Disziplin lernen: 12 Tipps, für mehr Selbstdisziplin

Selbstdisziplin
Disziplin ist der Schlüssel für Zufriedenheit.


Ein Wille, ein Weg? Kann man Disziplin lernen?

Es bedarf sehr viel mehr als den bloßen Willen, etwas verändern zu wollen. Der Wille alleine reicht definitiv nicht aus. Aber ohne Willenskraft, die Hürden auf dem Weg nehmen zu wollen, wird eine Veränderung keine Chance haben.

Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.(Wikipedia)

Je mehr Wille, desto besser, doch selbst der kleinste Funken an Willen kann ausreichen, um das große Feuer zu entfachen. Und Ziele zu erreichen. Niemand kann Sie zwingen, z.B. nein zu sagen. Es kann alles bleiben, wie es ist. Ihr Wollen entscheidet, inwiefern Sie sich auf den Weg, die Übungen und die anstehenden Erfahrungen wirklich einlassen wollen. Das Wollen entscheidet ebenso, ob Sie in alte Verhaltensweisen verfallen oder den neuen Möglichkeiten immer wieder eine Chance geben, sich zu etablieren. Dies betrifft die Diät, den Sport und auch den Weg des Nein-Sagens. Disziplin kann man lernen, versprochen!

Wo kein Wille ist, sind zu viele Wege!

12 Tipps für größtmögliche Selbstdisziplin

Jetzt ist es leider nicht damit getan, einige Tipps im Netz zu lesen. Im besten Fall sehen Sie aber einen Impuls, den Sie direkt für umsetzbar halten, dann sollten Sie das auch machen - und zwar direkt. Nicht lange fackeln, sondern einfach starten. Um es vorweg zu nehmen: Sie kennen sich selbst am allerbesten. Wenn Sie also Idee 13, 14 und 15 haben, nehmen Sie den Impuls unbedingt auf, die Folgenden dienen (hoffentlich) als Anregungen.

Ein wichtiger Schlüssel für Zufriedenheit

Fakt ist: Um neuen Gewohnheiten den Einzug in Ihr Leben zu ermöglichen, führt an Selbstdisziplin kein Weg vorbei. Wieso? Weil wir den umgekehrten Weg gehen müssen, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Anders formuliert: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ein Stolperstein sind dabei unsere schlechten Angewohnheiten, also die, die sich bereits in Ihrem Leben festgefahren haben. Sie mögen gerne Schokolade? Prima, dann essen Sie diese und sehen erst später mit einem Blick auf die Waage, dass das keine gute Idee war. Oder Sie bekommen Magenschmerzen, nachdem Sie die Tüte Chips gegessen haben. Erst das Vergnügen, dann der Schmerz. Das ist das Problem der schlechten Angewohnheiten - und das macht es oft uns so schwer, diszipliniert neue Abläufe oder Routinen in unser Leben zu bringen - und somit Ziele zu erreichen.

Das Geheimnis für mehr Selbstdisziplin

Das große Geheimnis ist, dass es kein Geheimnis gibt. Alles wurde bereits aufgedeckt, erkundet, erfahren, der Mensch ist an einigen Stellen wirklich simpel. Etliche Studien haben bewiesen, wie wir ticken, denken, fühlen. Jetzt gilt es: umsetzen. Lernen. Erfahren. Üben. Und sich nicht entmutigen lassen. Sie wissen vermutlich, dass es einige Tage dauert, oft wird von 28 Tagen gesprochen, bis sich Neues etabliert. Ich kenne ausreichend Ex-Raucher, die noch nach Jahren teilweise kämpfen, keinen Glimmstengel anzufassen. Aber sie wissen, dass sie damit direkt in die Qualmerei erneut einsteigen würden. Also, machen Sie sich darauf gefasst, dass es nicht immer leicht ist. Wäre ja auch zu schön ...

Tipp 1. Schwieriges mit einem Magneten abstoßen

Anders formuliert: Leichtes anziehend machen
Wenn Sie selbstdisziplinierter werden wollen, dann sollte das, was Sie neu etablieren möchten, wirklich anziehend für Sie sein.

  • Sie möchten nein sagen lernen? Dann sollten Sie wissen, wozu Sie ja sagen wollen.
  • Sie möchten nicht mehr rauchen? Dann sollten Sie wissen, was Sie stattdessen möchten!

Die andere - neue - Seite muss Sie wirklich anziehen, lächeln lassen und Ihnen Freude bereiten. Ihr "Ja" muss es Ihnen wert sein, dass Sie sich ins Zeug legen wollen! Sie sollten quasi den Erfolg bereits sehen und spüren.

  • Wovon will ich mich trennen, um etwas möglich zu machen?
  • Welche Energievampire verbanne ich aus meinem Leben?
  • Was tut mir gerade gut?
  • Was will ich wirklich?
  • Wozu sage ich Ja?
  • Wozu sage ich Nein?

Tipp 2. Der Marathon ist das Endziel. Schuhe anziehen der Anfang.

Sie möchten joggen, selbstverständlich gerne den New-York-Marathon. Ihre Kondition ist auf dem Stand "50 Meter, keinen Schritt mehr". Selbstverständlich können Sie sich den Marathon als Ziel nehmen, wenn das langfristig Ihr großes Ja ist. Sehen Sie sich zu, wie die Menschen Ihnen zujubeln, während Sie bei Kilometer 23,4 noch leichtüßig durch die Straßen zwischen den Hochhäusern laufen. Ihr erster Schritt ist allerdings wesentlich unspektakulärer: Sportschuhe anziehen. Jeden 2. Tag. Morgens um 6 Uhr, auch im Winter, auch im Regen. Setzen Sie sich also erst ein kleines Ziel. Schritt für Schritt werden Sie es vermutlich besser schaffen, als von 0 auf 100 in 7 Tagen - um es am Ende doch nicht zu schaffen und frustiert morgens im Bett liegen zu bleiben. Erst ein kleiner Schritt. Diesen zur Routine machen, erst dann den nächsten hinzufügen.

Tipp 3. Fokus auf das Ziel – Träume, Visionen und Bilder

Wie bereits erwähnt: Wenn der Marathon Ihr Ziel ist, dann legen Sie mit dem Anziehen von Schuhen los. Und visualisieren so viel es Ihnen Spaß macht. Planen Sie vielleicht schon mal die Reise, wen nehmen Sie mit, wann melden Sie sich an, wo werden Sie übernachten? Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie am Start stehen, was werden Sie empfinden, wenn Sie durch das Ziel laufen? Machen Sie sich Plakat, schreiben Sie, wenn Ihnen das liegt, ihre Gefühle auf und lassen dem großen Ziel die Möglichkeit, sich in Ihrem Inneren richtig breit zu machen. Ihr großes "Ja", die Vision und der Fokus sind Ihre größten Magneten

Tipp 4. Gemeinsam schaffen wir es noch besser!

Alleine zu joggen ist schön, in einer Gruppe von Gleichgesinnten klappt es noch ein bisschen besser. Sich gemeinsam aufzuraffen, den inneren Schweinehund überwinden und merken, wie die aufgebrachte Selbstdisziplin sich immer positiver auswirkt, fast nichts ist motivierender. Suchen Sie sich eine Gruppe, wenn es keine gibt, gründen Sie eine. Vielleicht wartet Ihr Nachbar nur auf einen Impuls, Ihre Kollegin wäre vielleicht auch dankbar für einen kleinen Schubs? Fangen Sie an. Einfach machen.

Tipp 5. Belohnungen sind prima.

Natürlich ist unserem Beispiel der Marathon das große Ziel, aber die Belohnung sollte nicht so lange auf sich warten lassen. Setzen Sie in kurzen Intervallen immer wieder Punkte, an denen Sie sich feiern. Sie haben 10 mal Ihren Schweinehund ausgetrickst, die Schuhe angezogen und waren einige Meter laufen? Großartig, ein super Anfang, womit werden Sie sich belohnen?
Sie haben endlich nein zu Ihrer Kollegin gesagt, die Ihnen schon lange auf die Nerven ging? Herzlichen Glückwunsch, womit belohnen Sie sich? Wenn Sie mögen, dann können Sie dies auch schriftlich festhalten. Tagebuch ist immer noch eine großartige Möglichkeit, um sich an Erfolge zu erinnern, denn es wird eine Zeit kommen, da klappt es nicht ganz so prima mit der Motivation und Sie profitieren von der Erinnerung.

Tipp 6. Am Ball bleiben. Oder ihn zurückholen.

21 Tage, 28 oder 90 Tage - neue Angewohnheiten müssen gespielt werden. Regelmäßig. Wer also nach 3 Tagen aufgibt, der hat verspielt, zumindest für den Moment. Ball zurückholen, neu positionieren, weitermachen.

Tipp 7. Trainieren Sie den Muskel der Selbstdisziplin - lernen Sie sich kennen

Die Willenskraft ist ein Muskel, der mit viel Disziplin gestärkt werden kann. Gehören Sie eher zu den Menschen, denen Selbstdisziplin schwer fällt, die sich viel ablenken lassen oder Schwierigkeiten haben konzentriert zu arbeiten? Dann fangen Sie mit kleinen Übungen an, den Muskel des Willens aufzubauen. Sie werden schnell bemerken, dass egal, welche Übung Sie nehmen, der Muskel auch in anderen Situationen seine Kraft entfaltet.
Als Übung zur Stärkung des eigenen Willens können Sie z.B.

  • als Rechtshänder anfangen, sich für einen Zeitraum von zehn Tagen die Zähne mit der linken Hand zu putzen.
  • Oder Sie stellen sich bei der morgendlichen Rasur auf ein Bein.
  • Sie können die Reihenfolge des Frühstücks verändern oder
  • ab sofort einen Weg ins Büro fahren und wenn Ihnen nichts einfällt, dann
  • stellen Sie sich jeden Tag für drei Minuten auf einen Stuhl.

Wieso Sie das tun sollten? Weil Sie sich dazu entschlossen haben. Das reicht. Ihr Wille ist ein Muskel, der nicht gefragt wird, für welche Situation er gestärkt wird, ihm ist das völlig egal, ob es um das Nein geht oder das tägliche joggen oder ob Sie sich einfach nur vorgenommen haben, sich auf einen Stuhl zu stellen. Sobald Sie ihn anfangen zu trainieren, können Sie ihn in allen Situationen immer besser einsetzen.
Nehmen Sie sich eine „lapidare“ Situation, um den Muskel des Willens zu trainieren. Schnell werden Sie bemerken, dass Sie nicht nur Disziplin erlangen, sondern auch die Abläufe des ungewohnten Zähneputzens sehr viel besser werden. Das heißt, die neuen, am Anfang so befremdlichen Handlungsabläufe, werden routinierter.

Tipp 8. Müssen oder wollen?

»Ich muss endlich lernen, nein zu sagen.«
Oder:

Müssen Sie wirklich? Sie können sehr wohl auch nicht arbeiten. Was wären die Konsequenzen? Ist es daher nicht viel mehr so, dass Sie arbeiten möchten, um die Miete zahlen zu können und sich schöne Dinge zu leisten? Wollen Sie nicht viel mehr zum Sport, um eine bessere Kondition zu bekommen oder schlicht, weil es Ihnen Freude bereitet? Man muss im Leben relativ wenig, aber Nein sagen gehört sicher nicht dazu. Sie müssen es nicht, sondern können so weiter machen, wie Sie es bisher taten.

Man muss viel weniger als man denkt, wenn man weiß, was man will.

Tipp 9. Den Perfektionismus über Bord schmeißen!

Die Turnschuhe müssen ein halbes Vermögen kosten, die Sportsachen farblich angepasst sein und die Lauftechnik von Beginn an die eines Profis. Selbsterständlich ist das Blödsinn, aber der Perfektionismus stellt sich uns gerne in den Weg, schlaues Ding. Da erzählen wir uns, dass wir erst im Winter anfangen können, die Glimmstengel links liegen zu lassen - selbstverständlich ist jetzt aber Frühling. Wir können erst mit der Diät starten, wenn der Partner mitzieht, alleine ist das wirklich total doof. Ausreden und Perfektionismus liegen sehr nahe beieinander, beidem sollten Sie im besten Fall auf die Schliche kommen, sich also darüber bewusst sein und dann - dennoch starten. :)

Tipp 10. Verpacken Sie das Neue in Altes.

Bei manchen Menschen klappt es, bei anderen nicht, probieren Sie es aus. Wenn Sie mehr Obst und weniger Schokolade essen möchten, legen Sie beides auf einen Teller. Viel Obst, wenig Schokolade. Wollen Sie zum Süßen greifen, fragen Sie sich einfach, was Sie wirklich wollen. Ist es nur Gewohnheit, dass Sie zur Schokolade greifen? Prima. Denn dann sind Sie im besten Fall auf einem erkenntnisreichen Weg ... und beim nächsten Einkauf lassen Sie die Schokolade im Regal.

Tipp 11. Realistisch, bitte.

Das "Nein sagen" zum anstrengenden Chef kann ein perfektes Ziel sein. Wenn Sie das Wort aber noch nicht mal an der Wursttheke sagen können, wenn der Verkäufer Ihnen mitteilt, dass es nicht die bestellten 500 Gramm sondern 600 Gramm sind, dann starten Sie lieber da. Setzen Sie sich kleine Ziele. Und vergessen Sie nicht, sich zu belohnen.

Tipp 12. Verpflichten Sie sich!

Sich selbst gegenüber schriftlich, zum Beispiel. Mit einem Vertrag. Wenn Sie mögen, können Sie sich auch bestrafen, klappt meistens aber weniger. Treffen Sie mit Ihrer Freundin oder einem Freund eine Vereinbarung, sagen Sie, was Sie vorhaben, und überlegen Sie sich, was Sie für sie tun müssen, wenn es nicht klappt.

Selbstdisziplin ist ein Muskel...

... der Training benötigt, um stark zu werden. Seien Sie gut zu sich, fangen Sie in kleinen Schritten und mit kleinen Zielen an. Machen Sie es einfach. Und freuen Sie sich über jeden Schritt in die Richtung Ihres magnetisch wirkenden Ziels.

Teile dieses Textes stammen aus "Ja zum Nein, Selbstachtung statt Harmoniesucht"