Harmoniesucht. 9 Tipps, wie Sie echte Harmonie fördern.
Ängste

Harmoniesucht

Grenzen setzen und nein sagen. Kann man das wirklich mit Harmoniesucht vereinbaren? Wenn ja, wie geht das?



Harmoniesucht, was ist das?

Harmonie ist ein schöner Zustand, sofern er ganz natürlich ist. Ist doch klar, dass wir es mögen, wenn alles rund läuft. Keine konflikte, keine unangehnmen Gespräche, kein Mensch, der nörgelt. Manchmal ist die Harmonie aber falsch und nicht so gemeint und steht damit im Weg.

Kein Mensch mag Konflikte, harmoniesüchtige Menschen schon gar nicht. Klar nein sagen, mit unterschiedlichen Meinungen umgehen, Ablehnung aushalten: all das sind sicher nicht die Stärken von Menschen, die Harmonie als Grundzustand suchen. Doch oft ist die Harmonie nur der Deckel auf dem Topf mit dem heißen Wasser. Und dann wird es unnötig kompliziert.

Daran erkennen Sie das Harmoniebedürfnis

Harmoniesüchtige Menschen erkennen Sie u.a. an und in diesen Situationen und Verhalten:

  1. Sie möchten andere Menschen nicht kritisieren.
  2. Harmoniesüchtige Menschen möchten selbst nie kritisiert werden.
  3. Konfliktsituationen gehen sie aus dem Weg.
  4. Sie erkennen Konflikte auf 100 Kilometer Abstand.
  5. Bei Streit und in Konflikten ziehen sie sich zurück.
  6. In Konfliktsituationen versuchen sie sofort zu beschwichtigen.
  7. Sie entschuldigen sich ständig. Für alles. Hauptsache, Harmonie.
  8. Sie sagen ja, obwohl sie nein meinen, um somit einer unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen.

Raus aus der Harmoniesucht! Hin zu einem klaren Nein.

Dass ausgerechnete harmoniebedürftige Menschen dafür sorgen, dass Dinge nicht geklärt werden, erstaunt nur auf den ersten Blick. „Ich will mich nicht immer streiten, lasst uns einfach friedlich arbeiten“, ein Satz mit dem jeder aufkommende Streit schnell in Keim erstickt wird. Zügig wird die Angelegenheit unter den Teppich gekehrt, über den später unter Umständen das ganze Team oder die Familie stolpern wird.

Falsche Harmonie ist der Deckel auf dem heißen Topf!

Bereits an dieser Stelle wird es heiß, denn oft sind es die besonders harmoniebedürftigen Menschen, die sich nicht trauen, nein zu sagen, wenn sie es so meinen.

Wer das Trennende ignoriert, wird keinen wahren Frieden stiften, auch nicht zwischen den beiden Kollegen, die nebenan im Büro streiten. Statt die beiden sich kräftig die Meinung sagen zu lassen, sie in ihrer Kraft, in ihren Widersprüchen und unterschiedlichen Sichtweisen zu unterstützen, mindestens ihnen aber die dafür nötige Zeit zu geben, versucht der harmoniebedürftige Mensch den Deckel auf Topf zu drücken, nur damit das Wasser nicht überkocht. Es liegt in der Natur der Sache, dass er keinen Erfolg haben wird. Noch mehr: er sorgt mit dem Verbreiten der Scheinharmonie aktiv dafür, dass es zu besonders heftigen Konflikten kommt, weil sie lange unter den Teppich gekehrt werden.

Tipps, wie Sie mit dem Bedürfnis nach Harmonie umgehen

Vielleicht haben Sie den ersten und wichtigsten SChritt schon getan. Sie sind sich bewusst, dass Sie harmoniesüchtig sind. Sie sagen ja, obwohl Sie nein meinen, Sie lassen vielleicht viel mit sich machen, obwohl Ihre Grenzen schon längst überschritten sind? Aber Ihnen ist auch klar, dass Veränderung nie leicht ist. Ein Teufelskreis, richtig? Wichtig ist, dass Sie in die Umsetzung kommen, das ahnen Sie vermutlich bereits. Aber was können Sie jetzt ganz konkret tun?

  1. Stellen Sie sich Ihren Ängsten. Klingt immer banal, ist aber ein wichtiger Schlüssel. Frei nach dem Motto "Augen auf und durch".
  2. Suchen Sie sich Unterstützung. Alleine durch den Dschungel von Harmoniebedürfnis, Ängsten und sonstigen Themen zu gehen, das ist oft frustrierend. Vielleicht besuchen Sie einen Workshop oder einen Coach? Fangen Sie an, machen Sie den ersten Schritt.
  3. Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn Sie ein Stück aus Ihrer Komfortzone kommen? Wenn Sie ein kleines bisschen mutiger sind? Und was ist das, was Sie auf jeden Fall jetzt umsetzen möchten?
  4. Wenn Sie sich selbst ab sofort ernst und wichtig nehmen würden, wie sähe Ihr Leben dann aus?
  5. Was muss passieren, dass Sie sich selbst als den wichtigsten Menschen in Ihrem Leben betrachten?

„Ich will mich nicht streiten!“

Konflikte kosten Zeit und Nerven, sind aufreibend und können aufwühlen, kein Wunder also, dass ein Streit nicht als Tageshighlight angesehen wird. Doch wer ein ernsthaftes Interesse daran hat, den ganz großen Konflikten möglichst lange aus dem Weg zu gehen, der klärt die kleinen Ungereimtheiten frühzeitig. Die Kollegin rechtzeitig anzusprechen, mit dem Partner zügig unterschiedliche Sichtweisen klären, mit den Kinder ein klärendes Gespräch führen, lange bevor es kracht, kostet am Anfang Überwindung und Mut. Doch die Belohnung lässt nicht lange auf sich warten, wenn sich echte Harmonie und ein gutes Miteinander wie ein Lauffeuer verbreitet.

Das sind die Fallen, in die Sie nicht tappen sollten

Vermutlich kennen Sie mindestens eine der hier vorgestellten, oft ist es eine Kombination aus mehreren. Das Selbstwertgefühl, oder das, was wir dafür halten, mag leider diese Fallen, die uns nicht nur im Job und Berufsleben begegnen. Harmoniesüchtige Menschen treten nicht nur hinein, sondern nutzen sie als roten Teppich, um dem Konflikt oder der unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen. Oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Lesen Sie hier weiter: Die Fallen der Harmoniesucht.

Wenn das Nein sagen zu einem Konflikt führt, ist die Harmonie dann weg?

Wenn das Nein zu einem Projekt, zu einer weiteren Aufgabe, zu einem Wunsch eines Mitmenschen für einen Konflikt sorgt, dann ... gibt es etwas zu klären. Der Konflikt sorgt also dafür, dass etwas sichtbar wird. Und wenn Ihr Kollege sauer ist, weil Sie Nein sagen, wie gut ist Ihre Beziehung dann wirklich? Und wenn sie schon schlecht ist, wird es nicht wirklich Zeit für eine Aussprache?

Echte Harmonie ist also ganz und gar nicht die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Anwesenheit von bewussten Menschen, die sich um die kleinen Krümel des aufreibenden (Büro-Lebens) kümmern, um für eine aufgeräumte Stimmung zu sorgen, was doch sehr harmonisch klingt, oder?

Tschüss, Harmoniesucht. Hallo, Selbstachtung!

Konkret und praktisch

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