Ja-Sager sind beliebt. Und oft unzufrieden.

Ja-Sager sind oft nicht sehr zufrieden. NEIN ist ein starkes Wort.
Nein meinen, ja sagen. Gewohntes Spiel, alle sind glücklich, man selbst nicht. Nein sagen und meinen hat so viele Vorteile, wenn man sie entdeckt.

Ja-Sager und Ja-Sagerinnen sind vordergründig sehr beliebte Menschen. Kein Wunder, oder? Das sind die Kollegen und Kolleginnen, die abends noch die Zusatzaufgaben erledigen, die Freundin, die sich das Gejammer nun schon seit 959 Tagen anhört. Und nicht zu vergessen der Nachbar, der immer wieder sagt, dass es ihn selbstverständlich nicht stört, dass der Hund in seinen Vorgarten kackt. Ja-Sager sind freundlich, hilfsbereit und beliebt. Und selbst gar nicht selten unzufrieden.

Wieso fällt es mir so schwer, nein zu sagen?

Wundert Sie das? Die Menschen finden Sie toll! Sie sagen immer Ja. Wie wunderbar! Immer kann man Ihnen die blöden Aufgaben zuspielen, kein Problem, wenn Sie auch am Wochenende arbeiten müssen. Und logisch, gerne tauschen Sie auch die nächsten Nachtschichten oder organisieren das Sommerfest. Toll. Wirklich! Und Sie wundern sich, weshalb Sie nicht nein sagen können?

Wo kämen Sie hin, wenn Sie schlagartig NEIN sagen würden? Die Kollegen fänden Sie vielleicht auf einmal gar nicht mehr nett, die beste Freundin würde Sie fragen, weshalb sie so zickig sind und der Nachbar, dessen Hund ständig in Ihren Garten kackt, der würde böse Worte in Ihrer Nachbarschaft über Sie verbreiten.

Und nun fragen Sie sich ernsthaft, weshalb es Ihnen schwerfällt, nein zu sagen? Ein echter Teufelskreis.

Wer es allen recht machen möchte, wird das Ziel nicht erreichen. Und bleibt am Ende selbst auf der Strecke.

Ich will mich ja verändern, aber was kann ich tun?

Endlich nein sagen, Grenzen setzen und hinderliche Glaubenssätze mal links liegen lassen. Kaum nimmt man sich das vor, schon stehen sie quasi doppeltgemoppelt vor der Tür. Mindestens. Und warum ist das so?

Auf der einen Seite ist es total normal.

Wirklich. Ihr Gehirn schlägt selbstverständlich Alarm, völlig egal, ob Sie auf Zuckerentzug gehen, das Nein lernen wollen oder dem Alkohol endlich "Adieu" sagen. Ihr Gehirn, ja, meines auch, ist eine faule Socke. Es hat kein Interesse Routinen zu verlassen. Überhaupt keine. Wirklich nicht. Wenn etwas bei Veränderungen sicher ist, dann genau dieser Punkt, dass alle Alarmsignale angeschaltet werden. Das Gehirn möchte möglichst wenig Energie verbrauchen. Und das tut es nur, wenn alles bleibt wie es ist. Ganz einfach.

Auf der anderen Seite ist es gut zu wissen.

Denn wenn wir wissen, dass es normal ist, entfällt schon mal der ganze Gedankensalat mit "Ich bin wieder mal zu blöd...". Das ist super, denn wir sind nicht blöd, sondern normal, ist doch auch eine Erkenntnis.

Wenn es also normal ist, dass Blockaden und Hindernisse auf dem Weg stehen, was können wir dann konkret tun?

Ja- Sager sind wie eine Fahne im Wind.

Harter Tobak, oder? Was tun diese Menschen bei Flaute? Sie erschlaffen. Hängen rum, haben keine Orientierung, wissen nicht, was sie wollen. Die Orientierung im Außen ist sehr oft viel stärker als die Frage, was sie selbst wirklich wollen.

Ein klares Nein beinhaltet immer auch ein starkes Ja!

Etwas, das man bejaht, das man selbst unbedingt haben oder verwirklichen möchte, was einem wirklich verlockend erscheint. Etwas für das man bereit ist, nein zu sagen. Das sind Eigenschaften eines starken und klaren Jas. Jedes klare Ja und Nein ist demnach eine nach außen gebrachte Haltung. Das betrifft die eigenen Werte, Wünschen, Visionen, ebenso wie die Bedürfnisse.

Sie treffen die Entscheidung. Sie sagen zu allem Ja und Amen. Oder Sie beginnen, Schritt für Schritt das Nein sagen zu üben. Sie können, wenn Sie mögen, direkt anfangen.
(Teile des Textes wurden meinem Buch "Ja zum Nein" entnommen.)