Welche Fallen gibt es beim nein sagen?
Grenzen

Nein sagen lernen: das sind die Fallen!

Der Weg des Neins ist gepflastert mit Fallen. Schauen Sie genau hin und erkennen, in welche Sie noch tappen.



Nein sagen bedeutet auch, nicht mehr in Fallen zu laufen, die einem – bewusst oder nicht – aufgestellt werden. Vermutlich kennen Sie mindestens eine der hier vorgestellten, oft ist es eine Kombination aus mehreren. Unser Selbstwertgefühl, oder das, was wir dafür halten, mag leider diese Fallen, die uns nicht nur im Job und Berufsleben begegnen:

Welche Fallen gibt es beim Nein sagen?

  • Die Lob – Falle
    „Frau Müller, Sie haben das bisher immer so wunderbar erledigt, darf ich Sie bitten, mich auch jetzt zu unterstützen?“ Man fühlt sich geschmeichelt, geschätzt und hat für einige Sekunden den Eindruck, unentbehrlich zu sein. Schöne Illusion! Kaum ein Mensch, der nicht Lob gerne hört, auch im Job. Hören Sie hin, was der andere Ihnen wirklich sagt und ob es das ist, was Sie voran bringt. Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass Sie ein Lob nur in Kombination mit einem Auftrag erhalten, dann ist dies oft ein sicheres Zeichen, dass hier nur die Ja-Falle zuschnappen soll.

  • Die Zeit – Falle
    „Herr Schmidt, haben Sie bitte wenige Minuten Zeit, um mir diese Unterlagen zu kopieren, geht wirklich ganz schnell!“
    Achten Sie im Arbeitsalltag darauf, wie lange etwas dauert, was wirklich schnell gehen sollte. Fünf Kollegen stehen bereits am Drucker und warten, die Patrone ist leer, das Papier neigt sich dem Ende und wenn es wirklich so schnell geht, wieso macht der Kollege es dann nicht selbst? Selbstverständlich ist es verführerisch, „mal eben schnell“ zu helfen, doch fragen Sie sich vor dem Ja, ob Sie das wirklich wollen. Ihre Schuldgefühle werden hier vermutlich angetriggert.

  • Hilfst – du – mir – Falle
    Grundsätzlich helfen Menschen sich gegenseitig gerne, was auch gut und richtig ist. Hat sich in der Abteilung jedoch herumgesprochen, dass Frau Müller gar nicht anders kann als Ja zu sagen, wird es nicht lange dauern, bis Kollegen das wissen und es ausnutzen: „Susanne, ich brauche dringend deine Hilfe“, kann schon ausreichen, um die Falle zuschnappen zu lassen. Diese Falle ist eine der schlimmsten, denn nicht selten führt sie zu totaler Überforderung und selbstgemachtem Stress. Helfen ist prima, wenn der Preis akzeptabel ist. Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen?

  • Die Angst-Falle
    Dem Kollegen seine Bitte ausschlagen, den Mitarbeiter im Projekt nicht unterstützen, wohin soll das führen? Die Angst, dass schlechte Stimmung verbreitet wird, weil man nicht Ja sagt, die Angst, nicht mehr Teil des Teams zu sein, bestimmt Ihre Handlung? Die Frage ist doch: Was wollen Sie mit Kollegen, die nur gut über Sie reden, wenn Sie ständig Ja sagen? Und was passiert wirklich, nicht nur in Ihren Gedanken, wenn Sie neinsagen?

  • Verantwortungs-Falle
    Teamarbeit wird bei Ihnen groß geschrieben, ist vielleicht sogar einer Ihrer wichtigsten Werte? Klingt zunächst sehr lobenswert, aber die Falle ist hier vorprogrammiert: „Dieser Auftrag ist für unsere Abteilung sehr wichtig“ oder „Dieses Projekt wird für große Anerkennung sorgen“ ist Gift. Richtig dosiert, kann es sicher kurzfristig zur Höchstleistung beitragen und motivieren, doch zu viel davon ist tödlich. Gut, wenn Sie Verantwortung übernehmen, noch besser, wenn Sie nicht das einzige Teammitglied sind, das so denkt. Perfekt, wenn die Last auf allen Schultern gleichmäßig verteilt wird. Neinsagen als Teamleistung - weil alle ihre eigenen Grenzen kennen, das wäre doch mal was!

  • Gewohnheits-Falle
    „Das hat immer so gut geklappt, wenn Sie mir geholfen haben, könnten Sie bitte …“, eine Falle, die gerne zuschnappt, wenn man bereits viel Ja gesagt hat. Sie bemerken in Zukunft, wann diese Falle vor Ihnen steht und stehen zu Ihrem nein. In vielen Fällen greifen mehrere Fallen ineinander, was die Ursachenforschung nicht unbedingt leichter macht. Versuchen Sie herauszufinden, in welche Sie bisher oft gelaufen sind und fangen Sie in kleinen Schritten an, Nein zu sagen, wenn Sie es meinen.

Grundsätzlich sollten wir immer davon ausgehen, dass wenn eine Falle aufgestellt wird, dies zunächst nicht aus purer Boshaftigkeit geschieht. Menschen bewegen sich gerne auf vertrautem Boden, wissen, an welchem Punkt sie ihr Gegenüber treffen können. Und wer von uns nutzt sie nicht selbst? In unserem Privatleben sind das die Momente, in denen wir Sätze sagen wie „Dieses Gespräch führen wir alle drei Wochen, es reicht mir!“ oder aber auch „Sag mal, wie oft sollen wir dieses Thema jetzt noch aufwärmen?“. Die Fallen sind die Situationen, in denen man genau weiß, was jetzt passieren wird, was der andere macht und sagt, wie man selbst reagiert. Abläufe, die man ohne großes Bewusstsein, ohne Verantwortung, dafür mit vielen Schuldgefühlen und wenig Selbstbewusstsein über viele Jahre hinweg immer wiederholen kann. Unsere Kommunikationsspiele wiederholen wir so lange, bis sich ein Mensch entschließt, es anders zu machen. Und genau hier besteht die große Chance - wenn man sich nicht vor Zurückweisung fürchtet, was leicht gesagt ist!

  • „Nie bekomme ich Unterstützung durch Sie!“ oder
  • „Immer muss ich alles alleine machen!“, so oder ähnlich klingen Fallen.

Ein leicht aggressiver Unterton der mitschwingt, oder die Übertreibung, die auch gerne gewählt, um uns zu locken, sind oft gute Hinweise. Gerne genommen jedoch auch „Ich bin nicht so gut wie du, kannst du mir helfen?“
Oder „Sie sind doch immer so schnell und die Zeit rennt mir davon“. Um die Fallen nicht mehr zuschnappen zu lassen, ist es wichtig, dass man nicht mehr auf die Köder reagiert. Doch leider lassen sich hier nur wenige Menschen irritieren und legen gerne ein wenig Druck dazu, werden ironisch oder sarkastisch. Umso wichtiger, dass Sie genau wissen, wann Sie in die Fallen tappen, was Ihr wunder Punkt ist, worauf Sie spontan reagieren. Bei „typisch Frau“ reagieren gar nicht wenige hoch aggressiv. Sobald ein Kollege, der einem nicht wohlgesonnen ist, dies bemerkt, wird er die Falle so oft aufstellen, bis die Frau endlich nicht mehr reagiert. Oder komplett die Fassung verliert.

Auf dem Lebensparkett ist das Müssen nur eine kleine Diele, die zwischen all dem Wollen liegt. Und worauf trampeln wir herum?