Grenzen setzen: Endlich für mich einstehen.

Ausgrenzen? Bewahren? Schützen?

Für sich einstehen heiß auch: bewahren, abgrenzen, eingrenzen, ausgrenzen, schützen. Nein sagen, Arbeit ablehnen, Meinungen äußern. Im besten Fall alles ohne Schuldgefühle und schlechtes Gewissen. Soweit die Theorie.

Menschen, die schlecht Grenzen setzen können, haben Ängste, Sorgen und Bedenken, die meist aus einer Aneinanderreihung unterschiedlicher Erlebnisse entstanden sind. Nicht selten haben diese ihren Ursprung in der Kindheit. Ein Nein wird den wenigsten Kindern beigebracht und sie lernen schnell, dass ein Ja immer besser ist. Streng genommen werden wir also zu Ja Sagern erzogen, sollen uns anpassen, Regeln befolgen und Wünsche erfüllen. Als Erwachsene müssen wir das Nein sagen dann wieder lernen.

Warum Grenzen setzen? Hier ist eine Grenze erreicht, ich möchte nicht, dass sie (weiterhin) überschritten wird. Wer diese Grenze zieht, weiß:

  • was er will

  • wozu er nicht mehr bereit ist

  • welche Aufgaben er nicht mehr übernehmen möchte

  • Er weiß auch um alte Verletzungen, zum Beispiel Schuldgefühle

  • Er weiß, dass ein gesundes Selbstwertgefühl nicht aus dem besteht, was andere Menschen denken

  • Er weiß, dass Selbstbewusstsein aus dem Inneren entsteht

  • Ablehnung nimmt er in Kauf, er ist nicht von ihr abhängig

Wieso fällt es so schwer, Grenzen zu setzen?
Weil wir die Befürchtung haben, anderen Menschen vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht gibt es Ängste, Unsicherheiten, die Meinung, dass man „gefallen“ muss. Glaubenssätze, Blockaden, erlerntes Verhalten. Lernen nein zu sagen, das ist für viele Menschen eine echte Herausforderung. Auch das Nein zu mehr Arbeit, Energievampiren und Zeiträubern ist wichtig.

Grenzen setzen
Grenzen setzen und Nein sagen

Tipps, wie Sie selbstbewusst Grenzen setzen und nein sagen

Einfach nicht länger das Opfer sein und den eigenen Bedürfnissen Raum geben. Die eigenen Schwächen erkennen, Erfolge feiern, mit Freude und ohne Angst nein sagen. Keine Angst vor Zurückweisung haben und "Nein" sagen ohne Schuldgefühle.

Schöne Theorie, nun die Praxis: Was sich ganz wunderbar liest, ist für viele Menschen ein riesiger Schritt. Grenzen zu setzen ist nicht immer leicht: Man möchte dem Kollegen helfen, das Team unterstützen oder dem Vorgesetzten ein guter Mitarbeiter sein. Doch irgendwann bemerkt man, dass mit jedem halbherzigen Ja, das man nach außen erteilt, sich selbst ein nein gibt. Wieder hat man es nicht geschafft, nein zu sagen, wieder hat man es „mit sich machen lassen“, erneut ist man in eine Falle getappt. Das Anerkennen der eigenen (Über-)Belastung fällt oft schwer, denn schließlich möchte man nicht als „unfähig“ oder „Weichei“ gelten und im schlimmsten Fall lauert irgendwo noch ein Schuldgefühl, das beharrlich auf die eigenen Schultern klopft und einem mitteilt, dass man selbst mal wieder nicht in der Lage war, nein zu sagen oder eine Aufgabe abzulehnen. Grenzen zu erkennen, sie zu akzeptieren und zu äußern bedeutet auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, nicht in der Opferrolle zu verharren und für sich selbst zu sorgen. 

Sich selbst abzugrenzen, wenn man dies für notwendig erachtet, heißt, anderen Menschen eine Grenze zu setzen, um nicht selbst seine eigenen zu erreichen. 
Kirstin Nickelsen

Folgenden Schritte helfen, Grenzen zu setzen  

1. Wahrnehmen, anerkennen und akzeptieren: Eigene Grenzen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch anzuerkennen, fällt vielen Menschen relativ schwer. „Ich bin doch kein Schwächling“ oder „Das schaffe ich auch noch“ sind Gedanken, die man hat. Doch genau hier ist bereits der Moment, in dem man hellhörig werden sollte. Man ist kein schlechterer Mensch, weil man Aufgaben oder Bitten nicht erfüllen möchte, man ist kein schlechter Mitarbeiter, weil man Zusatzprojekte für die nächsten drei Monate nicht annehmen möchte. Grenzen sind normal, sind wichtig und sie nicht unter den Teppich zu kehren bedeutet, aktiv zu sein und für sich selbst einzustehen. 

2. Raus aus der Opferrolle: Es ist leicht sich über Kollegen zu beschweren, dem Vorgesetzten die Schuld in die Schuhe zu schieben oder den Projektpartner als egoistisch abzustempeln. Vielleicht treffen diese Punkte sogar zu. Doch es kann nur eine positive Veränderung eintreten, wenn man selbst aktiv ist. Wenn man sagt, was man meint, was man will und nicht darauf hofft, dass andere Menschen Gedanken lesen, richtig interpretieren oder einen anderen Umgang pflegen. Raus aus der Ohnmacht, hinein ins Tun- es liest sich leicht, ist es jedoch nicht. Gehen Sie kleine Schritte und fangen Sie an, stärken Sie den Muskel des Willens und geben sich selbst die angemessene Priorität. Es geht um Sie und Ihr Wohl: Wozu sagen Sie Ja, was ist die Folge auf der Nein-Seite der Medaille? 

3. Neue Definition von Grenzen: Stecken Sie das Feld neu ab und ziehen Sie Ihre Grenzen. Überlegen Sie sich, wann diese erreicht sind, was Sie nicht mehr möchten, welchen Preis Sie bereit sind zu zahlen, was Sie zukünftig erwarten.

4. Der Anfang: Geben Sie nicht nur Ihrem Umfeld, sondern ganz besonders sich selbst Zeit. Nicht selten geht es zwei Schritte nach vorne und wieder einen zurück, weil die Umsetzung der Theorie nie wirklich leicht ist. 

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