Selbstwertgefühl: Stärken und üben.

Es gibt leichtere Aufgaben!

Vielleicht kommen Ihnen einige dieser Gedanken und Situationen bekannt vor:

  • Sie reagieren schnell gekränkt.

  • Sie neigen zur Überforderung, um perfekte Arbeit zu leisten.

  • Sie haben Angst, Fehler zu machen.

  • Sie können nicht ohne Rechtfertigung verlieren.

  • Sie können nicht gut Nein sagen.

  • Sie haben Angst vor Ablehnung oder Kritik anderer Menschen.

Selbstwertgefühl. Stärken und lernen.

Was ist Selbstwertgefühl?

Unter Selbstwert, auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung versteht die Psychologie die Bewertung, die man an sich selbst vorgenommen hat. Die Begriffe werden wenig trennscharf verwendet, wobei Selbstvertrauen (Selbstsicherheit) sich auf die Kompetenzüberzeugungen (Fähigkeiten des Individuums) bezieht und als Teilkomponente des Selbstwertes verstanden werden kann, der sich darüber hinaus auch auf Eigenschaften beziehen kann, die nichts mit Kompetenzen zu tun haben. (Wikipedia)

Wie entsteht dieser Wert?

Selbstwert entsteht im Laufe des Lebens, ein gewisses Sozialverhalten wurde uns Menschen bereits in die Wiege gelegt: Dauerhaft ist niemand gerne alleine, man benötigt ein Mindestmaß an sozialen Kontakten und alle wollen überleben, wobei ein Höchstmaß an Sicherheit erstrebenswert ist, was jedoch auf unterschiedlichen Wegen gelebt werden kann: Für einige Menschen bedeutet Sicherheit, sich dem Vorgesetzten zu untergeben, andere hingegen bringen möglichst viel Leistung, erkämpfen sich Positionen und unternehmen viel, um diese zu halten.

Der Selbstwert ist nicht angeboren, sondern erlernt. Soziale, kulturelle und familiäre Normen spielen in unsern ersten Jahren eine sehr große Rolle. Die ersten Regeln des Zusammenlebens lernen wir in der Familie, z.B. wie ein »braves Kind« sich gegenüber den Nachbarn und Eltern verhält. Verbote, wie z.B. wann man über die Straße zu gehen hat oder wie man sich am Tisch verhält, aber auch non-verbal lernen Kinder sehr viel, indem sie Eltern und Geschwister beobachten und mehr oder weniger unbewusst viele der Verhaltensweisen übernehmen. Eine Mutter, die bei Gewitter das Licht ausschaltet und Angst bekommt, wird dieses Verhalten vermutlich schnell auf ihr Kind übertragen.

Die sozialen Normen lernen und übernehmen Menschen dann ebenso auf ihrem Lebensweg im Kindergarten, der Schule, Sport- oder anderen Gruppen: z.B. welches Spielzeug man benötigt, später als Jugendliche dann Dinge wie Handy und Kleidung, welcher Sport oder Musik. Hinzu kommen kulturelle Normen, die Menschen beeinflussen, was man bereits relativ schnell erfährt, wenn man von der Stadt aufs Land zieht. Alle Menschen erfahren Selbstwert, doch es kann leider auch zu vielen Verwirrungen im Laufe der Zeit führen.

Tipps, um das Selbstwertgefühl zu stärken.

So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl!
Jeder der o.g. Punkte für sich liest sich sehr »normal« und »menschlich«, doch sind sie auch Zeichen für einen schwachen Selbstwert. Um ein Ja und Nein sagen zu können, darf man sich von Ängsten nicht blockieren lassen, sollte die eigenen Grenzen wahrnehmen und sie anderen gegenüber sichtbar machen können. Ebenso bedeutet es zu wissen, was man will, dass man Verantwortung für sein Leben übernimmt, aktiv ist, sich selbst annimmt und seinen eigenen Werten entsprechend lebt.

All diese Punkte gehören zu einem guten und gesunden Selbstwertgefühl. Dies bedeutet nicht, egoistisch seine eigenen Ziele durchzusetzen und nicht auf seine Mitmenschen zu achten, sondern es heißt, dass man weiß,

  • wofür man einsteht,

  • was man kann und

  • was man nicht möchte

  • Eigene Grenzen kennt und diese

  • hin und wieder auch mutig überschreitet

  • nein sagen kann.

Wie denke ich über mich?

Die Selbstbeurteilung gibt gute Rückschlüsse, wie ein Mensch über sich selbst denkt. »Gesunde« Sätze sind z.B. diese:

  • "Ich kann sehr gut Englisch sprechen."

  • "Meine Kollegin ist länger als ich."

  • "Ich finde, ich habe schöne Haare."

  • "Mein Kollege beherrscht die Software sehr viel besser als ich."

  • "Ich habe Schwierigkeiten, meine selbst gesteckten Ziele zu erreichen."

  • "Mein Bauch gefällt mir nicht."

  • "Ich kann sehr gut einparken."

Ungesund werden die Sätze dann, wenn man eine Bewertung anhängt:

  • Ich kann sehr gut Englisch sprechen, deshalb bin ich eine sehr viel besserer Mitarbeiter.

  • Mein Bauch gefällt mir nicht, deshalb lehne ich meinen gesamten Körper ab.

  • Mein Kollege beherrscht die Software sehr viel besser, weshalb ich auch nicht befördert werde.

Ebenso sind Pauschalisierungen oder willkürliche Kriterien sehr ungünstig, wie z.B. »wer diese Software nicht beherrscht, wird niemals Teamleiter!« oder »Menschen, die Fleisch essen, sind doof«.

Was will ich wirklich?

Das Selbstwertgefühl zu stärken bedeutet auch, sich selbst immer besser zu kennen, anzunehmen und es als absolutes Recht zu sehen, erfolgreich und zufrieden zu sein. Es liest sich meistens leicht und verständlich, man nickt mit dem Kopf, stimmt zu und weiß, dass es gar nicht immer leicht ist. Das Gute am Selbstwert ist, dass alle Menschen ihn haben und man ihn aktiv, durch sein eigenes Handeln und Denken jeden Tag verbessern kann. Genau hier besteht die Wechselwirkung, die es jedem Menschen ermöglicht, mit seinem Verhalten sich selbst auf einen Weg zu bringen, der noch besser ist als der bisherige. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man mit einem gesunden Selbstwertgefühl geboren wird, oder allein die Eltern in der Kindheit dafür verantwortlich sind.

Im besten Fall achten Eltern darauf, dass Kinder entsprechend erzogen werden, doch dies allein ist keine Garantie, dass Menschen im Erwachsenenalter ein gesundes Selbstwertgefühl haben. Und ebenso umgekehrt: Wer keine besonders schöne Kindheit hatte, kann sich und sein Potenzial durchaus selbst entfalten, vorausgesetzt er möchte dies und ist bereit, dafür zu handeln und einzustehen. Die Wechselwirkung besteht nun darin, dass das Selbstwertgefühl mit jeder Handlung, mit jedem Erlebnis, mit jedem Gefühl, das zukünftig erfahren wird, gestärkt werden kann. Es bedeutet also nicht, dass erst ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl für Handlungen benötigt wird, sondern das Gefühl durch eine Handlung gestärkt wird. Gut ist, dass bereits jeder Mensch das Selbstwertgefühl in sich trägt, ganz gleich, wie ausgeprägt es ist. Ebenso gut ist, dass es gestärkt werden kann.

Doch es reicht nicht, ein Buch zu lesen, ein Seminar zu besuchen oder sich in Selbstdisziplin zu üben. Dies sind kleine Elemente, am allerwichtigsten bleibt, dass man ins handeln kommt, nachdem man sich klar gemacht hat, was man will. Die Magie des Selbstwergefühls spürt nur der, der umsetzt. Ein Teufelskreis.

Was will ich?

Viele Menschen antworten hier spontan, was sie nicht wollen. Das ist gut und hilfreich, noch besser, wenn man jedoch möglichst genau definieren kann, was man will. „Ich möchte zufrieden in meinem Beruf sein“ oder „Ich möchte erfolgreich sein“ reicht nicht. Wichtig ist zu wissen, was das genau bedeutet. Die Antworten sind individuell und grundsätzlich richtig, d.h., es gibt hier keine richtigen oder falschen Definitionen. Wer als Selbstständiger sagt, er benötigt „mehr Kunden“, sollte wissen, was das konkret in Zahlen bedeutet, in Umsatz bzw. Gewinn und einen Zeitraum definieren.

Selbstwertgefühl. Lernen und üben.

Lernen. Umsetzen und üben. Und immer und immer wieder wiederholen. Es ist wichtig, dass man ab einem gewissen Punkt auf seinem Weg des Nein-Sagens die Verantwortung übernimmt und ein bisschen auch in das kalte Wasser springt. Handeln kann man täglich, ohne Ausrede, sofort und direkt. Und noch besser ist, dass man direkt Rückmeldung bekommt. Wer hier zuckt und damit eher Unangenehmes empfindet, ist noch in der Schleife des negativen Denkens über das Nein. Handlung ist das nach außen bringen einer Haltung, eines Selbstwertes, eines Gedanken. Es ist erforderlich, dass man handelt, den ersten Schritt macht, danach einen nächsten und sich nicht erschüttern lässt durch einen Rückschlag, durch einen Konflikt oder einer anderen Situation, die man als unangenehm betrachtet.

Gedanken nur denken. Gefühle nur fühlen.
Kirstin Nickelsen

Handeln heißt, sein Innerstes nach Außen zu bringen, immer entsprechend der Situation, was im Privatleben sicher andere Ausmaße hat als im Berufsalltag. Handeln heißt auch, für seinen eigenen Selbstwert einzustehen, sich nicht zurücksetzen zu lassen und „Schuld“ bei sich zu suchen oder in einen hinderlichen Glaubenssatz wie „Tja, ich habe es eben nicht verdient“ zu denken. Hören wir auf unsere Intuition, so wissen wir in den jeweiligen Momenten sehr genau, wann uns Unrecht widerfährt, wann wir nicht zufrieden sind, wann wir ja sagen und nein meinen. Hier gilt es aufmerksam zu sein und die Handlung folgen zu lassen, die gut für uns selbst ist, die uns gerecht wird. Es reicht nicht mehr, eine Ausrede vorzuschieben, dass das Selbstbewusstsein nicht groß genug ist.

Starkes Selbstwertgefühl ist unbezahlbar.

Selbstachtung wird sich auf lange Sicht erhöhen, je mehr man in seinem Sinne gehandelt hat. Dazu bedarf es einer Zeit des "anders Denkens". Es bleibt jetzt noch die Handlung der gewonnen Haltung nach Außen zu bringen. Was fehlt Ihnen noch? Sicherheit? Vertrauen? Mut? Die Herausforderung der Handlung besteht darin, alle noch offenen Punkte zu akzeptieren, weil man weiß, dass es am Ende nie die 100% Sicherheit gibt, Vertrauen immer enttäuscht werden kann, der Mut am Anfang nie groß genug erscheint.

Die neue und andere Handlung ist eine Art Vertrauensvorschuss in sich selbst!

Dazu bedarf es theoretisch gar keines Mutes, denn es sollte selbstverständlich sein, dass alle Menschen nach ihren Werten leben, sich selbst Ausdruck verleihen, unnötig zu erwähnen, dass es oft Grenzen gibt, die es in einer Gemeinschaft zu berücksichtigen gilt, doch sicher betrifft dies nicht die gängigen Situationen des Lebens.

Steiger deine Selbstliebe!?

Gern genommener Ausspruch einiger Pseudo-Coaches. Ist doch ganz leicht. Nimm dich in den Arm, mache Yoga und meditiere und am Ende ist alles gut. Tja, wenn das mal so leicht wäre, oder? Gerne auch "Hab mehr Erfolg, sei selbstbewusster, sei hübscher, schlanker, netter." Der Selbstoptimierungswahsninn hat längst Einzug gehalten und wir sind mittendrin.

Wie wäre es denn mit dieser Frage:

Wenn ich jetzt noch mehr in meinem Sinn handeln würde, dann ...?

Diese Frage können Sie quasi in Dauerschleife laufen lassen und ich bin sicher, dass Ihre Antworten langfristig etwas ändern. An Ihrem Denken, Ihren Worten und Ihren Taten.

Tipps zum Thema Selbstachtung.

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