Selbstwertgefühl. Stärken und nein sagen.
Werte

Selbstwertgefühl stärken

Ein starkes Selbstwertgefühl ist immer gut. Wie Sie das lernen können, um klar nein zu sagen und Grenzen zu setzen, lesen Sie hier



Vielleicht kommen Ihnen einige dieser Gedanken und Situationen bekannt vor.

  • Sie reagieren schnell gekränkt.
  • Sie neigen zur Überforderung, um perfekte Arbeit zu leisten.
  • Sie haben Angst, Fehler zu machen.
  • Sie können nicht ohne Rechtfertigung verlieren.
  • Sie haben Angst vor Ablehnung oder Kritik anderer Menschen.

Selbstwertgefühl steigern

Jeder Punkt für sich liest sich sehr »normal« und »menschlich«, doch sind sie auch Zeichen für einen schwachen Selbstwert. Um ein klares Ja und ein eindeutiges Nein sagen zu können, darf man sich von Ängsten nicht blockieren lassen, sollte die eigenen Grenzen wahrnehmen und sie anderen gegenüber sichtbar machen können. Ebenso bedeutet es zu wissen, was man will, dass man Verantwortung für sein Leben übernimmt, aktiv ist, sich selbst annimmt und seinen eigenen Werten entsprechend lebt.
All diese Punkte gehören zu einem guten und gesunden Selbstwertgefühl. Dies bedeutet nicht, egoistisch seine eigenen Ziele durchzusetzen und nicht auf seine Mitmenschen zu achten, sondern es heißt, dass man weiß, wofür man einsteht, was man kann und was man nicht möchte, seine eigenen Grenzen kennt und diese hin und wieder auch mutig überschreitet.

Was ist Selbstwertgefühl?

Unter Selbstwert, auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzun, Selbstachtung versteht die Psychologie die Bewertung, die man an sich selbst vorgenommen hat. Die Begriffe werden wenig trennscharf verwendet, wobei Selbstvertrauen (Selbstsicherheit) sich auf die Kompetenzüberzeugungen (Fähigkeiten des Individuums) bezieht und als Teilkomponente des Selbstwertes verstanden werden kann, der sich darüber hinaus auch auf Eigenschaften beziehen kann, die nichts mit Kompetenzen zu tun haben. (Wikipedia)

Wie entsteht Selbstwert?

Selbstwert entsteht im Laufe des Lebens, ein gewisses Sozialverhalten wurde uns Menschen bereits in die Wiege gelegt: Dauerhaft ist niemand gerne alleine, man benötigt ein Mindestmaß an sozialen Kontakten und alle wollen überleben, wobei ein Höchstmaß an Sicherheit erstrebenswert ist, was jedoch auf unterschiedlichen Wegen gelebt werden kann: Für einige Menschen bedeutet Sicherheit, sich dem Vorgesetzten zu untergeben, anderer hingegen bringen möglichst viel Leistung, erkämpfen sich Positionen und unternehmen viel, um diese zu halten. Der Selbstwert ist nicht angeboren, sondern erlernt, soziale, kulturelle und familiäre Normen spielen in unsern ersten Jahren eine sehr große Rolle. Die ersten Regeln des Zusammenlebens lernen wir in der Familie, z.B. wie ein »braves Kind« sind gegenüber den Nachbarn und Eltern verhält, Verbote, wie z.B. wann man über die Straße zu gehen hat oder wie man sich am Tisch verhält, aber auch non-verbal lernen Kinder sehr viel, indem sie Eltern und Geschwister beobachten und mehr oder weniger unbewusst viele der Verhaltensweisen übernehmen. Eine Mutter, die bei Gewitter das Licht ausschaltet und Angst bekommt, wird dieses Verhalten vermutlich schnell auf ihr Kind übertragen.

Die sozialen Normen lernen und übernehmen Menschen dann erstmalig auf ihrem Lebensweg im Kindergarten, der Schule, Sport- oder anderen Gruppen: z.B. welches Spielzeug man benötigt, später als Jugendliche dann Dinge wie Handy und Kleidung, welcher Sport oder Musik. Hinzu kommen kulturelle Normen, die Menschen beeinflussen, was man bereits relativ schnell erfährt, wenn man von der Stadt aufs Land zieht. Alle Menschen erfahren Selbstwert, doch es kann leider auch zu vielen Verwirrungen im Laufe der Zeit führen.

Wie denke ich über mich?

Die Selbstbeurteilung gibt gute Rückschlüsse, wie ein Mensch über sich selbst denkt.
»Gesunde« Sätze sind z.B. diese:

  • Ich kann sehr gut Englisch sprechen.
  • Meine Kollegin ist länger als ich.
  • Ich finde, ich habe schöne Haare.
  • Mein Kollege beherrscht die Software sehr viel besser als ich.
  • Ich habe Schwierigkeiten, meine selbst gesteckten Ziele zu erreichen.
  • Mein Bauch gefällt mir nicht.
  • Ich kann sehr gut einparken.

Ungesund werden die Sätze dann, wenn man eine Bewertung anhängt:

  • Ich kann sehr gut Englisch sprechen, deshalb bin ich eine sehr viel besserer Mitarbeiter.
  • Mein Bauch gefällt mir nicht, deshalb lehne ich meinen gesamten Körper ab.
  • Mein Kollege beherrscht die Software sehr viel besser, weshalb ich auch nicht befördert werde.

Ebenso sind Pauschalisierungen oder willkürliche Kriterien sehr ungünstig, wie z.B. »wer diese Software nicht beherrscht, wird niemals Teamleiter!« oder »Menschen, die Fleisch essen, sind doof«.

Selbstwertgefühl. Was will ich wirklich?



Ein gutes Selbstwertgefühl zu haben bedeutet auch, sich selbst zu kennen, anzunehmen und es als absolutes Recht zu sehen, erfolgreich und zufrieden zu sein. Es liest sich meistens leicht und verständlich, man nickt mit dem Kopf, stimmt zu und weiß meistens, dass es gar nicht immer leicht zu lesen ist. Das Gute am Selbstwert ist, dass alle Menschen ihn haben und man ihn aktiv, durch sein eigenes Handeln und Denken jeden Tag verbessern kann. Genau hier besteht die Wechselwirkung, die es jedem Menschen ermöglicht, mit seinem Verhalten sich selbst auf einen Weg zu bringen, der noch besser ist als der bisherige. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man mit einem gesunden Selbstwertgefühl geboren wird, oder allein die Eltern in der Kindheit dafür verantwortlich sind.


Im besten Fall achten Eltern darauf, dass Kinder entsprechend erzogen werden, doch dies allein ist keine Garantie, dass Menschen im Erwachsenenalter ein gesundes Selbstwertgefühl haben. Und ebenso umgekehrt: Wer keine besonders schöne Kindheit hatte, kann sich und sein Potenzial durchaus selbst entfalten, vorausgesetzt er möchte dies und ist bereit, dafür zu handeln und einzustehen. Die Wechselwirkung besteht nun darin, dass das Selbstwertgefühl mit jeder Handlung, mit jedem Erlebnis, mit jedem Gefühl, das zukünftig erfahren wird, gestärkt werden kann. Es bedeutet also nicht, dass erst ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl für Handlungen benötigt wird, sondern das Gefühl durch eine Handlung gestärkt wird. Gut ist, dass bereits jeder Mensch das Selbstwertgefühl in sich trägt, ganz gleich, wie ausgeprägt es ist. Ebenso gut ist, dass es gestärkt werden kann.



Doch es reicht nicht, ein Buch zu lesen, ein Seminar zu besuchen oder sich darüber Gedanken zu machen. Dies können kleine Elemente sein, die Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, doch am allerwichtigsten bleibt, dass man ins handeln kommt, nachdem man sich klar gemacht hat, was man will. Die Magie des Selbstwergefühls spürt nur der, der umsetzt. Ein Teufelskreis.

Viele Menschen antworten hier spontan, was sie nicht wollen. Das ist gut und hilfreich, noch besser, wenn man jedoch möglichst genau definieren kann, was man will. „Ich möchte zufrieden in meinem Beruf sein“ oder „Ich möchte erfolgreich sein“ reicht nicht. Wichtig ist zu wissen, was das genau bedeutet. Die Antworten sind individuell und grundsätzlich richtig, d.h., es gibt hier keine richtigen oder falschen Definitionen. Wer als Selbstständiger sagt, er benötigt „mehr Kunden“, sollte wissen, was das konkret in Zahlen bedeutet, in Umsatz bzw. Gewinn und einen Zeitraum definieren.

Sprüche ohne Ende

  • "Steiger dein Selbstbewusstsein."
  • "Steiger deinen Selbstwert."
  • "Steiger dein Selbstvertrauen."
  • "Steiger deine Selbstliebe."
  • "Änder dein Verhalten."
  • "Leb ein glückliches Leben."
  • "Hab ein gutes Selbstbild."

Bei den meisten Menschen lösen diese Sprüche nur ein müdes Lächeln hervor.

Selbstwertgefühl stärken - Übungen

Zurück zur konkreten Umsetzung:

Es gibt eine schöne Formel von Julio Olalla:

Wille eine Sache anzugehen x Anziehungskraft oder Zielvorstellung x Zuversicht in die Machbarkeit x Klarheit über konkrete nächste Schritte muss > sein als Aufwand für die Veränderung.

Na? Leider wahr, oder?

S.M.A.R.T. Regel

Die SMART Regel ist gut anzuwenden. Ich weiß, dass sie auf den ersten Blick sehr nüchtern wirkt, nahezu veraltet, doch auch für eine Aussage wie „Ich möchte zufrieden sein“ ist sie sehr gut anzuwenden. Probieren Sie es einfach aus!

Die S.M.A.R.T. -Regel:

S: Spezifisch: Ein Ziel soll eindeutig definiert sein.
M: Messbar: Ein Ziel soll messbar sein.
A: Akzeptiert: Ein Ziel soll akzeptiert und angenommen sein.
R: Realistisch: Ein Ziel sollte im Rahmen des möglichen sein.
T: Terminiert: Ein Ziel hat einen klaren Termin, bis wann es erreicht wird.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass ein Ziel noch besser verfolgt werden kann, und es auch sehr viel mehr Freude macht, wenn es inspirierend ist. Das Ziel sollte Ihnen also wirklich ein Lächeln ins Gesicht zaubern! Das Nein wirklich wollen, mit dem Erreichen für sich Gutes getan zu haben, erleichtert den nicht immer leichten Weg. Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass das Ziel in die Zukunft gerichtet wird, heißt, nicht, um etwas anders als in der Vergangenheit zu machen, sondern um es gut in der Zukunft zu erfüllen. In der ersten Person, Präsens und positiv formuliert, kann ein Ziel sein:

  • Ich gehe jede Woche drei Mal ins Fitnessstudio und esse täglich Obst und Gemüse.
  • Ich werde ab sofort dienstags mit meinem Kollegen um 10.00 Uhr die Abläufe der aktuellen Woche besprechen.

Welche Ziele fallen Ihnen spontan zum Thema nein sagen ein? Formulieren Sie die beiden wichtigsten nach der S.M.A.R.T. Regel, beachten Sie, dass alle Punkte erfüllt sind. Und nicht nur lesen. Machen! :) Die S.M.A.R.T. Regel mögen Sie - oder eben nicht. Ich kenne sehr viele Menschen, die mit ihr erfolgreich arbeiten. Andere hingegen hassen sie nahezu. Wie immer gilt: Sie entscheiden, was Ihnen guttut.

Bewusst leben, Verantwortung übernehmen, fokussiert sein, wissen was man will, und handeln. Betont sei hier, dass es unwichtig ist, an welchem der Punkte Sie anfangen, es gibt weder richtig noch falsch, wichtig ist lediglich, dass Sie anfangen. Und vielleicht ist der Punkt der Handlung besonders schwierig, weil Sie glauben, über Eigenschaft A oder B noch nicht zu verfügen, dies aber unerlässlich für die richtige Handlung ist.**

Selbstwertgefühl stärken - Tipps

Doch „die einzig wahre und richtige Tat“ gibt es nur in den seltensten Fällen. Es ist wichtig, dass man ab einem gewissen Punkt auf seinem Weg des Nein-Sagens die Verantwortung übernimmt und ein bisschen auch in das kalte Wasser springt. Handeln kann man täglich, ohne Ausrede, sofort und direkt. Und noch besser ist, dass man direkt Rückmeldung bekommt. Wer hier zuckt und damit eher Unangenehmes empfindet, ist noch in der Schleife des negativen Denkens über das Nein. Handlung ist das nach außen bringen einer Haltung, eines Selbstwertes, eines Gedanken. Es ist erforderlich, dass man handelt, den ersten Schritt macht, danach einen nächsten und sich nicht erschüttern lässt durch einen Rückschlag, durch einen Konflikt oder einer anderen Situation, die man als unangenehm betrachtet.

Gedanken nur denken.
Gefühle nur fühlen.

Handeln heißt, sein Innerstes nach Außen zu bringen, immer entsprechend der Situation, was im Privatleben sicher andere Ausmaße hat als im Berufsalltag. Handeln heißt auch, für seinen eigenen Selbstwert einzustehen, sich nicht zurücksetzen zu lassen und „Schuld“ bei sich zu suchen oder in einen hinderlichen Glaubenssatz wie „Tja, ich habe es eben nicht verdient“ zu denken. Hören wir auf unsere Intuition, so wissen wir in den jeweiligen Momenten sehr genau, wann uns Unrecht widerfährt, wann wir nicht zufrieden sind, wann wir ja sagen und nein meinen. Hier gilt es aufmerksam zu sein und die Handlung folgen zu lassen, die gut für uns selbst ist, die uns gerecht wird. Es reicht nicht mehr, eine Ausrede vorzuschieben, dass das Selbstbewusstsein nicht groß genug ist.

Starkes Selbstwertgefühl: unbezahlbar.

Selbstachtung wird sich auf lange Sicht erhöhen, je mehr man in seinem Sinne gehandelt hat. Dazu bedarf es einer Zeit des "anders Denkens". Es bleibt jetzt noch die Handlung der gewonnen Haltung nach Außen zu bringen. Was fehlt Ihnen noch? Sicherheit? Vertrauen? Mut? Die Herausforderung der Handlung besteht darin, alle noch offenen Punkte zu akzeptieren, weil man weiß, dass es am Ende nie die 100% Sicherheit gibt, Vertrauen immer enttäuscht werden kann, der Mut am Anfang nie groß genug erscheint.

Die neue und andere Handlung ist eine Art Vertrauensvorschuss in sich selbst!

Dazu bedarf es theoretisch gar keines Mutes, denn es sollte selbstverständlich sein, dass alle Menschen nach ihren Werten leben, sich selbst Ausdruck verleihen, unnötig zu erwähnen, dass es oft Grenzen gibt, die es in einer Gemeinschaft zu berücksichtigen gilt, doch sicher betrifft dies nicht die gängigen Situationen des Lebens.

Sich selbst im Weg zu stehen ist so leicht!

Steiger deine Selbstliebe!

Gern genommener Ausspruch einiger Pseudo-Coaches. Ist doch ganz leicht. Nimm dich in den Arm, mache Yoga und meditiere und am Ende ist alles gut.

Tja, wenn das mal so leicht wäre, oder?
Da hängen wir doch lieber in unseren Gedanken fest: "Ich bin es nicht wert!", "Ich habe es nicht verdient...", gerne auch "Ich bin es nicht wert..". Hab mehr Erfolg, sei selbstbewusster, sei hübscher, schlanker, netter. Der Selbstoptimierungswahsninn hat längst Einzug gehalten und wir sind mittendrin.

Selbstachtung stärken: Übung

Eine der hilfreichsten Übungen in der Praxis ist, sich Antworten zu geben, zum Beispiel auf diese Frage:
Wenn ich jetzt noch mehr in meinem Sinn handeln würde, dann ...?

Diese Frage können Sie quasi in Dauerschleife laufen lassen und ich bin sicher, dass Ihre Antworten langfristig etwas ändern. An Ihrem Denken, Ihren Worten und Ihren Taten.


Teile des Textes sind meinem Buch "Ja zum Nein- Selbstachtung statt Harmoniesucht" entnommen.


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