Ja. Nein. Fokus.
Kommunikation

Fokus: Nein sagen!

Es gibt Menschen, die den ganzen Tag durch die Büroräume rennen, sich mit Kollegen unterhalten, Probleme aufschnappen, sie lösen und am Ende des Tages sagen: "Ich habe heute nichts geschafft."



Fokus: Grenzen setzen und nein sagen

Fokus setzen.
Konzentration.
Wesentliches vom Unwesentlichen unterscheiden.

Nein sagen, um sich zu fokussieren.

Es gibt Menschen, die den ganzen Tag durch die Büroräume rennen, sich mit Kollegen unterhalten, Probleme aufschnappen, sie lösen und am Ende des Tages sagen: "Ich habe heute nichts geschafft."

Führungskräfte, die 9 Stunden am Tag ihrem Team hinterherlaufen, Anweisungen aussprechen und Aufgaben verteilen, um sie dann doch wieder an zu sich reißen. Nicht selten erzählen diese Menschen dann, dass sie unbedingt an der Work-Life-Balance arbeiten müssen, was auch immer das konkret bedeutet.

Kurt Tucholsky schrieb 1921: "Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen:"Nein."

Nein sagen: Kein Ja. Keine Prioriät. Unendlich viele Möglichkeiten.

Wer es schafft, dem Wort "Grenze" das Negative nicht abzusprechen, sondern ihm einen neuen Wert hinzuzufügen, der wird erkennen: Es gilt nicht, sich oder andere auszugrenzen, sondern etwas einzugrenzen, zu schützen und somit zu stärken. Und wenig setzt besser eine klare Linie als ein Nein.
Menschen, die es nicht schaffen, einen klaren Fokus zu setzen, werden in der Masse untergehen. Viel mehr noch: das eigene Wirken bleibt aus und damit das, wonach sie sich oft besonders sehnen: Anerkennung. Sich von Aufgaben zu trennen und nicht alles Unnötige an sich zu reißen, erfordert ein klares Ja: zu Aufgaben, Werten, Projekten, den eigenen Wünschen. Die eigene Person inklusive unzähliger Schweinehunde durch den Dschungel der täglichen Ablenkungen zu führen, das ist die Hauptaufgabe unfokussierter Menschen. Die Verantwortung, den Weg des klaren Neins zu gehen, trägt jeder selbst. Aber noch nie wurde irgendwo behauptet, dass Freiheit und Verantwortung leichte Aufgaben sind.

Nur wer geht, kann Spuren hinterlassen. Und es ist selten der leichte Weg, der richtig ist.

Wieder einmal steht ein Kunde vor der Tür, den man eigentlich gar nicht will, Einladungen zu Veranstaltungen, auf die man nicht gehen möchte, Anfragen für Ehrenämter, von denen man nicht weiß, wo man sie unterbringen soll.

Wer diese Situationen kennt, sich gleichzeitig schwertut mit dem Neinsagen, der hat quasi in Dauerschleife herausfordernde Situationen vor der Tür stehen.

Nein oder Ja?

Wer nein sagen möchte, tut gut daran, sich immer auch die Rückseite der Münze anzusehen, auf der ein klares „Ja!“ steht. In der Praxis habe ich erlebt, dass dies ein Bild ist, welches vielen Menschen am Anfang sehr hilft und den Weg des „Nein-Sagens“ erleichtert. Das liegt daran, dass am Anfang, das „Nein“ mit vielen negativen Gefühlen, Erfahrungen und Glaubenssätzen verbunden wird. Verständlich, denn meistens war es in der Vergangenheit vermutlich auch so, daher ist dieser Umkehrschluss nachzuvollziehen, wenngleich auch für die aktuelle Situation nicht mehr richtig. Doch die Münze des Ja und Nein hat eben beide Seiten. Und bis man sieht, dass das Nein an sich auch positive Seiten hat, dreht man die Münze zunächst um und konzentriert sich auf das „Ja!“.

Ja oder Nein? Nein sagen, Fokus Ja.
Abb. aus "Ja zum Nein, Selbstachtung statt Harmoniesucht", K.Nickelsen, Springer Verlag

Das Bild der „Ja/Nein-Münze“ macht deutlich, dass es ein Ja ohne ein Nein nicht gibt, ebenso wenig wie es ein Nein ohne Ja nicht gibt. Das Nein ist daher eine logische Konsequenz des klaren Jas:

Ein klares Nein beinhaltet immer auch ein starkes Ja!

Etwas, das man bejaht, das man selbst unbedingt haben oder verwirklichen möchte, was einem wirklich verlockend erscheint und für das man bereit ist, nein zu sagen, all das sind Eigenschaften eines starken und klaren Jas. Jedes klare Nein ist demnach eine nach außen gebrachte Haltung gegenüber dem Ja, das man sich selbst gibt. Das betrifft die eigenen Werte, Wünschen, Visionen, ebenso wie die Bedürfnisse.

Ja zum Nein!

Dieser Satz ist Fazit und Aufforderung zugleich, welcher unter allen Jas steht, die man sich selbst gegeben hat. Es ist nicht eine grundsätzliche Aufforderung, sich neuen Wegen und Möglichkeiten gegenüber zu verschließen und nun zu allem nein zu sagen. Es bedeutet, dass das eigene Nein, aber auch das Ja, wirklich so gemeint ist und nicht eine halbherzige Aussage, mit der man sich das Leben nur schwer macht.

Das klingt banal, fällt aber vielen Menschen am Anfang oft schwer. Je klarer Sie sich fokussieren, desto besser werden Sie später mit den Herausforderungen umgehen können. Fragen Sie sich immer, ob es jetzt, in dieser Situation, ein echtes Ja gibt. Dabei ist es unerheblich, ob es um Ablenkungsmanöver am Schreibtisch geht, neue Kunden oder Projekte, Anfragen für 12 Freizeitaktivitäten gleichzeitig.

Fokus: Nein? Ja!

Ich höre sehr oft, dass Menschen nicht wissen, wozu Sie Ja sagen wollen. Dass ihnen viele Projekte theoretisch Spaß machen würden, sie gerne zig Veranstaltungen besuchen, was auch immer.
In der Praxis ist es aber meistens so, dass es oft hier schon reicht, sich 2-3 Minuten zu nehmen, um das Ja zu hinterfragen und sehr schnell zu erkennen, ob es ein echtes Ja ist - oder eben nicht. Ein echtes Ja geben Sie auch noch am nächsten Tag, vielleicht lächeln Sie bei der Vorstellung, dass Sie sich endlich Zeit für sich selbst nehmen, vielleicht merken Sie andere Gefühle, die sie fröhlich stimmen, erheitern oder Ihnen schlicht guttun. Und was wäre, wenn Sie diesen Signalen folgen?

Sie wissen "eigentlich", was Sie wollen. Und erst wenn Sie wirklich aus Überzeugung zustimmen, dann wissen Sie, dass die Konsequenz ein Nein ist.

Und nur weil es sich leicht ist, ist es immer noch nicht leicht umzusetzen! Bleiben Sie also dran! :)


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