Raus aus der Komfortzone! Oder vielleicht doch nicht?

Aus allen Ecken wird gerufen, man soll die Komfortzone verlassen. Ich bin ein großer Fan dieses Bereiches und möchte Sie ermuntern, darüber nachzudenken, ob es für Sie auch sinnvoll sein könnte, an diesem ganz besonderen Ort Platz zu nehmen.

Nicht nur beim Neinsagen ist die Komfortzone ein toller Bereich.

Komfortzone verlassen

Die Komfortzone ist ein gemütlicher Platz. Jetzt noch ein Kissen und eine Decke, vielleicht ein Buch, ein Getränk und den Blick aus dem Fenster genießen, wunderbar!

Die Komfortzone kann aber ebenso aus Situationen bestehen, in denen wir Arbeiten erledigen, die keine großer Herausforderung an uns stellen, die wir bereits kennen und für uns reine Routine sind.

Raus aus der Komfortzone! Rein in die Komfortzone!

Die Komfortzone ist der Bereich, in dem wir uns

  • sicher fühlen,
  • in dem Routine herrscht,
  • in dem es keine großen Überraschungen gibt,
  • in dem wir uns wohl fühlen.

Klingt das für Sie langweilig?
Für mich bedeuten diese Bereiche absolute Entspannung, nicht viel nachdenken, keine Herausforderungen annehmen wollen, das Leben plätschert ein bisschen vor sich hin. Ist das etwa negativ? Sind diese Stunden für Sie vergeudet oder eine wahre Energiespritze? Das muss nicht zwangsläufig das Sofa sein, ebenso kann das der Tennisplatz, ein Schwimmbad oder der Garten sein. Es ist ebenso vielleicht das Bügeln oder das Schreiben der Einkaufsliste, je nachdem, wo sich die jeweilige Komfortzone befindet.

Wie wir uns den Bereich der Ruhe erfüllen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Marathonläufer werden den 5 km Lauf als Komfortzone bezeichnen, während ungeübte Mensch den inneren Schweinehund bei 500 Metern überwunden haben, immerhin schon 400 mehr als sonst.


Die Komfortzone ist wunderbar, denn wer will dem ständigen Optimierungswahn verfallen? Sich alle zwei Stunden fragen, was er noch besser machen kann, sich jeden Tag aufs Neue den großen Herausforderungen stellen? Ist das nicht purer Stress? Macht man sich das Leben nicht selbst viel zu schwer, wenn man diesem Weg folgt? Es gibt hier kein richtig oder falsch, jeder Mensch trifft seine Wahl: Einige Menschen benötigen den Kick, suchen nach ihren Grenzen, die anderen fühlen sich eigentlich auch ohne dem ganz wohl.


Es ist richtig, dass in der Komfortzone keine Veränderung stattfindet, wir lernen nichts Neues, wir haben keinen neuen Erfolg und wir verändern unser Verhalten nicht. Wir erlernen keine neue Sprache und lernen ebenso keine neuen Menschen kennen. Ich möchte hinzufügen: das ist auch gut so!
Die Komfortzone kann uns Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit geben, und ich finde, das reicht im ersten Schritt vollkommen, um diesen Bereich zu würdigen, ihn toll zu finden und sich aktiv und sehr bewusst in ihn zurückzuziehen.

Wenn das Leben kurvenreich ist, ist es gut zu wissen, wo sich Steuer und Bremse befinden. Und beides zu nutzen!

Wie verlasse ich den Bereich?

  • Was ist meine Komfortzone?
  • Wann geht es mir besonders gut, was mache ich gerne zur Entspannung?
  • Wo schöpfe ich Kraft und Energie?
  • Gibt es Routinearbeiten, die ich mag?

Die Komfortzone besonders in turbulenten Zeiten aktiv zu nutzen, bringt Energie, Ruhe, Entspannung und Sicherheit. Eine Insel inmitten des hektischen Alltags, des Lärms, all der Menschen, die Ansprüche und Anforderungen an uns haben. In unserer Komfortzone können wir uns sammeln, wir selbst sein, müssen und wollen nichts verändern und fühlen uns einfach nur wohl.

Die Schattenseiten
Außerhalb der Komfortzone befindet sich die Angstzone, Lernzone, Wachstumszone.

Damit hat der gesamte Bereich also auch eine andere andere Seite: Hinderliche Glaubenssätze, Blockaden, gewohnte Denkmuster, Ängste. Das alles ist oft nicht wirklich förderlich. Für viele Menschen bedeutet das purer Stress.

Unsere wunderschöne Komfortzone, in der wir gerade noch so gut entspannt haben, hat also auch Seiten, die nicht so toll sind, nahezu menschlich! Doch sie deshalb komplett zu verteufeln und sich ständig sagen zu lassen, dass man sie verlassen solle: Unsinn!
Und nun ist es auch ein bisschen klarer, weshalb wir die Komfortzone so ungern verlassen, mit Blick auf die Schattenseiten (Ängste, Veränderung) jedoch feststellen: es gibt Zeiten, in denen es Sinn ergibt. Nur auf dem Sofa zu sitzen macht auf Dauer schließlich auch nicht glücklich. Und dann treffen Sie bewusst Ihre Wahl, wann genau es für Sie heißt: Raus aus der Komfortzone. Sie alleine entscheiden, wann Sie das wollen, wann Sie etwas riskieren möchten. Und das können Sie nur, wenn Ihr "Ja" so groß ist, dass Sie gar nicht anders können, als über einige Hürden zu springen. Oder sie zu umgehen. :)

Tipps, wie Sie die Komfortzone verlassen

Komfortzone ist übrigens nicht Komfortzone. Was für den einen Menschen innerhalb liegt, ist für einen anderen weit draußen. Komfortzone ist der Routinebereich, der einen Menschen "im Schlaf" handeln lässt. Das ist für die Fallschirmspringerin etwas anderes als für die Steuerberateraterin. Überlegen Sie sich also,

  • was Sie erreichen wollen,
  • was das Ziel ist und
  • wo Ihnen die Routine einen Strich durch die Rechnung macht.

Und dass dann alles in Ihnen auf "Widerstand" geht, das gehört leider dazu. Ihr Gehirn ist darauf ausgelegt, dass es Energie spart - und das schafft es am allerbesten in Zeiten der Routine. Planen Sie ein, dass Sie sich selbst versuchen zu beschummeln, sich nicht wichtig oder ernst zu nehmen - und dass Ihr Kopf und Ihre Gedanken durchaus den einen oder anderen Stein versuchen in den Weg zu legen.

Wenn Sie sich entscheiden, die Komfortzone bewusst zu verlassen, dann ist es vermutlich so:
Sie werden Fehler machen, Sie werden scheitern, Sie werden hadern. Der Mut verlässt sie, Sie sind nicht mehr motiviert, Sie gehen zurück - in die Zone, die Ihnen Sicherheit verspricht: die Komfortzone.
Wenn Sie also etwas in Ihrem Leben verändern möchten, dann sollte Ihre Motivation groß genug sein, um diese Täler immer und immer wieder zu druchschreiten. Bis der Tag kommt, an dem Sie an das Neue gewohnt sind. Bis Sie routiniert sind, bis Sie verinnerlicht haben, dass diese Phase völlig normal ist. Dass das eine Herausforderung ist, liegt auf der Hand, oder?

Wenn das Nein außerhalb Ihrer Komfortzone liegt, Sie also lieber Ja sagen, obwohl Sie nein meinen, dann werden Sie Fehler machen. Es ist unangehm, es ist befremdlich und ungewohnt. Die Angst ist u.U. Ihr Begleiter. Doch wenn Sie wissen, wozu Sie Ja sagen, dann gehen Sie damit anders um.

Kennen Sie Ihr Ja? Der kleine E-Mail Kurs "Ja zum Nein" liefert Ihnen konkrekte Tipps, direkt in Ihr Postfach. Aber Sie wissen schon: Lesen alleine reicht nicht. :)

(Teile dieses Textes sind meinem Buch entnommen.)