Kommunikation

Nein zu Weihnachtsstress. Ja zu ...?

Nein sagen lernen in der Weihnachtszeit? Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und der Liebe. Eine Zeit, in der wir glauben, dass unsere Welt perfekt sein sollte. Und nun zur Realität.



Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und der Liebe. Eine Zeit, in der wir glauben, dass unsere Welt perfekt sein sollte.
Nun zur Realität: Menschen jagen durch die Geschäfte, um Geschenke zu finden, ohne in den meisten Fällen zu wissen, was gewünscht wird. Das Treffen am 24.12. mit der Schwiegermutter liegt jetzt schon schwerer im Magen, als es die Ente je tun wird, und drei Tage mit der Familie zu verbringen ist eher das Gegenteil dessen, was du wirklich willst? Konflikte lauern schon vor der Tür, durch die Onkel Paul, der immer zu viel raucht und trinkt, am besten gar nicht erst eintreten sollte. Die Schwiegereltern müssen natürlich auch besucht werden, Tante Erna wartet mit Kaffee und Kuchen, unwichtig, dass man dafür knapp 300 Kilometer fahren muss, Rückweg nicht eingeschlossen.

Nein sagen lernen in der Weihnachtszeit!

Die nun folgenden Tipps präsentieren sich dir wie Pralinen auf einem Tablett: Manche werden dir vielleicht nicht schmecken, andere magst du gar nicht erst ansehen. Alleine du weißt, welche du magst und probieren willst, die dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dir einen Weg zeigen, der leichter ist. Und am Ende wirst belohnt: mit einer wunderschönen Weihnachtszeit, ganz gleich, wie und wo du die Zeit verbringen möchtest, Hauptsache, dein persönlicher Wunschzettel erfüllt sich.

Sag es einfach

Wir denken, hadern, zaudern und in unserem Gedankenkino laufen mindestens vier Filme gleichzeitig, was alles passieren könnte, was eintreten wird und was noch schlimmer kommt als befürchtet. Doch am Ende lösen wir eine Situation nur, wenn wir uns ihr stellen, eine klare Haltung einnehmen und diese kommunizieren.
„Sagen es einfach“ bedeutet:
Sprich es aus, was immer das sein mag. Es bringt nicht viel, ein Buch nur zu lesen, über das Thema nachzudenken, aber dann nichts zu sagen oder zu tun. Und: einfach. Klar, direkt, ohne Umschweife und am Ende unmissverständlich sollten deine Worte sein.
Wenn du wirklich etwas verändern möchtest, um dieses Jahr ein besonders schönes Weihnachtsfest zu verbringen, fang jetzt an und nimm dir Zeit: für dich, diesen Text und deine Bedürfnisse. Deine aktive Mitarbeit ist gefragt, um kleine Veränderung in dein Leben zu bringen. Starte daher mit der ersten und wichtigsten Frage:

Was will ich?

Die Möglichkeit, dass du die Weihnachtszeit so verbringen kannst, wie du es magst, steigt enorm, wenn du weißt, was du willst. Vermutlich fallen dir jetzt genau die Punkte und Menschen ein, die du nicht (sehen) willst, aber im ersten Schritt geht es um die etwas schwierigere Variante.

Frag dich:

  • Wie möchte ich Weihnachten verbringen?
  • Mit welchen Menschen? Oder lieber alleine?
  • Zuhause oder fahre ich in den Urlaub?
  • Geschenke für alle oder nur für die Kinder?
  • Karten, ja oder nein? An wen und wann?

Nimm dir Papier und Stift und schreib auf, wie genau du die Weihnachtszeit verbringen möchtest. Je mehr Details, je genauer du beschreibst, wie du diese Zeit verbringen willst, desto besser.
„Aber geht es Weihnachten nicht auch darum, anderen Menschen einen Gefallen zu tun?“ Sicher. Doch welchen Preis bist bereit, dafür zu bezahlen? Ist es nicht sinnvoller, nur das zu tun, was dir wichtig ist, was dich keine Nerven kostet, was dich nicht an deine Grenzen bringt, was auch dir Freude macht? Es geht um einen gesunden Egoismus, besonders auch zur Weihnachtszeit. Sorg für dich, dein Wohl und überlege dir in Ruhe, was du willst und an welchen Stellen du nicht mehr bereit bist, gewohntes Verhalten beizubehalten, nur damit andere Menschen auf ihre Kosten kommen.


Hinderliche Glaubenssätze:

„Weihnachten muss es im Haus besonders ordentlich sein“ oder „Der 24.12. ist der schönste Tag des Jahres!“, sind Aussagen, die nicht besonders förderlich sind, wenn es um die Reduzierung von Stress geht. Diese Sätze üben meist einen enormen Druck auf, doch genau den gilt es jedoch zu verhindern. Mit den folgenden vier Schritten kannst du deine persönlichen und hinderlichen Glaubenssätze auflösen, auch wenn sich dies leichter liest, als es dann wirklich ist.

Schritt 1: Mach dir deine Glaubenssätze bewusst! Schreib alle Sätze auf, die bei dir Druck erzeugen, zum Beispiel: „Mein Partner erwartet, dass…“ oder „Meine Mutter will ….“, gerne aber auch „Ich bin alleine für die Organisation zuständig“, bis hin zu „Weihnachten soll es meiner Familie besonders gut gehen.“. Erkenne, wie oft du in der Vorweihnachtszeit diese Sätze denkst. Sich klar zu werden, welche hinderlichen Gedanken man mit sich herumträgt, ist der wichtigste Schritt, bevor du den nächsten gehen kannst.

Schritt 2: Glaubenssätze hinterfragen.

  • Welche Sätze hindern mich am meisten?
  • Woran genau?
  • Woher kommen sie?
  • Will ich das weiterhin so glauben?

All diese Fragen solltest du dir in Ruhe schriftlich beantworten, allein dies sorgt manchmal schon für Momente der Besinnung.

Schritt 3: Nimm für den Anfang zwei bis drei Glaubenssätze, die dich besonders hindern, ein geruhsames Weihnachtsfest zu verbringen. Schreib nun das Gegenteil auf, also einen positiven Satz. Woran wirst merken, dass du diesen erfolgreich in dein Leben bringst? Woran wird es deine Familie/deine Freunde merken?

Schritt 4: Umsetzen, üben und üben und üben. Machen wir uns auch hier nichts vor, diese Schritte lesen sich leicht und sind doch oft schwierig umzusetzen.

Glaubenssätze sind ein großes Thema, was nicht "mal eben" zu bearbeiten ist.

Weniger machen, um am Ende mehr getan zu haben

Eine gute Möglichkeit, um Weihnachten entspannt zu verbringen, kann sein, von allem etwas weniger zu machen, damit du am Ende mehr getan hast. Es müssen nicht 100 Bleche Kekse gebacken werden, nicht an allen Tagen muss das 5 Gänge Menü serviert werden, schon gar nicht muss der Geldbeutel für Geschenke überstrapaziert werden. Überlege dir, was du in diesem Jahr wirklich anders machen möchtest und notiere dir dies auf deinem persönlichen Wunschzettel.

Der Stress steht am Anfang, das dicke Ende am 24.12.

Die Vorweihnachtszeit ist geprägt von Karten schreiben, Geschenke suchen, das Essen auswählen, einkaufen, Einladungen schreiben, Kekse backen und zwischendurch wird auf Weihnachtsfesten halbherzig mitgesungen, mal mit mehr oder weniger Alkohol. Die Erwartungen steigen, alles soll perfekt und schön sein, doch am Ende kommt es anders als erhofft: Das ferngesteuerte Auto ist nach zwei Minuten schon kaputt, die Krawatte für Onkel Heiner ist zu kurz, der Braten angebrannt und die Kekse sind schon wenigen Stunden verzehrt. Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber nicht weit von der Wirklichkeit vieler Menschen entfernt. Der Stress beginnt am Anfang und noch schlimmer in unseren Köpfen. Denn wenn am 24.12. unsere Nerven fast blank liegen, reicht oft eine unbedachte Bemerkung und wir sitzen auf der nicht vorhandenen Palme.
Schraub deine Aktivität auf ein Mindestmaß zurück. Sorg dafür, dass der Stress sich gar nicht erst in deinem Kopf breit macht, lass dir nicht von der Werbung vorgaukeln, dass alles perfekt sein sollte, selbst die „weiße“ Weihnacht gibt es nur noch an wenigen Orten in Deutschland.
Pass also besonders in der Vorweihnachtszeit gut auf dich auf.

  • Was willst du wirklich?
  • Was ist dir wichtig?
  • Woran hängt dein Herz, was macht dir Spaß, was nicht?

Delegieren ist das Zauberwort, was gleichzeitig bedeutet, dass das Ergebnis vielleicht nicht das von dir gewünschte ist, aber darüber magst du dieses Jahr getrost hinweg sehen? Es geht nicht um Perfektionismus, es geht um eine friedliche Zeit mit der Familie und Freunden. Ob die Tanne dann wirklich gerade steht oder eben nicht, ist egal, wenn vor ihr zufriedene Menschen sitzen und spielen. Ebenso wichtig ist daher:

Runter mit den Erwartungen, rauf mit der Freude!

Perfektionismus ist meistens hinderlich, besonders in der Weihnachtszeit, wenn viele Menschen und Erwartungen aufeinander prallen. Frag dich immer wieder „Muss ich das wirklich machen?“, und nur wenn du mit „Nein. Aber ich möchte!“ antwortest, bist duauf dem besten Weg. Eine zu hohe Erwartungshaltung sich selbst, der Familie und der gemeinsamen Zeit gegenüber stellt ein hohes Hindernis auf, das nur du selbst zur Seite räumen kannst. Denk an deine hinderlichen Glaubenssätze, wenn du wieder einmal bemerken, dass die Erwartung einfach zu hoch ist. Und dann schau, was du wirklich willst!

Angst

Oft schwingt sie mit, ist auf den ersten Blick gar nicht zu sehen, doch hinter vielen Bedürfnissen und Wünschen, die Menschen nicht äußern, steht Angst: nicht geliebt zu werden, nicht als „gute Mutter“ oder „sorgender Familienvater“ gesehen zu werden, kein perfekter Gastgeber zu sein oder als „zickige Schwiegertochter“ abgestempelt zu werden. Angst, dass es noch mehr Ärger gibt, wenn man gewisse Punkte anspricht, Angst, dass der Partner wütend wird. Zunächst hat jede Angst ihre Berechtigung, sie ist da und will gesehen werden. Erkenn an, dass du diese oder jene Angst hast. Wovor genau hast du Angst? Woher kommt diese Befürchtung? Sag es einfach! Sprich mit deinem Partner/deinen Kindern oder der Familie über deine Ängste. Sag ihnen, was du befürchtest, wenn du dieses oder jenes dieses Jahr zum Weihnachtsfest nicht mehr möchtest.
Nimm deine Angst zum Anlass, um einen Dialog entstehen zu lassen. Und in vielen Situationen wirst du erkennen, dass sich die meisten Ängste als kleine Hirngespinste herausstellen. Wenn du etwas verändern möchtest, so mach dir klar, wohin dich der bisherige Weg geführt hat. Vielleicht zu Stress, verbunden mit einer inneren Unzufriedenheit, zu Nerven, die blank liegen, zu einer Zeit, die doch „eigentlich“ besonders schön sein sollte. Kurzfristig gedacht mag es einfacher sein, den Konfliktpunkten aus dem Weg zu gehen, doch wie viele Weihnachten möchtest du so gestresst noch feiern? Worüber möchtest du sprechen? Mit wem? Wann? Und dann: Mach es. Die Belohnung wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Und was will die Familie?

Man muss Lieder singen, in die Kirche gehen und um 21.30 Uhr soll pünktlich die Bescherung stattfinden. Das Wort „müssen“ wird wohl selten so oft gebraucht, wie zur Weihnachtszeit. Das Tolle ist: Du musst gar nichts. Auch wenn du dies momentan vielleicht noch anders siehst, so ist es einfach nicht von der Hand zu weisen, dass man gerade und besonders zur Weihnachtszeit nichts muss. Wie also möchtest du Weihnachten verbringen? Wenn du mit deine Familie gemeinsam planen möchtest, sodass alle Beteiligten eine Chance haben, sich und ihre Bedürfnisse einzubringen, starte rechtzeitig mit einer Weihnachtskonferenz. Auf Liste 1 kommt alles, was man gerne mag, auf Liste 2 die Dinge, die man auf keinen Fall braucht, oder aber Punkte, auf die man gerne verzichten kann. Überprüf die Liste: Sind die genannten Punkte in deinem Sinne oder „muss“ man das so machen?

Dieses Jahr wird Weihnachten für dich eine ruhige und schöne Zeit, umso wichtiger ist es, dass du bereits im Vorfeld weißt, wer was mag. Das erfährst du nur durch Dialoge.. Solltest du glauben, dass diese Übung mit deinen Liebsten eine einfach sei: ist es oft nicht. Geh davon aus, dass es Dinge gibt, die du magst, andere aber ganz und gar nicht. Wenn ein Punkt wirklich von einem Mitglied so gar nicht gemocht oder gar gehasst wird, solltest du versuchen, an dieser Stelle einen Kompromiss zu finden. Weihnachten und Hass, das passt nicht zusammen.

Aufgaben verteilen

Weiter vorne schrieb ich es bereits: Delegieren sollte für dich zur Selbstverständlichkeit werden. Lass die großen Kinder bei den Vorbereitungen helfen, bitte deinen Besuch, sich um den Nachtisch zu kümmern, sorgen Sie dafür, dass Onkel Theo bei Oma vorbeifährt, um diese zum gemeinsamen Nachmittag abzuholen. Mach dir einen Plan und bezieh alle Personen mit ein, frag, was sie übernehmen möchten. Weihnachten ist auch eine Zeit, die man gemeinsam verbringt und wenn alle etwas zum Ziel beitragen, hat alleine das schon sehr viel weihnachtlichen Geist. Solltest du nun gedacht haben, dass keiner so gut wie du den Nachtisch zubereiten kann, nur du die Ente wirklich so gut braten und selbstverständlich auch du der Mensch bist, der die Geschenke am allerschönsten verpackt: mag sein, dass so ist, aber du hast die Wahl: Eine stressfreie Vorweihnachtszeit oder jammern? Eben. Daher: Weg mit den Aufgaben, verteilen, hab Spaß dabei und du wirst sehen: es macht nicht nur Spaß, sondern deine Familie freut sich über das in sie gesetzte Vertrauen.

Auszeit. Sonst droht der Kollaps.

Wenn du die Weihnachtszeit mit deiner Familie verbringst, zwischendurch noch Freunde besuchst, in die Kirche gehen möchtest, was auch immer du also geplant hast: Vergiss nicht einzuplanen, dass du auch Zeit für dich haben magst, sofern du es willst. Einen Film ansehen, gemütlich ein Buch lesen, der langersehnte Spaziergang, was auch immer. Plan die Zeit mit dich selbst ebenso wie die verbleibende mit Familie und Freunden. Schaff dir ganz bewusst Ruheinseln, in der du Kraft und Ruhe schöpfen kannst, auf Distanz zum Weihnachtstrubel gehst, um so wieder Nähe zulassen zu können. In Familien solltest du diesen Punkt nicht nur sich selbst eingestehen, sondern auch allen Familienmitgliedern. Kinder, die endlich in Ruhe spielen wollen, Partner, die sich zurückziehen möchten, die Oma, die vielleicht etwas Ruhe benötigt. Sorg für Auszeiten, die alle so verbringen dürfen, wie sie mögen, damit der Lagerkoller ausbleibt.

Traditionen. Geliebt oder gehasst?

„In den letzten 12 Jahren haben wir den 24.12. immer bei meinen Eltern verbracht, das muss unbedingt so bleiben.“ Nichts muss wirklich geschehen, wenn du dies nicht willst. Denn wahlweise wird es nun höchste Zeit, dass die anderen Eltern am 24.12. besucht werden, man kann natürlich auch beide nicht besuchen und sich alleine vor den Weihnachtsbaum setzen, um dann am zweiten Weihnachtsfeiertag alle Eltern gemeinsam einzuladen. Tradition ist schön, doch nur, wenn alle Beteiligten sie auch wirklich mögen.

Süßer Konflikte nie klingen

Seit Jahren Ärger mit der Schwiegermutter, Stress mit Tante Anna und dann ist da noch der furchtbare Freund der Schwester? Ärger und Streit gibt es in den meisten Familien, doch zur Weihnachtszeit soll alles friedlich und voller Harmonie sein. Du weißt, dass das so nicht funktioniert, vermutlich hast du schon einige Weihnachtsfeste als Referenz sammeln können. Erinner dich bitte an Punkt 1:
Was will ich? Und genau hier fängt, bereits vor dem Weihnachtsfest, der Lösungsweg an. Mit wem möchtest du Weihnachten auf keinen Fall feiern? Hast du dies schon geäußert? Wenn nein, dann liegt es nun an dir, dies zu sagen. Das ist sicher nicht leicht, doch auch nicht unlösbar. Hast du zwei Streithähne in der Familie, die sich so gar nicht leiden können, hilft es vielleicht, diese an zwei unterschiedlichen Tagen zu besuchen oder zu Besuch kommen lassen. Konzentrier dich auf Lösungen! Vermutlich sprichst duaus, was auch andere Familienmitglieder denken und hast so einen guten Anfang gemacht.

Harmoniefalle

Tapp gar nicht erst hinein, auch nicht zu Weihnachten. Eine falsche Harmonie vorzutäuschen bringt dich nicht an dein Ziel, ein schönes Fest zu haben. Es fördert sogar die Tatsache, dass genau das Gegenteil eintrifft, denn gerade dann, wenn man viele Tage miteinander verbringt, ist die Gefahr groß, dass schwelende Konflikte eskalieren. Dieses ausgerechnet zur friedlichsten Zeit des Jahres, überfordert einige Menschen. Der Harmoniefalle entgehst du, indem du klar aussprichst, was dir auf dem Herzen liegt und was Idir wichtig ist. Pack die Gelegenheit am Schopf und klär die Situation. Sollte dies nicht möglich sein, so wäre es ein guter Gesprächspunkt, sich genau darüber zu unterhalten. Klingt kurios, nicht wahr? „Lieber Onkel, in den letzten Jahren gab es Weihnachten immer wieder Ärger, wir beide konnten bisher keine Lösung finden. Welche Ideen hast du, was wir beide dieses Jahr machen können, damit wir ein schönes Weihnachtsfest haben?“ Du signalisierst damit, was dir wichtig ist (das Fest und keinen Konflikt zu haben), kommst mit der betreffenden Person vorab ins Gespräch und findest so auf dem Weg, dass es „eigentlich“ keine Lösung gibt, dennoch eine. In vielen Fällen läuft es also hier auf einen Kompromiss hinaus, der jedoch auf keinen Fall faul ist, wenn due nur Zusagen machst, die du auch wirklich willst.

Verständnis

Vermutlich bringst du viel davon auf, wenn es um Partner, Kinder und die liebe Verwandtschaft geht. Doch die wichtigste Person hast du übersehen: dich selbst.  Hast du “mal wieder” zu schnell reagiert, zu spät etwas gesagt oder gar nicht reagiert? Schon schwingt die innere Fehlerkeule über dem eigenen Haupt, weiß man doch, dass das alles nicht der richtige Weg ist, um einen Konflikt zu lösen. Hinsetzen, ausatmen und nun richtig reagieren: Die Wut wird ignoriert, die Hilflosigkeit im Alkohol ertränkt und gegen Magenschmerzen gibt es schließlich Medizin. Kann doch nicht so schwierig sein, die Sache mit den Emotionen, mit der richtigen Kommunikation und schon gar nicht, diese verdammte Situation zu klären. Ist es aber. Und bleibt es auch. Bis man verstanden hat, wer die allerwichtigste Person in einem Konflikt ist. Die, welche die geballte Aufmerksamkeit benötigt und alles, was wir in der Lage sind, an Verständnis aufzubringen, ihr zu geben: man selbst.
Es reicht nicht, sich um Taktiken und die richtige Kommunikation zu kümmern, denn der eigene (klare) Standpunkt ist der, den es einzunehmen gilt, damit gesprochen und gehandelt werden kann. Für sich selbst einzustehen heißt in erster Linie: sich verstehen. Klar zu werden, was man will, wofür man gerade einsteht und was man erreichen möchte.

Würde das Wissen ausreichen, um etwas zu verändern, wäre das Leben nur halb so schwierig. Erst wenn man es will, bereit ist, über den Schatten zu springen, weiß, was man danach alles anders und besser haben will, erst dann wird man so handeln, wie es gut und richtig ist, besonders für das eigene Leben. Was noch lange nicht heißt, keine Fehler mehr zu machen.

Rein in die Komfortzone!

“Rein? Ich dachte, ich muss da raus?” Jein. Denn in Konfliktsituationen oder in Zeiten, in denen der Trubel einfach zu viel wird, ist es sinnvoll, sich ganz bewusst in die eigene Komfortzone zu begeben:
Überlege dir,

  • was dir guttut,
  • welches Ritual du besonders hegen willst,
  • was du besonders gerne machen möchtest,
  • was du besonders gut kannst.

In der Hoffnung, dass dir viel zu diesen Punkten einfällt, begib dich direkt in deine persönliche Komfortzone, denn dies bedeutet auch: eine bewusste Entscheidung für sich selbst zu treffen und somit für eine entspannte Haltung. Und irgendwo, ganz hinten in der Ecke, sitzt auch das Verständnis. Hierbei geht es nicht um Rechtfertigungen, sondern ganz simpel um:

  • Ich darf Fehler machen.
  • Ich darf “falsch” reagieren.
  • Ich darf noch mehr Fehler machen.
  • Ich habe Verständnis für meine Gefühle und mein Handeln.

Am Ende hast du dir viele Gedanken gemacht, bist dir selbst ein bisschen näher gekommen und kannst ein bisschen Frieden mit dirschließen: “Obwohl” du mal wieder anders agiert hast, als du es “eigentlich” wolltest. Nimm das Ruder in die Hand und lenk dein Boot in eine andere Richtung. Dazu solltest du dann doch, Schritt für Schritt, die Komfortzone ein bisschen verlassen, aber sie niemals aus den Augen verlieren, denn sie gibt dir Sicherheit, die besonders guttut, wenn es gerade hektisch ist.

Gute Pläne, aber…

leider sitzt du nun doch mit Onkel Hugo am Tisch, der dir ein Vortrag hält, warum du das Fleisch lieber bei Metzger Heiner hättest kaufen sollen. Oder deine Schwiegermutter in spe meint, dass es ihr gutes Recht sei, nun endlich Oma zu werden. Was auch immer es ist: Du wirst die Menschen und ihre Angewohnheiten nicht verändern, aber kannst dafür sorgen, dass du ihnen mit einer anderen Haltung begegnest. Oft wissen wir schon im Vorfeld, wer uns wie nerven wird und bringen uns unter Umständen schon auf der Autofahrt in die Richtung Stimmung: „Deine Mutter wird sicher wieder…“ oder „Mein Vater wird sicher wieder erwähnen, dass er…“ und schon sind wir in einer negativen Erwartungshaltung, die unsere Gelassenheit Kilometer für Kilometer zurück lässt. Und „selbstverständlich“ kommt es dann auch so, wie wir es vorausgesagt haben und was machen wir? Reagieren, wie wir es immer getan haben.
Hierbei kann es hilfreich sein, sich bewusst vorab einen Anker zu setzen. Das bedeutet, dass du dir zum Beispiel ein Taschentuch oder einen kleinen Stein in die Hosentasche steckst, der dich daran erinnert, was du dir für diesen Tag vorgenommen hast: Zum Beispiel ein entspanntes Verhalten gegenüber Onkel Hugo.
Wenn du merkst, dass deine Stimmung langsam den Bach runter geht, erinner dich an den Anker und berühr ihn. Verbinde mit der Berührung des Ankers ein positives Gefühl, erinner dich in dem Moment ganz bewusst an ein schönes Erlebnis, das dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und du wirst entspannter sein. Probier es aus, es kann wirklich kleine Wunder bewirken.

Das Ende ...
ist der Anfang deines Handelns.

  • Wie sieht dein persönlicher Wunschzettel aus?
  • Welche Punkte sind dir besonders wichtig?
  • Womit fängst du direkt an?

Geh in kleinen Schritten, wirf den Perfektionismus mutig über Bord, achte gut auf dich und genieß die kleinen und großen Erfolge.

(Diesen Text habe ich erstmalig 2014 veröffentlicht, kurz nach Erscheinen meines Buches "Ja zum Nein".)


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