Nein sagen lernen. Selbstbewusst und ohne Angst.

Nein sagen Schrift
Nein sagen. Selbstbewusst, ohne Schuldgefühle, ohne Angst. Tipps, Übungen und Beispiele der Autorin von "Ja zum Nein".



Nein sagen ist so viel mehr als das Aussprechen eines Wortes. Es kann schwierig und anstrengend sein, herausfordernd und komplexe Zusammenhänge sichtbar machen. Und es ist befreiend, wunderbar und erleichternd, wenn man weiß, wozu man "Nein sagen" will. Und man kann es lernen.


Es könnte so leicht sein:

  • Nein sagen, wenn man es so meint.
  • Sich nicht mehr ärgern, weil man es wieder nicht geschafft hat, dem Vorgesetzten eine Bitte abzuschlagen.
  • Keine Angst haben vor Verlust der Beziehung, des Jobs oder der Freundschaft.
  • Ein "Nein" ohne Ausreden und falsche Begründungen sagen.

So sieht oft nur die pure Theorie aus. Nun zur Praxis:

Nein sagen. Mit Selbstachtung statt Harmoniesucht.

Nein sagen ist nicht leicht, man selbst ist oft die allergrößte Hürde:

  • Hinderliche Glaubenssätze
  • Viel zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • Schlechtes Gewissen gegenüber anderen Menschen
  • Nicht klar formulierte Aussagen
  • Ein geringes Selbstbewusstsein
  • Schuldgefühle
  • Großes Harmoniebedürfnis

All das sind Beispiele, was das Leben blockieren kann - und das erschwert nicht nur den Job oder den Arbeitsalltag. Kaum beschäftigt man sich mit einem Thema, fällt einem auf, welche anderen Steine im Weg liegen. Irgendwann wird es zu viel und man entschließt sich wieder, Ja zu sagen, obwohl man nein meint. Und nichts zu verändern.

Wir Menschen sind manchmal komische Wesen: So viel Potenzial schlummert in jedem von uns, doch statt es einfach zu leben, sich zu vertrauen und selbstbewusst seinen Weg zu gehen, machen wir es uns unnötig schwer. Doch ebenso wie man sich im Weg stehen kann, ist es auch möglich, Hindernisse zu umgehen, sie zur Seite zu schieben und zukünftig nicht mehr aufzustellen. Manchmal reichen schon wenige Schritte, um einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen und zu erkennen, dass die Gedanken im Vorfeld oft viel furchterregender waren als die Situation selbst. Also, immer wieder: Fokus auf das Ja!

Nein sagen lernen, das heißt auch, dass es nicht "den einen ultimativen Tipp" gibt! Das "Neinsagen-lernen" ist ein sehr individueller Weg. Es ist Ihr Leben, es sind Ihre Erfahrungen, Ihre Gedanken und Gefühle.
Schritt für Schritt zu einem klaren Nein, das ist machbar. Doch sicher ist es kein Pillepalle und bedarf sehr viel mehr Aufmerksamkeit, als es so manche Internetseite der Leserin und dem Leser weismachen möchte.

Fokus auf Ja. Der Rest folgt.

"Nein sagen"- sagen ist keine Technik. Das klare, selbstverständliche und selbstbewusste Nein ist das Resultat Ihrer Erfahrung, Ihres Wissens und Ihrer Bereitschaft, für sich selbst einzustehen. Nein sagen zu können steht am Ende der Lernkette, nicht am Anfang. Die beste Technik also, um nein sagen zu lernen, ist: keine Technik anzuwenden. Gleichzeitig heißt dies auch, dass man einige Hürden nehmen muss - sofern man dies wirklich will. Fokus auf das Ja - das Nein folgt. Nein sagen, wenn man es so meint. Nicht wütend in das Wochenende gehen, weil man natürlich die Aufgaben des Kollegen mitgenommen hat.

„Immer ich, mit mir kann es ja machen!“, ein Gedanke, den viele Menschen kennen, denen ein Nein schwer über die Lippen kommt. Grenzen setzen und wissen, wofür man einstehen will, ist eine große Herausforderung. „Was denken die Kollegen dann über mich?“ oder „Wenn ich es wage, nein zu sagen, kann ich mir vermutlich bald einen neuen Job suchen!“ Und dann kommen die eigenen Vorwürfe - und die innere Stimme fährt in den vorwurfsvollen Modus:

  • "Wieso hast du nicht nein gesagt?"
  • "Wieso ist dir dein Job wichtiger als dein Privatleben?"
  • "Wieso sagst du nicht, was du wirklich willst?"
  • "Jetzt hast du eben die Tipps gelesen und das Nein fällt dir dennoch schwer?"
  • "Warum hast du geschwiegen?"
  • "Wieso sagst du nicht, was du wirklich denkst?"
  • "Wieso hast du nicht gehandelt?"

Das beste Mittel gegen ein halbherziges Ja, ist ein Nein aus ganzer Überzeugung.

Nicht nein-sagen zu können, wenn man es so meint, liegt oft an einem geringen Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein. Es reicht einfach nicht, sich ständig einzureden, dass man toll ist, wenn man nicht daran glaubt. Die Wurzel liegt oft viel tiefer. Die Selbstachtung zu stärken kann ein guter Anfang sein.

Nein sagen und Grenzen setzen
Nein sagen lernen, Buch: Ja zum Nein. Ja zum Nein

Nein sagen ohne Ausreden

  • „Ich traue mich nicht, nein zu sagen“
  • „Es wird nur Ärger geben, wenn ich nein sage“ oder
  • „Wenn ich das sage, dann gibt es noch mehr Probleme“, gerne auch
  • „Dafür bin ich zu alt, das lerne ich nicht mehr“.

Das sind keine Argumente, das sind Ausreden. Sätze, die man sagt, um es gar nicht erst zu probieren und der Gefahr der Veränderung zu entgehen. Denn so merkwürdig es klingt: Zunächst verbinden die meisten Menschen nichts Positives mit Veränderung.

Theoretisch möchte man Veränderungen bewirken und es wäre toll, wenn man sich wieder auf die eigene Arbeit konzentrieren kann oder dem Kollegen endlich sagt, dass die Zusammenarbeit so nicht mehr funktioniert. Praktisch scheuen viele Menschen diesen Weg. Insgeheim wissen wir, dass es dazu einer neuen Verhaltensweise bedarf. Nicht bei unseren Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden, sondern bei uns selbst.

Wollen Sie? Sind Sie bereit, sich anzusehen, wo Sie stehen, wohin Sie wollen, welche Hürden es zu bewältigen gilt, um am Ende ein nein ohne schlechtes Gewissen zu sagen, ein ja, weil Sie es so meinen? Wenn ja, dann erkennen Sie Ihre eigenen Ausreden, werden sich ihrer bewusst und haben den Mut, sie nicht mehr zu auszusprechen. Wenn Sie sich wichtig sind, wenn Sie klar ein Nein äußern wollen, dann ist dies für einige Zeit eine der obersten Prioritäten. Und genau dorthin geht dann auch Ihre Aufmerksamkeit, Zeit und Energie.

Nein sagen. Ohne Angst und Schuldgefühle.
3 konkrete und praktische Übungen für Ihr klares Nein. Tipps von Coach und Autorin des Buches Ja zum Nein - so lernen Sie das NEIN sagen.



★★ „Naja, wenn das alles so einfach wäre ..."

Ist das eine Ausrede? Vielleicht weil Sie sich noch nicht vorstellen können, dass Sie wirklich nein sagen, vielleicht aber auch, weil Sie nicht anfangen möchten, an sich zu arbeiten. Vielleicht warten Sie jedoch auch auf den ultimativen Tipp, den es leider gar nicht gibt. Es gibt Anregungen, Optionen, Vorschläge, doch Sie haben auch hier die Wahl zu sagen: „Ich muss jetzt alles lesen, weil ich nein sagen möchte“ oder aber „Ich will mich mit diesem Thema beschäftigen, ich habe Lust, nein zu sagen, ich fange jetzt mit den Übungen an und sehe, was sich bewegt.“

Ein Tipp ist und bleibt Theorie - bis Sie ihm mit Ihrer individuellen Art Leben einhauchen.

„Aber manchmal ist es leichter, eine Ausrede zu benutzen, als dem anderen die Wahrheit zu sagen.“ Stimmt. Und dann ist man wieder ein Schritt weiter, weil man sich genau darüber bewusst ist, es als Ausrede erkennt und sich für diesen Weg entscheidet. 
Sogenannte „Ausreden“ sind oft aber auch die innere Stimme, die, so schätzen Psychologen, wir ca. 40.000 - mal am Tag in Aktion treten lassen, oft unbewusst, was nicht sehr hilfreich auf dem Weg des Nein-Sagens ist. Unsere innere Stimme kann ein guter Gradmesser in Hinblick auf unsere Selbstachtung sein. Dieser innere Dialog zeigt sehr klar, was man über sich denkt.

Ohne Schuldgefühle

Nein sagen ohne Schuldgefühle - wäre das nicht großartig? Kann doch nicht so schwierig sein, das mit dem schlechten Gewissen. Aber manchmal überrumpelt es einen eben doch.

Nein sagen können klingt zunächst nahezu banal, denn es ist theoretisch nur ein kleines Wort- mit sehr großer Wirkung. Und gerade deshalb lohnt sich der Weg, denn wenn der erste Knoten geplatzt ist, folgen meist auch viele weitere. Und geplatzte Knoten kann es meiner Meinung nach gar nicht genug geben!

Nein sagen hat nichts mit egoistischem Verhalten zu tun. Mit den eigenen Schuldgefühlen lernen anders umzugehen, was den Umgang mit Erwartungen einschließt, ist eine der wichtigsten und größten Hürden. Das schlechte Gewissen, weil man mutig zu sich selbst steht, anzunehmen und anders damit umzugehen, ist für viele Menschen eine große Herausforderung.

Unsere Schuldgefühle sind meistens schon länger in unserem Leben verankert und verwurzelt - und sie fühlen sich ganz wohl bei uns, halten wir sie doch selbst ständig mit Gedanken in Bewegung. Treffen sie auf mangelndes Selbstbewusstsein, bleiben sie besonders gern. Dabei ist es nebensächlich, ob es um den Job oder das Privatleben geht. Angst, den Job oder Lieblingsmenschen zu verlieren, Angst, nicht gut genug zu sein, lernen, das alles auzuhalten. Leicht ist anders ...

Machmal dreht man sich im Kreis und eckt dennoch nur an.

★★ Bewertungen sind normal

Zunächst gilt es, die Schuldgefühle anzuerkennen, sie wahrzunehmen, zu beobachten. Nicht mehr, nicht weniger. Die Herausfoderung liegt wie so oft in der "Nicht-Bewertung".
Schuldgefühle einfach nur betrachten, nicht verurteilen. Das ist der erste Schritt. Wer mag, der schreibt sie auf. Eine theoretisch simple Methode, die praktisch leider viel zu selten umgesetzt wird. Für einige Tage notieren, welche Schuldgefühle sich wann bemerkbar machen, kann sehr aufschlussreich sein.
Oft heißt es, dass man nicht bewerten soll, aber die Erfahrung zeigt, dass das oft nicht möglich ist. Muss es auch nicht. Bewerten Sie, was das Zeug hält, legen Sie los. Und seien Sie sich einfach nur Ihrer Bewertungen bewusst. Und der Tatsache, dass das alles nicht richtig sein muss - und es vermutlich auch noch eine andere Seite gibt.

In meinem Buch "Ja zum Nein- Selbstachtung statt Harmoniesucht" gibt es viele Übungen und Impulse, die Ihnen helfen, nein ohne schlechtes Gewissen zu sagen.

Das sind die 6 Ja-Fallen

  1. Die Lob – Falle
    „Frau Müller, Sie haben das bisher immer so wunderbar erledigt, darf ich Sie bitten, mich auch jetzt zu unterstützen?“ Man fühlt sich geschmeichelt, geschätzt und hat für einige Sekunden den Eindruck, unentbehrlich zu sein. Schöne Illusion! Kaum ein Mensch, der nicht Lob gerne hört, auch im Job. Hören Sie hin, was der andere Ihnen wirklich sagt und ob es das ist, was Sie voran bringt. Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass Sie ein Lob nur in Kombination mit einem Auftrag erhalten, dann ist dies oft ein sicheres Zeichen, dass hier nur die Ja-Falle zuschnappen soll.

  2. Die Zeit – Falle
    „Herr Schmidt, haben Sie bitte wenige Minuten Zeit, um mir diese Unterlagen zu kopieren, geht wirklich ganz schnell!“
    Achten Sie auch im Arbeitsalltag darauf, wie lange etwas dauert, was wirklich schnell gehen sollte. Fünf Kollegen stehen bereits am Drucker und warten, die Patrone ist leer, das Papier neigt sich dem Ende und wenn es wirklich so schnell geht, wieso macht der Kollege es dann nicht selbst? Selbstverständlich ist es verführerisch, „mal eben schnell“ zu helfen, doch fragen Sie sich vor dem Ja, ob Sie das wirklich wollen. Ihre Schuldgefühle werden hier vermutlich angetriggert.

  3. Hilfst – du – mir – Falle
    Grundsätzlich helfen Menschen sich gegenseitig gerne, was auch gut und richtig ist. Hat sich in der Abteilung jedoch herumgesprochen, dass Frau Müller gar nicht anders kann als Ja zu sagen, wird es nicht lange dauern, bis Kollegen das wissen und es ausnutzen: „Susanne, ich brauche dringend deine Hilfe“, kann schon ausreichen, um die Falle zuschnappen zu lassen. Diese Falle ist eine der schlimmsten, denn nicht selten führt sie zu totaler Überforderung und selbstgemachtem Stress. Helfen ist prima, wenn der Preis akzeptabel ist. Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen?

  4. Die Angst-Falle
    Dem Kollegen seine Bitte ausschlagen, den Mitarbeiter im Projekt nicht unterstützen, wohin soll das führen? Die Angst, dass schlechte Stimmung verbreitet wird, weil man nicht Ja sagt, die Angst, nicht mehr Teil des Teams zu sein, bestimmt Ihre Handlung? Die Frage ist doch: Was wollen Sie mit Kollegen, die nur gut über Sie reden, wenn Sie ständig Ja sagen? Und was passiert wirklich, nicht nur in Ihren Gedanken, wenn Sie neinsagen?

  5. Verantwortungs-Falle
    Teamarbeit wird bei Ihnen groß geschrieben, ist vielleicht sogar einer Ihrer wichtigsten Werte? Klingt zunächst sehr lobenswert, aber die Falle ist hier vorprogrammiert: „Dieser Auftrag ist für unsere Abteilung sehr wichtig“ oder „Dieses Projekt wird für große Anerkennung sorgen“ ist Gift. Richtig dosiert, kann es sicher kurzfristig zur Höchstleistung beitragen und motivieren, doch zu viel davon ist tödlich. Gut, wenn Sie Verantwortung übernehmen, noch besser, wenn Sie nicht das einzige Teammitglied sind, das so denkt. Perfekt, wenn die Last auf allen Schultern gleichmäßig verteilt wird. Neinsagen als Teamleistung - weil alle ihre eigenen Grenzen kennen, das wäre doch mal was!

  6. Gewohnheits-Falle
    „Das hat immer so gut geklappt, wenn Sie mir geholfen haben, könnten Sie bitte …“, eine Falle, die gerne zuschnappt, wenn man bereits viel Ja gesagt hat. Sie bemerken in Zukunft, wann diese Falle vor Ihnen steht und stehen zu Ihrem nein. In vielen Fällen greifen mehrere Fallen ineinander, was die Ursachenforschung nicht unbedingt leichter macht. Versuchen Sie herauszufinden, in welche Sie bisher oft gelaufen sind und fangen Sie in kleinen Schritten an, Nein zu sagen, wenn Sie es meinen.

Grundsätzlich sollten wir immer davon ausgehen, dass wenn eine Falle aufgestellt wird, dies zunächst nicht aus purer Boshaftigkeit geschieht. Menschen bewegen sich gerne auf vertrautem Boden, wissen, an welchem Punkt sie ihr Gegenüber treffen können. Und wer von uns nutzt sie nicht selbst? In unserem Privatleben sind das die Momente, in denen wir Sätze sagen wie „Dieses Gespräch führen wir alle drei Wochen, es reicht mir!“ oder aber auch „Sag mal, wie oft sollen wir dieses Thema jetzt noch aufwärmen?“. Die Fallen sind die Situationen, in denen man genau weiß, was jetzt passieren wird, was der andere macht und sagt, wie man selbst reagiert. Abläufe, die man ohne großes Bewusstsein, ohne Verantwortung, dafür mit vielen Schuldgefühlen und wenig Selbstbewusstsein über viele Jahre hinweg immer wiederholen kann. Unsere Kommunikationsspiele wiederholen wir so lange, bis sich ein Mensch entschließt, es anders zu machen. Und genau hier besteht die große Chance - wenn man sich nicht vor Zurückweisung fürchtet, was leicht gesagt ist!

  • „Nie bekomme ich Unterstützung durch Sie!“ oder
  • „Immer muss ich alles alleine machen!“, so oder ähnlich klingen Fallen.

Ein leicht aggressiver Unterton der mitschwingt, oder die Übertreibung, die auch gerne gewählt wird, um uns zu locken, sind oft gute Hinweise. Gerne genommen jedoch auch „Ich bin nicht so gut wie du, kannst du mir helfen?“
Oder „Sie sind doch immer so schnell und die Zeit rennt mir davon“. Um die Fallen nicht mehr zuschnappen zu lassen, ist es wichtig, dass man nicht mehr auf die Köder reagiert. Doch leider lassen sich hier nur wenige Menschen irritieren und legen gerne ein wenig Druck dazu, werden ironisch oder sarkastisch. Umso wichtiger, dass Sie genau wissen, wann Sie in die Fallen tappen, was Ihr wunder Punkt ist, worauf Sie spontan reagieren. Bei „typisch Frau“ reagieren gar nicht wenige hoch aggressiv. Sobald ein Kollege, der einem nicht wohlgesonnen ist, dies bemerkt, wird er die Falle so oft aufstellen, bis die Frau endlich nicht mehr reagiert. Oder komplett die Fassung verliert.

In Dauerschleife möchte ich hier schreiben, dass jeder einzelne Text, jede Idee, jeder Impuls hoffentlich einfach nur eine Anregung für Sie ist.

★★ Es gibt nicht den einen Tipp", nicht "diese 3 Wege", um Neinsagen zu können und Grenzen zu setzen. Das gilt für die meisten anderen Themen in unserem Leben ebenso, hat nur leider zur Folge, dass die Menschen enttäuscht wegklicken.

Harmoniesucht

Die bekommt eine eigene Seite, ist doch klar!

Das Nein sagen lernen. Und üben, üben, üben ...

Es reicht einfach nicht aus, nur zu lesen, den Text abzunicken und dann doch weiter zu grübeln. Es ist wichtig, dass Sie neue Erfahrungen sammeln, die Ihre bisherigen quasi "überschreiben". Neue Erfahrungen, die Ihnen ermöglichen, hinderliche Glaubenssätze zu verändern, damit Sie zukünftig nicht mehr so viel Angst haben. Erfahrungen,

  • die Ihnen Mut machen,
  • die Ihnen zeigen, dass das Befürchtete oft gar nicht eintritt,
  • dass das Nein- sagen der Karriere sehr wohl förderlich ist,
  • dass Ihr Nein Sie zufriedener macht.

Bleiben Sie am Ball. Üben, lernen und erleben. Und immer wieder gibt es auch Fehlschläge, alles ganz normal.
Souverän und selbstbewusst Nein sagen, wenn Sie es so meinen.
Klar Ja zu kommunizieren, wenn Sie es wirklich wollen.

So klappt es, Grenzen zu setzen. Fragen und Antworten

Warum kann ich nicht nein sagen?

Bereits als Kleinkinder suchen wir auf unterschiedlichen Wegen nach Bestätigung und Liebe unserer Eltern. Dabei lernen wir schnell, welche Zuneigung wir erhalten, wenn wir lieb und freundlich sind und stets ja sagen, obwohl wir nein meinen. Dieses Ja ist das Folgeleisten einer Handlungsaufforderung, der man in jungen Jahren nur selten nicht nachkommt. Das Ja ist in den ersten Lebensjahren oft keine Haltung, als viel mehr eine antrainierte Antwort auf Vorhaltungen und Anweisungen. „Sei ein braves Mädchen“ oder “Ärgere die Mama nicht und sei ein guter Junge“ sind Sätze, welche die meisten Menschen kennen. Dass sie unter Umständen Manipulationsversuche sind und lediglich dazu dienen, dass wir funktionieren, aber besonders nicht in den Widerstand gehen, erkennen wir meistens erst im späteren Lebensverlauf.

Ist es egoistisch?

Ja.
Ist das schlimm?
Nein.
Woran die meisten Menschen denken, ist ein kranker Egoismus. Und es gibt eine sehr gesunde Variante. Und genau die ist wichtig, wenn Sie das Nein endlich aussprechen wollen. (Der Egoismus und das Nein sind ein Hauptthema im Newsletter).

Wie sage ich richtig nein?

Es gibt viele Möglichkeiten, das Nein zu sagen und zu formulieren, hier einige als Beispiel. Meine Liebstlingstechnk erfahren Sie am Ende.

  1. Danke schön! Ihnen wird Vertrauen geschenkt, wie toll! Da kommt der Kollege um die Ecke und bittet Sie, an der Präsentation mitzuwirken, die er dringend in den nächsten 3 Stunden benötigt. "Danke, dass Sie an mich gedacht haben, ich weiß das sehr zu schätzen. Momentan habe ich andere Prioritäten, die es mir unmöglich machen, Sie zu unterstützen."

  2. Ja, ich weiß, das ist blöd! "Ich kann mir vorstellen, dass Sie das jetzt vielleicht blöd finden, doch momentan kann ich Sie nicht unterstützen." Verständnis haben und zeigen und dennoch ablehnen. Theoretisch ganz leicht.

  3. Schieben Sie die Verantwortung, egal wohin: Die Folge eines Jas, das nicht so gemeint ist, würde Ihnen um die Ohren fliegen? Prima. Kommunizieren Sie das. „Mein Schreibtisch und mein Kopf sind voll mit unerledigter Arbeit. Wenn ich Sie jetzt unterstütze, wird mein Chef sehr sauer sein/meine Kollegin verlässt sich auf mich/meine Partnerin enttäuscht sein." Kann man machen. Ist halt ein Trick, um nicht einfach klar und deutlich nein zu sagen.

  4. Die Lob-Technik: Loben Sie Ihren Kollegen, seine Fähigkeiten, seine Vorzüge: "Herr Kollege, Sie machen das immer so großartig, da kann ich gar nicht mithalten!" Wenn Sie das ohne einen ironischen Unterton sagen, klappt diese Technik ganz gut.

  5. Was- kann - weg - Technik Versuchen Sie es doch mal mit dieser Aussage: "Ja, lieber Chef, diese Aufgabe kann ich gerne übernehmen, welche soll ich dafür ruhen lassen?" Gewagt? Ja. Aber vielleicht riskieren Sie es?!:)

Was Sie mit diesen Formulierungen konkret machen? Ganz einfach: Sie nutzen die Ja-Fallen, drehen sie um und verwenden sie für sich, statt selbst hineinzutappen. Das sind Techniken, die grundsätzlich legitim sind, wenn Sie das wirklich so wollen.

Die allerbeste und tollste Technik
Ich habe Ihnen versprochen, dass ich Ihnen meinen persönlichen Favoriten gerne vorstellen möchte, hier ist er:

Die allerbeste Technik, ein Nein zu formulieren ist: keine Technik zu verwenden.

Kommunizieren Sie klar, souverän und gelassen Ihr Nein, sagen Sie es so wie es ist. Äußern Sie es so, wie Sie sich wirklich damit wohlfühlen. Begründen Sie, lassen Sie es, achten Sie einfach auf sich. Vergessen Sie Ausreden und Co. und setzen Ihr Nein souverän und klar um. Probieren Sie es aus: immer öfter, immer besser, immer selbstbewusster.

Mit oder ohne Begründung?

Nein sagen mit Begründung ist für unser Gegenüber oft die Einladung, erneut nachzuhaken und anzusetzen und unsere Schwachstelle zu suchen und zu finden. Das Ziel ist, das erhoffte "Ja" doch noch zu bekommen.
Möglichkeiten, gelassen und ohne große Diskussion, ein Nein zu formulieren, könnten so aussehen:

  • „Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben.“ Oder:
  • „Danke, dass Sie an mich denken.“

Formulierungen mit einem kleinen Dankeschön, klappen oft sehr gut, das Nein wird also etwas nett verpackt, ohne es direkt auszusprechen. Bleiben Sie konstruktiv, aber klar und selbstverständlich bei Ihrem Nein.

  • "Nein, mir gefällt keine dieser Hosen, vielen Dank für Ihre Mühe!"
  • "Nein, ich kann Sie bei diesem Projekt nicht unterstützen, meine Zeit ist momentan bereits knapp."

Ist ein Nein ein Ja zu mir?

Ja. Und nein.
Ich würde ergänzen: Ein Nein ist einfach nur ein Nein. Selbstverständlich beinhaltet dies, dass man in dem Moment Ja zu eigenen Bedürfnissen und Wünschen sagt, aber das ist auch der Fall, wenn ich aufrichtig Ja zu einer Aufgabe, Person oder Wunsch sage.

Wie sage ich es höflich?

Wieso sollte es unhöflich sein, ein Nein zu äußern? Genau hier setzt schon die erste Blockade ein. Wir verbinden mit "Nein" so viel Negatives, dass wir glauben, das Wort nett und freundlich verpacken zu müssen. Müssen wir aber nicht. "Nein, heute kann ich dir nicht helfen", ist ein klarer Satz. Wer mag, setzt eine Begründung hintendran, ohne jedoch in die Rechtfertigungsfalle zu tappen.

Mit oder ohne Bedenkzeit?

Wer nein sagen will, hat sicher schon einige Tipps gelesen, zum Beispiel den, dass Sie sich Bedenkzeit nehmen sollen. Klappt das bei Ihnen? Wenn ja, lesen Sie den restlichen Text einfach nicht. :)

Sollte noch Luft nach oben sein, dann ist vielleicht dies eine Alternative für Sie. Folgende Situation könnte sich so oder ähnlich abspielen:

Sie stehen am Schreibtisch der Kollegin, die Sie mal wieder um Mitarbeit bittet, aber Sie wissen, Sie wollen nein sagen. Angenommen, Sie erbitten sich nun Bedenkzeit, gehen an Ihren Schreibtisch zurück, setzen sich auf den Stuhl. Was fängt spätestens dann an? Bei ganz vielen Menschen: das Gedankenkino.

Film ab, ihre Gedanken könnten sich ungefähr so im Kreis drehen:

"Eigentlich will ich nein sagen, aber ich weiß, sie hat richtig viel zu tun, ich könnte ihr einfach helfen, sie hat mir vergangenen Monat schließlich auch unter die Arme gegriffen, ich will ja nett sein, aber eigentlich ist es mir gerade zu viel, was soll ich machen, ach, ist doch egal, ich sag einfach ja, dann passt das schon, beim nächsten Mal kann ich immer noch nein sagen. Nein, ich will ja jetzt nein sagen lernen, also, was ist mir wirklich wichtig? Ach, ist doch wirklich egal ... "

Was hier passiert ist der Klassiker und genau die Situation, in der man sich ganz oft selbst um Kopf und Kragen denkt. Und am Ende dann doch das Gegenteil der Antwort gibt, die man eigentlich geben möchte.

★★ Nun gibt es diese Wege:

  1. Sie nehmen sich keine Bedenkzeit, folgen Ihrer Intuition und sagen nein.

  2. Sie nehmen sich Bedenkzeit, lassen den Film laufen und sagen am Ende das Gegenteil dessen, was Sie wirklich wollen. Oder:

  3. Sie nehen sich Bedenkzeit und nutzen sie für sich, in dem Sie sich zum Beispiel schnell ein Blatt Papier nehmen, funktioniert natürlich auch am Rechner oder Smartphone, und sich eine Liste mit Ja/Nein erstellen. Schreiben Sie auf, was für ein Nein spricht, in die andere Spalte tragen Sie alles ein, wozu Sie ja sagen. Das kann in unserem Fall der freie Abend, Sport, Familie, keine Lust, keine Zeit, was auch immer sein. Wichtig: Jedes Argument zählt. Glauben Sie nicht, dass die Argumente inhaltlich wertvoll sein müssen, sie sollten einfach nur etwas in Ihnen auslösen: Lust, Spaß, ein Lächeln, Zufriedenheit. Alles was Ihnen guttut.

Wer sich seiner nicht bewusst ist, wird sich selbst immer im Weg stehen.

Überall wird man herausgefordert: Kollegen, die machen, was sie wollen. Menschen, die Energie und Zeit abziehen, Momente, in denen man ja sagt, aber NEIN meint. Das Selbstbewusstsein wird täglich auf die Probe gestellt.

★★ Warum ist Selbstbewusstsein so wichtig?

  1. Wer nicht weiß, was er will, kann nicht für sich einstehen.
  2. Wer seine Stärken nicht kennt und einsetzt, wird sich nicht wohlfühlen.
  3. Zufriedenheit, Motivation und Glücksgefühle bleiben aus.

All dies sind Punkte, die ein Selbstbewusstsein so wichtig machen. Dabei geht es nicht um "höher, schneller und weiter", sondern einzig um "sich seiner selbst bewusst" zu sein. Wissen, was man will. Eigene Stärken und Schwächen kennen. Werte, Bedüfnisse und Gefühle kommunizieren und darum wissen.

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