es direkt auszusprechen. Bleiben Sie konstruktiv, aber klar und selbstverständlich bei Ihrem Nein.

  • "Nein, mir gefällt keine dieser Hosen, vielen Dank für Ihre Mühe!"
  • "Nein, ich kann Sie bei diesem Projekt nicht unterstützen, meine Zeit ist momentan bereits knapp."

Vermutlich kennen Sie mindestens eine der hier vorgestellten, oft ist es eine Kombination aus mehreren. Unser Selbstwertgefühl, oder das, was wir dafür halten, mag leider diese Fallen, die uns im Job und Berufsleben begegnen:

Das sind die Ja-Fallen

1. Die Lob – Falle
„Frau Müller, Sie haben das bisher immer so wunderbar erledigt, darf ich Sie bitten, mich auch jetzt zu unterstützen?“ Man fühlt sich geschmeichelt, geschätzt und hat für einige Sekunden den Eindruck, unentbehrlich zu sein. Schöne Illusion! Kaum ein Mensch, der nicht Lob gerne hört, auch im Job. Hören Sie hin, was der andere Ihnen wirklich sagt und ob es das ist, was Sie voran bringt. Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass Sie ein Lob nur in Kombination mit einem Auftrag erhalten, dann ist dies oft ein sicheres Zeichen, dass hier nur die Ja-Falle zuschnappen soll.

2. Die Zeit – Falle
„Herr Schmidt, haben Sie bitte wenige Minuten Zeit, um mir diese Unterlagen zu kopieren, geht wirklich ganz schnell!“
Achten Sie auch im Arbeitsalltag darauf, wie lange etwas dauert, was wirklich schnell gehen sollte. Fünf Kollegen stehen bereits am Drucker und warten, die Patrone ist leer, das Papier neigt sich dem Ende und wenn es wirklich so schnell geht, wieso macht der Kollege es dann nicht selbst? Selbstverständlich ist es verführerisch, „mal eben schnell“ zu helfen, doch fragen Sie sich vor dem Ja, ob Sie das wirklich wollen. Ihre Schuldgefühle werden hier vermutlich angetriggert.

3. Hilfst – du – mir – Falle
Grundsätzlich helfen Menschen sich gegenseitig gerne, was auch gut und richtig ist. Hat sich in der Abteilung jedoch herumgesprochen, dass Frau Müller gar nicht anders kann als Ja zu sagen, wird es nicht lange dauern, bis Kollegen das wissen und es ausnutzen: „Susanne, ich brauche dringend deine Hilfe“, kann schon ausreichen, um die Falle zuschnappen zu lassen. Diese Falle ist eine der schlimmsten, denn nicht selten führt sie zu totaler Überforderung und selbstgemachtem Stress. Helfen ist prima, wenn der Preis akzeptabel ist. Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen?


Mit "Ja zum Nein" war ich zu Gast in der SWR2 Matinee. Macht das Nein sagen glücklich? Ist es hinderlich für die Karriere?


4. Die Angst-Falle
Dem Kollegen seine Bitte ausschlagen, den Mitarbeiter im Projekt nicht unterstützen, wohin soll das führen? Die Angst, dass schlechte Stimmung verbreitet wird, weil man nicht Ja sagt, die Angst, nicht mehr Teil des Teams zu sein, bestimmt Ihre Handlung? Die Frage ist doch: Was wollen Sie mit Kollegen, die nur gut über Sie reden, wenn Sie ständig Ja sagen? Und was passiert wirklich, nicht nur in Ihren Gedanken, wenn Sie neinsagen?

5. Verantwortungs-Falle
Teamarbeit wird bei Ihnen groß geschrieben, ist vielleicht sogar einer Ihrer wichtigsten Werte? Klingt zunächst sehr lobenswert, aber die Falle ist hier vorprogrammiert: „Dieser Auftrag ist für unsere Abteilung sehr wichtig“ oder „Dieses Projekt wird für große Anerkennung sorgen“ ist Gift. Richtig dosiert, kann es sicher kurzfristig zur Höchstleistung beitragen und motivieren, doch zu viel davon ist tödlich. Gut, wenn Sie Verantwortung übernehmen, noch besser, wenn Sie nicht das einzige Teammitglied sind, das so denkt. Perfekt, wenn die Last auf allen Schultern gleichmäßig verteilt wird. Neinsagen als Teamleistung - weil alle ihre eigenen Grenzen kennen, das wäre doch mal was!

6. Gewohnheits-Falle
„Das hat immer so gut geklappt, wenn Sie mir geholfen haben, könnten Sie bitte …“, eine Falle, die gerne zuschnappt, wenn man bereits viel Ja gesagt hat. Sie bemerken in Zukunft, wann diese Falle vor Ihnen steht und stehen zu Ihrem nein. In vielen Fällen greifen mehrere Fallen ineinander, was die Ursachenforschung nicht unbedingt leichter macht. Versuchen Sie herauszufinden, in welche Sie bisher oft gelaufen sind und fangen Sie in kleinen Schritten an, Nein zu sagen, wenn Sie es meinen.

Grundsätzlich sollten wir immer davon ausgehen, dass wenn eine Falle aufgestellt wird, dies zunächst nicht aus purer Boshaftigkeit geschieht. Menschen bewegen sich gerne auf vertrautem Boden, wissen, an welchem Punkt sie ihr Gegenüber treffen können. Und wer von uns nutzt sie nicht selbst? In unserem Privatleben sind das die Momente, in denen wir Sätze sagen wie „Dieses Gespräch führen wir alle drei Wochen, es reicht mir!“ oder aber auch „Sag mal, wie oft sollen wir dieses Thema jetzt noch aufwärmen?“. Die Fallen sind die Situationen, in denen man genau weiß, was jetzt passieren wird, was der andere macht und sagt, wie man selbst reagiert. Abläufe, die man ohne großes Bewusstsein, ohne Verantwortung, dafür mit vielen Schuldgefühlen und wenig Selbstbewusstsein über viele Jahre hinweg immer wiederholen kann. Unsere Kommunikationsspiele wiederholen wir so lange, bis sich ein Mensch entschließt, es anders zu machen. Und genau hier besteht die große Chance - wenn man sich nicht vor Zurückweisung fürchtet, was leicht gesagt ist!

  • „Nie bekomme ich Unterstützung durch Sie!“ oder
  • „Immer muss ich alles alleine machen!“, so oder ähnlich klingen Fallen.

Ein leicht aggressiver Unterton der mitschwingt, oder die Übertreibung, die auch gerne gewählt wird, um uns zu locken, sind oft gute Hinweise. Gerne genommen jedoch auch „Ich bin nicht so gut wie du, kannst du mir helfen?“
Oder „Sie sind doch immer so schnell und die Zeit rennt mir davon“. Um die Fallen nicht mehr zuschnappen zu lassen, ist es wichtig, dass man nicht mehr auf die Köder reagiert. Doch leider lassen sich hier nur wenige Menschen irritieren und legen gerne ein wenig Druck dazu, werden ironisch oder sarkastisch. Umso wichtiger, dass Sie genau wissen, wann Sie in die Fallen tappen, was Ihr wunder Punkt ist, worauf Sie spontan reagieren. Bei „typisch Frau“ reagieren gar nicht wenige hoch aggressiv. Sobald ein Kollege, der einem nicht wohlgesonnen ist, dies bemerkt, wird er die Falle so oft aufstellen, bis die Frau endlich nicht mehr reagiert. Oder komplett die Fassung verliert.

In Dauerschleife möchte ich hier schreiben, dass jeder einzelne Text, jede Idee, jeder Impuls hoffentlich einfach nur eine Anregung für Sie ist. Es gibt nicht den einen Tipp", nicht "diese 3 Wege", um nein zu sagenund Grenzen zu setzen. Das gilt für die meisten anderen Themen in unserem Leben ebenso, hat nur leider zur Folge, dass die Menschen enttäuscht wegklicken.

Am Ende meines Buches "Ja zum Nein" habe ich einen kleinen Leitfaden geschrieben, der als kurze Zusammenfassung dienen soll, viel mehr aber als Erinnerung, ganz besonders jedoch als Ermutigung.

(K)eine Anleitung

Ich hoffe, dass das Nein für Sie wirklich erstrebenswert ist, Sie sich ermutigt fühlen, Ihren Weg zu gehen und auf keinen Fall vergessen, wo Ihr Sofa für die Stunden der Erholung steht.
Selbstverständlich hat jeder Mensch das Recht dazu „nein“ zu sagen. Mit einer verantwortungsvollen Kommunikation können Sie immer besser für sich in Gesprächen und Situationen für sich einstehen. Führen Sie ein Erfolgstagebuch, tauschen Sie sich mit anderen Menschen aus und achten darauf, dass Ihre Ziele nicht zu weit entfernt sind. Und: Nicht nur lesen. Wirklich machen! :)

  1. Jedes Ja ist wichtig, jedes Nein unentbehrlich: Es ist gut und richtig, nein zu sagen, ebenso wichtig, dass Menschen Grenzen setzen.

  2. Erinnern Sie sich, dass jedes Nein ein starkes Ja beinhaltet. Damit ändert sich nicht nur der Blickwinkel, sondern wir nehmen der Handlung und den Worten den negativen Beigeschmack.

  3. Erkennen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und machen sich auf die Suche nach weiteren Möglichkeiten, diese zu erfüllen, denn somit werden Sie gestärkt. Dies hat auch zur Folge, dass Ihnen das Nein zukünftig leichter fallen wird. Akzeptieren Sie Ihre Gefühle, die schönen stellt kein Mensch infrage, bei denen, die uns traurig oder wütend machen, fällt es uns nicht leicht, sie anzunehmen. Ebenso wie Ängste sind sie jedoch wertvolle Ratgeber und Hinweisschilder und auf dem Weg des Nein Sagens sehr wertvoll.

  4. Wissen Sie immer mehr, was Sie wollen, nicht mehr müssen, was Sie können und ebenso um Ihre Ziele. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstwert und zeugt davon, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

  5. Erkennen Sie Ihre Werte und geben Sie sich Zeit, diese zu finden. Achten Sie darauf, dass Sie nicht die Ihrer Eltern, Familie oder Freunde nehmen, sondern Sie Ihre ganz persönlichen Werte sehr bewusst formulieren und leben.

  6. Sie kennen Ihre Stärken oder sind damit beschäftigt, sie zu entdecken. Hier hilft Ihnen kein Kompass, doch Ihr Spürsinn wird Sie sicher die eine oder andere Entdeckung machen, die Ihnen zukünftig viel Freude bereiten wird.

  7. Sie übernehmen Verantwortung: für sich, Ihre Kommunikation, Ihr Verhalten. Sie setzen Grenzen, wenn dies notwendig ist und können sich selbst akzeptieren und annehmen.

  8. Sie vertrauen und stärken diese Eigenschaft jeden Tag mehr, indem Sie gute Erfahrungen machen, diese notieren. Sie erkennen Ihre Schwächen, aber lassen sich nicht von ihnen demotivieren.

  9. Die Ja- Fallen kennen Sie nun. Tappen Sie nicht zu oft hinein, wenn doch, nehmen Sie es auch mal mit Humor. Und erwischen sich vielleicht dabei, wie Sie demnächst Ihrem Kollegen eine Falle stellen - jaja, als seien wir immer besser. :)

  10. Machen Sie sich klar, dass Sie immer die Wahl haben. Nein oder Ja, beides ist in Ordnung, wenn Sie es so meinen. Wenn nicht, bekommen Sie ein immer besseres Gespür für die Momente, in denen Sie ein „halbherziges“ Ja sagen, um sich noch ein bisschen näher mit dieser Situation zu beschäftigen und hinterfragen erneut Ihre Bedürfnisse.

  11. Sie kennen Ihre Zeit – und Energievampire und wissen um die Stärken Ihres Sofas. Und dessen Schattenseiten. Veränderungen schieben Sie an, gehen Ihren Weg und lassen sich von Fehlschlägen nicht beirren.

  12. Klare Kommunikation: Sie übernehmen die Verantwortung für Ihr Handeln, Ihr Denken und ebenso für Ihre Kommunikation. Selbstverständlich auch gegenüber Kollegen und Mitarbeitern, Kunden und Vorgesetzten. Sie wissen, dass Sie für einen Teil des Dialogs zuständig sind und achten darauf, klare Worte zu wählen, auf Körperspräche und Tonfall zu achten. Vergewissern Sie sich, dass Sie nicht Ihren eigenen Interpretationen auf den Leim gehen.

  13. Sie wissen, dass Sie nein sagen wollen. Und Sie wissen auch, wozu Sie ja sagen. Eine klare innere Haltung wird Ihnen helfen, die entsprechenden Worte zu finden und zukünftig noch besser für sich einzustehen.


    … und ich wünsche Ihnen, dass Sie Vertrauen finden: in das Leben, die Menschen und ganz besonders sich selbst.

Komfortzone

"Raus da!", heißt es immer wieder an allen Ecken. Kann man machen, aber man kann die Komfortzone auch nutzen.

Harmoniesucht

Die bekommt ein eine eigene Seite, ist doch klar!

Ja Sager - die Fahnen im Wind

Ja-Sager sind freundlich, hilfsbereit und beliebt und vordergründig sehr beliebte Menschen. Kein Wunder, oder?

Lernen. Und üben, üben, üben ...

Es reicht einfach nicht aus, nur zu lesen, den Text abzunicken und dann doch weiter zu grübeln. Es ist wichtig, dass Sie neue Erfahrungen sammeln, die Ihre bisherigen quasi "überschreiben". Neue Erfahrungen, die Ihnen ermöglichen, hinderliche Glaubenssätze zu verändern, damit Sie zukünftig nicht mehr so viel Angst haben. Erfahrungen,

  • die Ihnen Mut machen,
  • die Ihnen zeigen, dass das Befürchtete oft gar nicht eintritt,
  • dass ein Nein der Karriere sehr wohl förderlich ist,
  • dass Ihr Nein Sie zufriedener macht.

Bleiben Sie am Ball. Üben, lernen und erleben. Und immer wieder gibt es auch Fehlschläge, alles ganz normal.
Souverän und selbstbewusst Nein sagen, wenn Sie es so meinen.
Klar Ja zu kommunizieren, wenn Sie es wirklich wollen.

Nein sagen, das Buch. Ja zum Nein.

Selbstachtung statt Harmoniesucht. Aktuell in der 3. Auflage, Ersterscheinung 2015.