Verantwortung

Verantwortung übernehmen
Nicht immer leicht, die Verantwortung für sich zu übernehmen ...



Was ist Verantwortung? Definition.

Verantwortung ist im Allgemeinen die (freiwillige) Übernahme der Verpflichtung, für die möglichen Folgen einer Handlung einzustehen und gegebenenfalls dafür Rechenschaft abzulegen oder Strafen zu akzeptieren. (wikipedia)

Gerne verfällt man in Ausreden und versteckt sich hinter Gründen, weshalb man nicht nein sagen will:

  • Man will keinen Streit mit Kollegen haben.
  • Es ist einem wichtig, dass die Stimmung im Büro gut ist.
  • Man glaubt, dass man nicht das Recht hat, nein zu sagen.
  • „So ist das Leben, man kann nicht alles haben.“

Viele Gründe, manche bewusst vor die wahren Gründe geschoben, einige wirklich so empfunden. Andere hingegen sind simpel der Gewohnheit geschuldet, die man viele Jahre nicht hinterfragt und die somit viel Zeit haben, sich im Unterbewusstsein zu verankern.

Ganz gleich, wie der genaue Wortlaut der Gründe ist, ab einem gewissen Punkt gilt es, die Verantwortung zu übernehmen und sie den Gründen, Ausreden und Glaubenssätzen wegzunehmen. Keiner dieser Gedanken führt dazu, dass man sich besser fühlt oder das „Ja“, welches als „Nein“ gemeint ist, ernst meint. Durch diese Gründe beraubt man sich seiner Verantwortung, gibt sie ab, schiebt etwas davor, doch das schlechte Gefühl bleibt, denn irgendwo im Unterbewusstsein weiß man, dass es nicht ehrlich ist: weder den anderen Menschen gegenüber, noch sich selbst. Man belügt sich selbst, findet auch noch gute Gründe dafür, dies zu tun und verrät mit jeder Lüge sich selbst wieder ein bisschen mehr. Man macht sich genau deshalb Vorwürfe, erhöht den Druck weiter und schafft es auch in der nächsten Situation nicht, ein Nein zu äußern.

Verantwortung tragen. Leicht ist sie nicht immer.

Und wieder befindet man sich in einer Spirale, die es zu stoppen gilt. Verantwortung zu übernehmen, muss nicht zwangsläufig heißen, ab sofort leicht ein Nein zu äußern. Es heißt jedoch, sich bewusst zu werden und zu sein, wann man ein Ja sagt und Nein meint. Um dann dazu stehen, ohne Ausreden und vorgeschobene Gründe. Man sagt ja, also steht man dazu und übernimmt die volle Verantwortung dafür, dass man zusätzliche Arbeit hat, das Wochenende im Büro verbringt oder den geplanten Kurzurlaub nicht antreten kann.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet „Ich habe Ja gesagt, also jammere ich jetzt nicht und verfluche nicht meinen Kollegen. Es ist meine Verantwortung.“ Niemand zwingt einen Menschen, ja zu sagen. Manchmal ergibt es Sinn, sich das wirklich vor Augen zu führen, dass kein anderer Mensch mit der Pistole vor uns steht und uns bedroht. Wir müssen oft sehr wenig.

Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun, oder eben doch - und wer die Verantwortung übernimmt, trifft eine Entscheidung, zu der er in dem Moment auch wirklich steht.
Wenn nicht, dann übernimmt man die Verantwortung, dass man sie getroffen hat, ohne dazu zu stehen. Aber einem anderen Menschen oder andere fadenscheinige Gründe vorzuschieben, ist nichts, was auf Dauer zufrieden macht.

Verantwortung übernehmen und falsche Entscheidungen treffen

Es geht hier ausdrücklich nicht darum, dass man auch falsche Entscheidung trifft, das ist menschlich und keiner kann sich vermutlich davor schützen. Aber eine Aussage treffen, sie in Wahrheit gar nicht so meinen und sich dann darüber aufregen, dass der Kollege „es mal wieder“ geschafft hat, einem die Arbeit aufzubürden, ist verantwortungslos und zerrt unnötig an den eigenen Nerven. Klingt hart, die Fallen des Neins und halbherzigen Jas sind leider auch zu verlockend.

Die Verantwortung für sein Ja und Nein zu übernehmen führt langfristig unweigerlich dazu, dass man aus einem anderen Blickwinkel auf die Situationen schaut und zunehmend merkt, wie das eigene Bedürfnis wächst, ein ehrliches Ja und ein ebenso ernst gemeintes Nein sagen zu wollen. Es wächst der Wunsch, für sich selbst einstehen zu wollen, die Hindernisse zu akzeptieren und zu verstehen, dass es ein großes Geschenk ist, dass man selbst die Verantwortung für sein Leben hat. Nicht die Eltern, die Vorgesetzten, Kollegen, Freunde oder Nachbarn, tragen die Verantwortung oder gar die Schuld. Nur man selbst nimmt eine klare Haltung ein, die fast automatisch langfristig auch ausgesprochen wird.

Das gilt auch für die Momente, in denen man gegen seine Überzeugung handelt. Klarheit in Momenten des Zwiespalts, bedeutet Verantwortung übernommen zu haben und zu wissen, dass man selbst so gehandelt hat, dazu steht und niemandem und nichts die Verantwortung dafür gibt. Verantwortung zu übernehmen bedeutet auch, die Momente zu erkennen, in denen man etwas vorschiebt, sich versteckt, Angst hat, sich zu zeigen oder Grenzen zu setzen. Erkennen, akzeptieren, um sie dann langsam, Schritt für Schritt zu verändern.
Wer die Verantwortung übernimmt, wird zwangsläufig sich weniger über andere Menschen aufregen, und wenn, dann übernimmt man auch dafür die Verantwortung, sich ärgern oder andere Hindernisse sich selbst in den Weg stellen.

Verantwortung übernehmen bedeutet auch, Erfahrungen zu sammeln und eigenverantwortlich die Konsequenzen in der Zukunft umzusetzen. Es ist manchmal nicht leicht, sich der Verantwortung zu stellen, so viel schöner ist es doch, den Kollegen die Schuld in die Schuhe zu schieben, wie rücksichtlos diese wieder handeln, oder den Egoismus des Vorgesetzten zu verteufeln.

Es ist nicht immer leicht, sich daran zu erinnern, dass der einzige Mensch, den man wirklich verändern kann, man selbst ist. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, das gesteckte Ziel zu verfolgen, und sich von Niederschlägen nicht in die Ecke drängen zu lassen. Drei Schritte vor und vier zurück, auch das gehört zum Leben dazu, aber davon darf man sich langfristig nicht beeindrucken lassen. Verantwortung zu übernehmen bedeutet ebenso, dass man dafür sorgt, dass es einem gut geht: Im Privat- und Berufsleben, mit Freunden oder Kollegen. Zu wissen, was man benötigt, was man will, was man kann, Grenzen setzen, handeln, all dies bedeutet Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.

Übung

In den Momenten, in denen Sie merken, dass Sie nicht die Verantwortung für sich übernehmen, beenden Sie diese Sätze:

  • „Wenn ich mich jetzt ein bisschen wichtiger nehmen würde, ...“ oder
  • „Wenn ich jetzt ein bisschen mehr Verantwortung für mich übernehme, ...“

Sie werden bemerken, dass Ihre Gedanken sich auf Dauer in Handlungen und Formulierungen äußern werden. Bei dieser Übung ist es wichtig, sich auf „ein bisschen“ zu konzentrieren. Nur ein kleiner Schritt, ein kleines Bisschen, was man tun könnte, um langfristig mehr Verantwortung zu übernehmen kann mehr helfen, als ständig hundert Schritte mit einem Sprung machen zu wollen. Geben Sie sich selbst Zeit, um Veränderungen ihr Verhalten und Leben zu bringen. Ja zu sich selbst, heißt auch, ein noch stärkeres Ja zu Geduld.

Verantwortung übernehmen
(Teile des Textes wurden in meinem Buch "Ja zum Nein - Selbstachtung statt Harmoniesucht" veröffentlicht.)