Grenzen setzen und nein sagen. Schützen und bewahren.

Grenzen setzen. Lernen, sich zu schützen und nein zu sagen.
Grenzen setzen und nein sagen, gar nicht immer leicht. Tipps, wie Sie sich leichter schützen und abgrenzen können.

Grenzen setzen und für sich einstehen heiß auch: Bewahren, abgrenzen, eingrenzen, ausgrenzen, schützen.

Menschen, die schlecht Grenzen setzen können, haben Ängste, Sorgen und Bedenken, die meist aus einer Aneinanderreihung unterschiedlicher Erlebnisse entstanden sind. Nicht selten haben diese ihren Ursprung in der Kindheit. Ein Nein wird den wenigsten Kindern beigebracht und sie lernen schnell, dass ein Ja immer besser ist. Streng genommen werden wir also zu Ja Sagern erzogen, sollen uns anpassen, Regeln befolgen und Wünsche erfüllen. Als Erwachsene müssen wir das "Nein sagen ohne Schuldgefühle" lernen.
Mit Ja zum Nein war ich zu Gast beim SWR2. Ist das Nein hinderlich für die Karriere?

Warum Grenzen setzen?

Hier ist eine Grenze erreicht, ich möchte nicht, dass sie (weiterhin) überschritten wird. Wer diese Grenze zieht, weiß,

  • was er will
  • wozu er nicht mehr bereit ist
  • welche Aufgaben er nicht mehr übernehmen möchte
  • Er weiß auch um alte Verletzungen, zum Beispiel Schuldgefühle
  • Er weiß, dass ein gesundes Selbstwertgefühl nicht aus dem besteht, was andere Menschen denken
  • Er weiß, dass Selbstbewusstsein aus dem Inneren entsteht
  • Ablehnung nimmt er in Kauf, er ist nicht von ihr abhängig

Neinsagen ist eine Konsequenz aus dem großen Ja.

Wieso fällt das so schwer?

Weil wir die Befürchtung haben, anderen Menschen vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht gibt es Ängste, Unsicherheiten, die Meinung, dass man „gefallen“ muss. Glaubenssätze, Blockaden, erlerntes Verhalten. Lernen nein zu sagen, das ist für viele Menschen eine echte Herausforderung. Nicht nur das Nein gegenüber Kollegen und Vorgesetzten spielt eine große Rolle. Auch nein sagen zu mehr Arbeit, Energievampiren und Zeiträubern ist wichtig.

Grenzen setzen. So klappt es mit dem Nein!

Einfach nicht länger das Opfer sein und den eigenen Bedürfnissen Raum geben. Die eigenen Schwächen erkennen, Erfolge feiern, mit Freude und ohne Angst nein sagen. Keine Angst vor Zurückweisung haben, Neinsagen ohne Schuldgefühle.
Schöne Theorie, nun die Praxis: Was sich theoretisch ganz wunderbar liest, ist praktisch für viele Menschen ein riesiger Schritt. Nehmen Sie nicht sofort den wichtigsten Kunden als Übungsobjekt, fangen Sie klein an und steigern sich dann. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Umwelt benötigt sie nämlich auch, denn Sie werden schnell merken, dass nicht alle Menschen in Ihrem Umfeld begeistert sein werden, wenn Sie Ihr Verhalten ändern. Was auf der einen Seite nicht wundert, ist auf der anderen Seite manchmal durchaus kraftraubend. Doch passen Sie auch hier auf, tappen Sie nicht in die Falle hinein. Wenn Sie sich verändern, muss und wird es Ihre Umwelt zwangsläufig auch.

Grenzen setzen Buchtipp
Ja zum Nein - Selbstachtung statt Harmoniesucht, Springer Verlag, Kirstin Nickelsen

Im Büroalltag

Im Büro und am Arbeitsplatz erleben wir mit Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern unzählige Stunden und Situationen, die erfordern, Grenzen und Prioritäten zu setzen. Klar nein sagen zu können, ist unabdingbar. Das ist oft nicht leicht, eben weil man so viel Zeit miteinander verbringt, und sich oft in Abhängigkeit befindet. Nicht selten tauchen Fragen wie diese auf:
„Was denkt mein Kollege dann über mich?“ oder „Ausgerechnet bei meinem Lieblingskollegen will ich nun nein sagen, obwohl er mir doch schon so oft behilflich war?“ Im schlimmsten Fall fragt die Kollegin misstrausch: "Du sagst wirklich nein?"
Schuldgefühle und Angst vor Ablehnng sind schnell aktiviert, zack, schon sitzen wir in der Falle.

Viele Situationen, die Grenzen erforderlich machen


  1. Können Sie nein sagen, wenn Ihr Kollege oder Chef Sie um einen Gefallen bittet?
  2. Sagen Sie nein zu Überstunden, obwohl Ihnen Ihr Privatleben wichtig ist?
  3. Können Sie sich gut abgrenzen?
  4. Wird Ihnen gerade alles zu viel?
  5. Lassen Sie sich die schlecht sitzende Hose im Laden am Ende am Ende doch aufschwatzen?
  6. Sagen Sie Nein, wenn Sie keine Lust auf die Familienfeier oder das Teamevent haben?
  7. Sind Selbstrespekt und Selbstachtung eher Fremdworte für Sie?
  8. Harmoniesucht ist Ihnen dafür umso bekannter?
  9. Wird im Job alles zuviel und es bleibt keine Energie für das Privatleben?
  10. Andere Menschen sind wichtiger als Sie selbst?

Beispiele

Auf dem Weg des Neinsagens gibt es dennoch die Momente, in denen einen der Mut verlässt oder man sich grundsätzlich fragt, ob es wirklich Sinn gibt, ein Gespräch zu führen. Hier einige Beispiele aus dem beruflichen Alltag, wie Sie Nein gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Kollegen formulieren können.

Der Kollegin Grenzen setzen

Beispiel:
Bettina B. (45 Jahre) ist Sachbearbeiterin in einem mittelständischen Speditionsunternehmen, mit acht Kollegen arbeitet sie in einem Großraumbüro. In der familiären Situation des Büros ist es üblich, dass sich die Kollegen zu Beginn der Arbeit herzlich begrüßen. Seit einigen Tagen umarmen sich dabei nun die meisten Kollegen. Auch Bettina lässt dies über sich ergehen, obwohl ihr das zu viel Nähe ist. Sie unternimmt alles, um dem morgendlichen Ritual zu entgehen.

Nein zu einem Verhalten sagen, das andere als selbstverständlich erachten ist sicher nicht leicht, doch geht es nicht darum, anderen gerecht zu werden, sondern sich selbst Gutes zu tun. Es ist auch im beruflichen Alltag immer wieder wichtig, seine eigenen Bedürfnisse in Erinnerung zu rufen und sie nicht zu übergehen. Wer also z.B. ein Bedürfnis nach (körperlicher) Distanz hat, dafür aber nicht einsteht, trampelt auf sich herum.

Mit dem Ja zu den Umarmungen im o.g. Beispiel, ist das Nein zu der eigenen Person, dem eigenen Wunsch nach Distanz ein klares Zeichen dafür, keine Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Der Körper ist ein wichtiger Gradmesser, wenn es um die eigenen Gefühle geht, man kann ihn aber auch gut einsetzen, um klar eine Grenze zu setzen. Wer den Arm der ausgestreckten Hand nicht schlapp hängen lässt, sondern in einem normalen Maß anspannt, erweckt selten den Eindruck, dass er umarmt werden möchte. Aber auch Worte sind hier hilfreich:

  • „Ich mag Umarmungen grundsätzlich nicht gerne, das ist mir zu viel Nähe.“
  • „Ich möchte nicht umarmt werden, da ich ein Bedürfnis nach Distanz habe.“
  • „Bitte umarme mich nicht, ich mag das (generell) nicht.“

In meinen Workshops zum Thema nein sagen ist dies eines meiner Lieblingsbeispiele. Ich möchte Ihnen gerne aufzeigen, was die Gründe dafür sind: Ich nenne das Beispiel, bitte um Lösungen und nach einiger Zeit nenne ich meine Lösungsvorschläge. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen bei diesem Beispiel glauben, sie hätten kein Recht zu sagen, dass sie nicht umarmt werden möchten. Frauen, die der Meinung sind, viel Unruhe mit diesen Aussagen in das Team zu bringen, Männer, die fragen: „Was sollen denn meine Kollegen denken, wenn ich so antworte?“ Und ich frage zurück: „Was denken Sie in den Minuten, in denen Sie etwas über sich ergehen lassen über sich?“

Wir leben in einer Zeit, in der es immer wieder heißt, wie wichtig Teamarbeit ist, wie wertvoll es ist, die eigenen Bedürfnisse zu kennen, aber sobald „Team“ und „Bedürfnis“ aufeinander treffen, stehen die Menschen vor Hürden, die ihnen zunächst viel zu groß erscheinen, die sie teilweise sogar als „unverschämt“ abtun. Nennen Sie einen Grund, weshalb Katja im o.g. Beispiel nicht sagen darf, dass sie keine Umarmung möchte. Einen einzigen! Fällt Ihnen einer ein? Schoss Ihnen vielleicht durch den Kopf, dass sie sich nicht so anstellen soll? Oder, dass es ja alle machen, dann müsse sie da einfach mal über ihren Schatten springen? Oder, dass es typisch Frau ist, über solche Lappalien überhaupt Gedanken zu machen?

Vielleicht denken Sie auch, dass der Arbeitsplatz kein Wunschkonzert ist und dass man sich eben auch mal nach den anderen richten müsse?

Ganz gleich, wie der Grund ist, der Ihnen vielleicht eingefallen ist, er ist nicht wichtig. Um es genau zu nehmen: er ist sogar egal. Denn das Bedürfnis eines Menschen benötigt keinen Grund, um erfüllt zu werden. Es ist das Recht eines Menschen, seine Bedürfnisse zu erfüllen und gegenüber seiner Umwelt Grenzen zu setzen. Aber darf man auch die Nähe auf Distanz äußern? Selbstverständlich darf man das, man sollte es sogar!

Die eigenen Interpretationen sorgen oft dafür, dass man sich selbst eine Falle stellt. Im o.g. Beispiel wünscht Katja sich Distanz, sie möchte nicht von ihren Kollegen umarmt werden. Sie sagt nicht, dass sie die Kollegen doof findet, sie möchte sie nicht verletzten, sondern sorgt für die Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse, in dem sie sich verantwortungsvoll äußert. Eine angemessene Reaktion ihrer Kollegen wäre nun: „Vielen Dank, dass du das sagst.“

Kollegen gegenüber nein sagen

Beispiel:
Rainer teilt sich sein Büro mit vier weiteren Kollegen. Selten ist es leise, er benötigt täglich ein großes Maß an Konzentration, um sich nicht ablenken zu lassen. Besonders zu schaffen macht ihm Thorsten, der ihm direkt gegenüber sitzt und die Eigenart besitzt, lauter als notwendig zu telefonieren. Rainer weiß aus Gesprächen, dass das die anderen Kollegen im Raum ebenso stört, doch keiner sagt etwas, da niemand die Stimmung verschlechtern möchte.

Einer der Hauptgründe, weshalb man sich nicht äußert und seine Grenzen nicht aufzeigt bzw. seinen Wunsch nicht äußert ist: Die Stimmung im Team könnte sonst schlechter werden. Dass die Stimmung jedoch bereits angespannt ist, das berücksichtigen im ersten Schritt nur wenige Menschen. Es ist doch bereits in diesem Team eine angespannte Stimmung, wenn vier Menschen etwas stört, es aber der fünften Person nicht mitteilen. Dann macht man alles nur schlimmer? In guten Teams ist das definitiv nicht der Fall, in Teams, in denen es bereits „knistert“ folgt vielleicht ein kleines Gewitter.
Rainer könnte nun also sagen:
„Thorsten, ist es dir möglich, dass du bitte etwas leiser telefonierst. Du sitzt mir direkt gegenüber und ich habe Schwierigkeiten, meinen eigenen Ansprechpartner am Telefon zu verstehen.“

Was könnte Thorsten nun antworten?

„Ach, dann musst du eben lauter sprechen, die anderen stört meine Stimme ja auch nicht!“
„Rainer, was ist denn mit dir los? Wir sitzen seit drei Jahren in einem Büro und auf einmal stören dich meine Telefonate? Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“
„Du bist lustig! Ich rede nur so laut, weil Matthias hinter mir sitzt, der telefoniert immer so laut, dass ich gar nicht anders kann, als hier zu schreien.“


Seine eigenen Bedürfnisse zu äußern ist die eine Sache, was aber nicht zwangsläufig heißt, dass der Kollege sofort mit Verständnis reagiert. In den meisten Fällen wird man Ausreden o.ä. hören, das ist gar nicht selten und eher der Normalfall. Auf dem Weg zu einem klaren Nein, zum Setzen einer Grenze werden Sie öfter erleben, dass andere Menschen das von Ihnen Gesagte gar nicht wirklich ernst nehmen oder Sie fragen, wieso Sie schlechte Laune haben.

Tipps, wie Sie souverän und selbstbewusst Grenzen setzen

Wichtig ist, dass man sich jetzt nicht zurück auf sein „Sofa“ bzw. die Komfortzone begibt. Der erste Schritt ist getan und nun folgt der nächste.

  • „Mir ist das Thema sehr wichtig, deshalb möchte ich gerne mit dir gemeinsam eine Lösung finden. Ich habe Schwierigkeiten, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, wenn du so laut sprichst. Welche Möglichkeiten siehst du?“
  • „Ich möchte nur für mich sprechen, nicht für die anderen. Macht es dir etwas aus, wenn du ein bisschen leiser telefonierst?“
  • „Ich habe verstanden, dass wir hier natürlich in einem Gemeinschaftsbüro sitzen. Ich fände es jedoch gut, wenn wir eine Möglichkeit finden, dass wir beide gut arbeiten und telefonieren können.“

Gehen Sie freundlich einen weiteren Schritt voran. Manchmal fühlt sich das ein wenig wie eine Überrumpelung an, weil man den Eindruck hatte, sich bereits bei der ersten Aussage deutlich ausgedrückt zu haben, aber oft ist das eine sehr routinierte Antwort, die wir zu hören bekommen, weil viele Menschen sich gar keine Gedanken machen. Bleiben Sie auf Ihrem Weg, denn Sie sorgen für sich.

Rufen Sie sich immer wieder auch die Kommunikationsmodelle ins Gedächtnis: Sie sind für eine Seite des Dialoges verantwortlich, aber auch nur für diese. Sich rückversichern, nachfragen, in einem gesunden Maß auf „Zwischentöne“ achten, all dies zeugt von verantwortungsvoller Kommunikation. Doch man kann auch nicht jedes Detail planen oder alles voraus bestimmen, einige Unwägbarkeiten gehören dazu. Achten Sie auf eine einheitliche Sprache, gehen Sie nicht davon aus, dass alle Wort A nutzen und es auch so meinen, hinterfragen Sie.

Nein sagen zu Mitarbeitern

Beispiel:
Martin (25 Jahre) ist Teamleiter. Seine Mitarbeiterin Jessica J. (32 Jahre) hat private Probleme, da ihre Mutter schwer erkrankt ist. Als einziges Kind kümmert sich Jessica J. um ihre Mutter und telefoniert regelmäßig und zeitintensiv während der Arbeitszeit mit ihr. Die anderen Teammitglieder hatten zunächst Verständnis für Jessicas Situation, doch mittlerweile kippt die Stimmung, da ein Großteil ihrer Arbeit von Kollegen übernommen werden muss. Das Team stellt an Martin die Forderung, die Arbeit wieder gerecht zu verteilen und Jessica das Telefonieren mit der Mutter während der Arbeitszeit zu verbieten.

Als Führungskraft haben Sie nicht nur dem Team gegenüber Verantwortung, sondern selbstverständlich auch jedem einzelnen Mitarbeiter.

  1. Sorgen Sie daher dafür, dass Sie sich von anderen nicht in die Ecke drängen lassen.
  2. Wer als Führungskraft Schwierigkeiten hat, nein zu sagen, könnte bald in einer Zwickmühle sitzen: Wem will man gerecht werden, dem restlichen Team oder der einzelnen Mitarbeiterin?
  3. Welche Lösungsvorschläge fallen Ihnen als Führungskraft ein, auf wessen Bedürfnisse gehen Sie ein und wozu sagen Sie innerhalb Ihrer Führungsverantwortung ja? Wozu in dieser Situation nein?
  4. Wie kann das Team an dieser Aufgabe wachsen?

Manchmal gibt es nicht „die“ eine Lösung, sondern unterschiedliche Wege. Das Team geht aktiv auf ihre Leitung zu, was ein gutes Zeichen ist, nun hat Martin die Aufgabe sich zu überlegen, wie er vorgeht.

  • Er kann Jessica ansprechen, dass er versteht, dass dies eine schwierige Situation ist, dass jedoch auch die Arbeit getan werden muss.
  • Er kann gemeinsam mit ihr überlegen, wie eine Übergangslösung aussieht.
  • Er kann sie bitten, das Thema aktiv im nächsten Teammeeting anzusprechen.
  • Martin kann innerhalb des Meetings aktiv zur gemeinsamen Lösung anregen und ein Brainstorming mit den Mitgliedern machen.

Nein, Chef! Aufgaben ablehnen

Beispiel:
Heiko Strechel ist 45 Jahre und seit acht Jahren im Unternehmen beschäftigt. Er hat ein sehr gutes Team, bringt gute Leistung und könnte sehr zufrieden sein, wenn er nicht immer wieder Probleme mit seinem Vorgesetzten Alfred Hulger hätte.

Was für viele Selbständige und Freiberufler die Kunden sind, dürfte für Arbeitnehmer die Vorgesetzten sein: Ihnen widerspricht man nicht, man hat die aufgetragenen Arbeiten und Aufgaben selbstverständlich zu erledigen und ebenso selbstverständlich sagt man umgehend „ja“, ganz gleich, was man wirklich meint. Wer angestellt ist und gegenüber dem Vorgesetzten ein klares „Nein“ äußern möchte, hat verschiedene Wahlmöglichkeiten.

Oft wird hier gedacht, dass es keine Wahl gibt, hier einige zur Anregung:

  • Sie können jammern. Beschweren Sie sich bei Ihren Kollegen, welche Aufgaben Sie wieder in kürzester Zeit erledigen müssen.
  • Lassen Sie Ihre schlechte Laune, weil Sie wieder ein zu schnelles Ja gesagt haben, abends an Ihrer Familie oder Freunden aus.
  • Werden Sie krank. Überlastungen schaden auf Dauer jedem Menschen und der Körper wird Ihnen eines Tages entsprechend Rückmeldung geben.
  • Lassen Sie sich Ihre Laune so richtig verderben und gehen täglich schlecht gelaunt ins Büro. Machen Sie allen Menschen klar, dass Sie das Opfer sind.

Sie haben die Wahl, zwischen einem Ja und Nein, beides sollte auch entsprechend gemeint sein. Doch was auf den ersten Blick meistens logisch klingt, wird zunächst in vielen Situationen durch das Gefühl und/oder hinderliche Glaubenssätze blockiert.

  • „Das geht doch nicht, ich kann meinem Vorgesetzten nicht sagen, dass ich die Aufgabe nicht erledigen möchte.“
  • „Wenn ich nein sage, habe ich ein großes Problem mit meinem Chef, da bin ich sicher.“
  • „Es ist Teil meiner Aufgabe als Angestellte, die mir zugeteilten Projekte zu erledigen, unwichtig, ob ich Stress habe oder nicht.“
  • „Das gibt nur Streit, wenn ich nein sage.“

Werden Sie sich sehr klar darüber, dass die Blockaden auf Ihrem Weg zum Nein meistens selbst hingelegt sind. Das dient nicht dazu, Ihre Schuldgefühle zu aktivieren sondern sich darüber klar zu sein, dass sie auch dort wieder weggenommen werden können. Wichtig, nicht nur gegenüber dem Vorgesetzten, ist zu wissen, was man will. Sie haben nicht nur das Recht sondern die Pflicht, im Rahmen Ihres Angestelltenverhältnisses auf sich zu achten.

Dies beinhaltet nicht nur freie Wochenenden, Abende und Pausenzeiten, die wichtig zur Erholung sind. Es bedeutet auch, dass Sie Ihren eigenen Zeitplan im Beruf für Aufgaben und Projekte im Blick haben. Es geht im Job und Beruf nicht darum, dass es völlig in Ordnung ist, hin und wieder Gefälligkeiten oder Zusatzarbeiten zu erledigen und manchmal müssen auch Überstunden gemacht werden.
Es geht darum zu bemerken, wann Sie überlastet sind und dies nicht unter den Teppich zu kehren sondern dafür zu sorgen, dass diesem Zustand Einhalt geboten wird. Es wird auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt sein, wenn Sie zu jeder zusätzlichen Aufgabe Ja sagen, um am Ende im Chaos, schlechter Laune oder zu viel Arbeit zu versinken. In den konkreten Situationen haben Sie sich vielleicht in der Vergangenheit schon viel zu sehr ausnutzen auslassen, haben immer wieder „Ja“ gesagt und das Gegenteil gemeint, sich aber nicht getraut. Werden Sie sich daher über den aktuellen Zustand bewusst. Sind Sie bereits in die Gefälligkeits-Falle getappt und bekannt dafür, dass Sie stets hilfsbereit parat stehen? Weiß Ihr Vorgesetzter es unter Umständen bereits, dass man Ihnen gerne auch freitags noch unverhofft etliche Aufgaben übertragen kann, die dann am Wochenanfang bereits erledigt sind?

Ihr nein gegenüber dem Vorgesetzten sollte

  • freundlich,
  • verbindlich und
  • klar nachvollziehbar sein.

Ausreden, Notlügen oder verwässernde „vielleicht“ oder „eventuell“ fallen als Option im besten Fall in Zukunft weg. Das haben Sie nicht nötig, weil Sie Ihre Bedürfnisse klar kennen und kommunizieren, Sie haben Verständnis für die Situationen Ihres Gegenübers, haben jedoch Ihre Prioritäten vergeben und lehnen deutlich ab.

Tipps, wie Sie ein Nein freundlich formulieren

  • Zeigen Sie Verständnis für Ihren Gesprächspartner. „Ich habe verstanden, dass die Unterlagen innerhalb der nächsten drei Arbeitstage fertig gestellt sein müssen.“
  • Bitten Sie, wenn notwendig, um Bedenkzeit. „Ich kann Ihnen momentan keine Zusage erteilen, bitte geben Sie mir bis 17.00 Uhr Zeit.“
  • Ggf. verhandeln Sie: „Wenn ich diese Aufgabe bis Dienstag erledigen soll, muss ich Projekt x dafür in dieser Zeit zurück stellen.“ Es gilt, dem Vorgesetzten eine Wahlmöglichkeit anzubieten, die auch sein könnte, ein anderes Projekt zu streichen oder sie an eine andere Person zu delegieren. Holen Sie ihn mit auf der gemeinsamen Entscheidungsfindung mit ins Boot, nur so können Sie beide eine Lösung erarbeiten, die allen gerecht wird.
  • Formulieren Sie Ihr Nein klar, unmissverständlich und nennen ein Argument, ohne eine Entschuldigung zu suchen. „Ich kann Ihnen bei dieser Aufgabe nicht behilflich sein, ich habe heute um 20.00 Uhr einen Termin, den ich nicht verschieben möchte.“
  • Wenn Sie jedoch bemerken, dass es eine andere Herausforderung gibt, ein Nein nicht zu sagen, konkretisieren Sie für sich, was genau es ist und hinterfragen dies.
  • „Ich habe Angst, dass mein Vorgesetzter mir meine Absage persönlich nimmt.“ Was kann Ihnen passieren? Woher wissen Sie das? Was muss geschehen, dass Sie ausprobieren, was passiert, wenn Sie nein sagen?
  • „Ich werde meine Karriere verbauen, wenn ich nein sage.“ Wie förderlich ist Ihr Ja der Karriere? Glauben Sie, dass Ja-Sager schneller die Karriereleiter erklimmen? Woher kommt diese Meinung?

So leicht ist das aber alles nicht? Es muss nicht immer schwierig sein, ein nein zu äußern. Doch wenn es leicht ist, wieso machen es dann viele Menschen nicht? In vielen Situationen im Job spielt die Angst den Menschen einen Streich, oder ein alter Glaubenssatz erweist sich als Blockade. Angst ist normal und nur allzu menschlich, doch darf sie auf Dauer nicht zur Blockade werden. Bleiben Sie achtsam und fragen sich, wie es Ihnen aktuell mit Ihrer Arbeit, den Belastungen und zusätzlichen Aufgaben geht. Kommen Sie zu der Meinung, dass alles gar nicht so schlimm ist, dann bedarf es keiner Veränderung. Wenn Sie jedoch am Limit sind, dann ist die Option, mit Ihrem Vorgesetzten die beste Möglichkeit, um sich aus dieser Falle zu befreien und die Angst, das geringste Übel.

„Was wird mein Chef von mir denken, wenn ich nein sage?“

Ablehnung vorprogrammiert? Die meisten Vorgesetzten wissen es sehr zu schätzen, wenn man ihnen mitteilt, dass man zusätzliche Aufgaben nicht übernehmen kann. Sie merken, dass sie Mitarbeiter haben, die auf sich achten, denen aber auch daran gelegen ist, alle anfallenden Projekte und Aufgaben für das Team oder das Unternehmen zu erledigen. Die meisten Vorgesetzten beachten Mitarbeiter, die auch nein sagen können, sehr viel mehr als Ja-Sager.

Und wenn Sie es wirklich wissen möchten, was Ihr Vorgesetzter darüber denkt: Fragen Sie ihn! Und spätestens dann tappen Sie nicht mehr in die Falle der ständigen Interpretationen. Sollten alle Stricke reißen und Sie bemerken, dass Sie Ihrem Vorgesetzten gegenüber wirklich nie nein sagen können, bitten Sie ihn um ein persönliches Gespräch. Sagen Sie ihm klar, was Sie befürchten, was Ihre Bedenken sind, wovor Sie Angst im Beruf haben. Danach werden sich die meisten Ihrer Bedenken auflösen, denn die meisten Vorgesetzten wissen diese Gespräche sehr wohl zu schätzen.

Welche Fallen lauern im Büroalltag?

Ihr Chef ist auch nur ein Mensch und hat selbstverständlich schon längst herausgefunden, wie er Sie um den kleinen Finger wickeln kann. Ist doch klar, machen wir alle, mehr oder weniger, und ist nur menschlich. Bevor Sie also zum ersten großen nein ausholen, können Sie eine zeitlang darauf achten, in welche kleinen Fallen Sie bei ihm oder ihr tappen, um diese dann ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

  1.  „Sie sind mein bester Mitarbeiter, ich brauche Sie jetzt unbedingt!“
    Aber sicher, das hört man gerne, fühlt sich geschmeichelt, lächelt vielleicht sogar dabei und schon ist man gefangen. Mit ein wenig Selbstbewusstsein jedoch und einer kleinen Portion Mut könnten Sie Ihr nein hier schön verpacken in: „Und eben weil ich das bin und gut auf mich achte, kann ich die Aufgabe heute nicht übernehmen. Mein Gegenangebot ist der Endtermin in zwei Tagen.“

  2. „Außer Ihnen kann das keiner!“
    Stimmt selten, ist aber wieder eine der Fallen, in die man so gerne tritt. Ja, man hat die Aufgabe schon oft gemacht, kann sie schnell erledigen, andere Kollegen bräuchten doppelt so viel Zeit. Mag alles stimmen, doch auf Ihren Weg zum nein werden Sie sich davon in Zukunft nicht mehr beschlagnahmen lassen. Sofern Sie jedoch wirklich die einzige Person sind, welche diese Aufgabe erledigen kann, sollten Sie hier verhandeln.

  3. Bitten Sie um einen Ausgleich
    Zum Beispiel in Form eines zusätzlichen Urlaubstages oder streichen dafür eine andere Aufgabe, ggf. können Sie diese auch delegieren. Wenn es außer Ihnen wirklich keine Person in der Abteilung oder dem Unternehmen für diese Aufgabe gibt, ist es sinnvoll, eine weitere Person in dieses Thema einzuarbeiten. Schließlich machen auch Sie Urlaub oder werden krank und auf Dauer ist es selten gut, wenn nur eine Person eine Aufgabe erledigen kann. Hier ergibt sicher ein Gespräch incl. eines Enddatums, zu dem die weitere Person eingearbeitet wird, mit dem Vorgesetzten Sinn.

  4. „Ich benötige Ihre Hilfe!“
    Diese Aussage eines Vorgesetzten wiegt zunächst oft doppelt, denn auf der einen Seite gibt sie zu verstehen, dass man selbst ein guter Mitarbeiter ist, was einen selbstverständlich freut, auf der anderen Seite möchte man in den meisten Situationen grundsätzlich immer gerne helfen. Aber als „Ja-einfangen-Trick“ geht dieser Satz dann doch zu weit.

Hier gilt klar bleiben, nicht in die Falle tappen und: gemeinsam überlegen, wer behilflich sein könnte. Bleiben Sie dabei ruhig und sachlich. Sagen Sie, dass Sie auf keinen Fall einspringen und helfen können und fragen Sie Ihren Chef, welche weiteren Möglichkeiten es gibt. Wichtig ist, dass Sie nach Ihrem ersten Nein auch dabei bleiben, selbst wenn er oder sie noch mal nachhakt und ansetzt. Sie werden schnell merken, dass Ihr Vorgesetzter mit diesem Trick aufhört, weil er bei Ihnen einfach nicht mehr funktioniert.
Bei all diesen kleinen Fallen geht es wirklich darum, dass der vom Vorgesetzten gesagte Satz oft gar nicht so gemeint ist sondern nur dazu dient, Ihr Ja zu erhaschen.
Doch damit ist Schluss, sobald Sie nicht nur diese kleinen Tricks durchschaut haben sondern sich auch klar darüber sind, dass Sie für das gewohnte Finale – ihr immerwährendes Ja- in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Ab jetzt gilt Ja oder Nein, beides klar, beides eindeutig, beides auch immer so gemeint!

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Wenn Sie merken, dass Sie große Schwierigkeiten haben, Ihrem Vorgesetzten Bitten abzuschlagen, zu mehr Arbeit nein zu sagen und nicht klar Ihre Grenzen aufzeigen können, hier noch einige Tipps.
Überlegen Sie sich, ob Ihnen weitere einfallen, schreiben Sie diese auf. Oft hilft auch ein Gespräch mit Freunden, Kollegen oder Externen. Wichtig ist, dass Sie das Ruder in die Hand nehmen und aktiv werden. Wenn Sie noch nicht die beste Lösung für sich gefunden haben, so machen Sie sich dennoch auf den Weg, üben Ihr nein bei Kollegen, Freunden und in der Familie. Routine ist auch hier nicht zu unterschätzen, denn Sie sammeln Erfahrungswerte, die Ihnen nicht nur guttun, sondern auch für Ihre hinderlichen Glaubenssätze Stück für Stück zur Seite schubsen, um positiven Sätzen Platz zu machen. Hier noch einige Möglichkeiten aus der Praxis von Menschen, die Schwierigkeiten haben, dem Vorgesetzten gegenüber nein zu sagen:

  1. Setzen Sie einen Arbeitsvertrag mit sich selbst auf. Notieren Sie klar, wie Ihre Arbeitswoche verläuft, wann der Tag anfängt und spätestens aufhört. Es kann Sinn machen hier auch zu notieren, dass Sie nicht mehr als an zwei Abenden Überstunden machen wollen, an den Wochenenden gar nicht arbeiten möchten.

  2. Belohnen Sie sich? Abgesehen davon, dass es Ihnen relativ schnell anzumerken sein müsste, weil Sie z.B. wieder Zeit für Familie und Freunde haben oder weil Sie sich besser auf Ihre Arbeit konzentrieren können, kann es Sinn machen, sich zusätzlich zu belohnen, indem Sie sich für acht Wochen ohne Überstunden ein Wellness-Wochenende schenken. Grundsätzlich macht dieser Tipp nur Sinn, wenn Sie sich a) die Belohnung auch wirklich gönnen und b) Sie die Belohnung vorab motiviert. Wenn Letzteres nicht der Fall ist, macht sie in dieser Form keinen Sinn.

  3. Holen Sie sich Unterstützung. Vielleicht haben Sie in Ihrem Umfeld eine Person, die gut nein sagen kann, dann bitten Sie diese um Hilfe, z.B. indem Sie sich zunächst zwei Mal im Monat treffen oder Sie konkret eine Situation besprechen. Auch Gespräche mit einem Coach machen immer Sinn. Das müssen nicht unendlich viele Sitzungen sein, oft reicht eine Handvoll an Gesprächen, damit Sie sich sicherer fühlen und mutiger werden. 

Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, ganz besonders im Büro

Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung) versteht die Psychologie die Bewertung, die man an sich selbst vorgenommen hat. Die Begriffe werden wenig trennscharf verwendet, wobei Selbstvertrauen (Selbstsicherheit) sich auf die Kompetenzüberzeugungen (Fähigkeiten des Individuums) bezieht und als Teilkomponente des Selbstwertes verstanden werden kann, der sich darüber hinaus auch auf Eigenschaften beziehen kann, die nichts mit Kompetenzen zu tun haben.

Noch mehr Tipps, um nein zu sagen.

  • Versuchen Sie immer, das Gespräch persönlich zu führen. Wenn möglich, verzichten Sie in diesem Zusammenhang auf den schriftlichen oder telefonischen Kommunikationskanal.
  • Bleiben Sie freundlich, entschlossen und kooperativ. Sie wissen, was Sie wollen, haben eine klare Haltung und formulieren diese gegenüber Ihrem Kollegen oder Vorgesetzten ohne Groll auf die Vergangenheit. Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und haben das unbestrittene Recht, nein zu sagen. Selbstbewusst auftreten - ohne unnötigen Druck und Arroganz.
  • Bereiten Sie sich vor: Überlegen Sie sich vorab, was Sie Ihrer Kollegin sagen wollen und was das Ziel des Gesprächs ist.
  • Ihr Tonfall und die Körpersprache sind offen, klar und bestimmt. Sie treten nicht als Bittsteller auf und wissen um Ihre Stärken und Ihre Bedürfnisse, für die Sie nun eintreten.


Buchtipp

Teile dieses Textes stammen aus meinem Buch "Ja zum Nein - Selbstachtung statt Harmoniesucht"

Grenzen setzen Buchtipp
Ja zum Nein - Selbstachtung statt Harmoniesucht, Springer Verlag, Kirstin Nickelsen

Konkret: In diesem kleinen E-Mail Kurs „Ja zum Nein“ erhalten Sie konkrete Tipps und Impulse direkt per E-Mail.